Das Plauener Gymnasium

Am 1.Mai 1835 wurde aus dem bisherigen Lyceum ein Gymnasium, das am 7. Mai eröffnet wurde. Die Bürgerschule und das Seminar wurden von ihr abgetrennt. Die vorhandenen drei Oberklassen wurden in vier Gymnasialklassen umgewandelt, wobei ein Schuljahr eineinhalb Jahre dauerte. Zusätzlich wurden zwei Progymnasialklassen angegliedert. Insgesamt verbrachten die Schüler neun Jahre am Gymnasium, bis sie ihr Abitur in der Tasche hatten. Den Lehrplan hierzu entwarfen Rektor Dölling, Prorektor Pfretzschner, Tertius M. Fiedler, Collaborator J. Vogel, Collaborator II und Seminarlehrer Wild, der ab 1. Mai 1835 zum Seminardirektor avancierte, und Sprachlehrer Freytag. Die Lehrerschaft bestand außer aus dem 1829 zum Rektor ernannten Johann Gottlieb Dölling und dem Prorektor Christian Gottlieb Pfretzschner, aus neun weiteren Lehrern. Unter anderem Eduard Lindemann als Konrektor, Wilhelm Schödel als Collaborator IV, Dr. G. Meutzner als Collaborator V und als Collaborator VI den Mathematiker Dr. C. Thieme. Von Anfang an förderte die Regierung die zeitgemäßen Fächer wie Zeichnen, Gesang und Turnen. Der Gesangunterricht wurde dem Kantor Finke, der Zeichenunterricht dem Maler Heubner übertragen. Zum erstenmal seit bestehen der Schule wurde in allen Klassen Mathematik gelehrt, Physik ausschließlich in der Prima. Das Gymnasium selbst blieb städtisch. Die Stadt übte aber nicht mehr ihr Kollaturrecht in Form der Schulinspektionen aus. An ihre Stelle trat die Königliche Behörde der Schulkommision. Eine Neuerung, die in Verbindung mit der Landesverfassung von 1831 und der Städteordnung von 1832 stand. Sie bildete die Verbindung zwischen der Schule und dem Ministerium. Dieser Kommision gehörten Sup. Dr. Fiedler, Advokat Dr. Lorentz und Buchhändler Klinkhardt als Stadträte sowie Gerichtsdirektor Steinberger als Mitglied der Ortsgemeinde an. Die Geldmittel für die Schule einschliesslich der Lehrergehälter flossen aus dem bescheidenen Schulgeld, einigen Legaten, sowie einem jährlichen staatlichen Zuschuss. Das Gebäude der Schule wurde von der Stadt zur Verfügung gestellt. Die Beleuchtung musste, wenn das Geld nicht ausreichte, bis 1843 von den Schülern bezahlt werden. Eigentlich waren alle Voraussetzungen für ein Gedeihen der Schule gegeben. Trotzdem nahm die Schülerzahl aber ab. So waren es 1836 nur 100 und Ostern 1837 gar nur 85 Schüler. Trotz der Zuschüsse aus der Staatskasse, reichten die Mittel der Stadt nicht, um die Schule stärker fördern zu können. Es machte sich ein Defizit in der Stadtkasse, bedingt durch das Hochwasser von 1834 in Höhe von 900 Taler, sowie gemeindliche Verluste und Kriegsschulden bemerkbar. Der Versuch, einen finanziellen Zuschuss vom Staat zu erhalten, scheiterte am Vertreter des Kultusministeriums, der nach einem Besuch die Stadträte fragte, ob sie willens und fähig sind, ein Gymnasium, in einem den Forderungen der Zeit und der Wissenschaft entsprechenden Zustand, unterhalten zu können. Das Ministerium hielt das Gymnasium in Plauen (genau wie das in Annaberg) für überflüssig und verweigerte somit jegliche Ünterstützung von Seiten der Stände. Ein am 6. Juni 1836 eingereichtes Gesuch verschaffte der Stadt wenigstens eine Anhörung vor der nächsten Ständeversammlung. Den Versuch unternahm eine 1837 in Dresden erschienene, vermutlich in Plauen verfasste Denkschrift: "Über die beabsichtigte Einziehung der beiden Gymnasien zu Annaberg und Plauen, eine Betrachtung, gewidmet der Ständeversammlung des sächsischen Volkes von einem Freunde des vaterländischen Gymnasialwesens". Durch das entschiedene Auftreten des Adorfer Bürgermeisters Todt, einem ehemaligen Plauener Gymnasiasten, am 7. Juli 1837, konnte die 1. Kammer und 2. Kammer fast einstimmig für das Fortbestehen des Plauener Gymnasium bewogen werden. Einer Erhöhung des Zuschusses von seiten des Staates um 1700 Taler wurde zugestimmt, aber gleichzeitig in einer Verordnung vom 12. Mai 1838 eine weitere Erhöhung für die Zukunft ausgeschlossen. Während für die anderen Gymnasien im Lande für die dringensten Bedürfnisse ausreichend finanzielle Mittel verhanden ware, reichte es in Plauen nicht einmal für die etatmäßige Besoldung der Lehrerschaft. Die Lehrer mussten sich von der Wechselbank, gegen Zahlung von Zinsen und Provisionen, Geld beschaffen. Dieser Zustand dauerte von 1835 bis 1844, zu welcher Zeit die Gymnasialkasse dem städtischen Rechnungsführer entzogen und durch Verordnung vom 27. Januar 1845 dem Gymnasiallehrer Dr. Meutzner übertragen wurde.

Da sah der Stadtrat sich genötigt die Entlassung des Religionslehrers sowie die Übertragung des Religionsunterricht an einen anderen Gymnasiallehrer, die Zusammenlegung der beiden Progymnasialklassen und die Streichung einer weiteren Lehrerstelle zu beantragen. Alle diese Punkte wurden seitens des Ministeriums genehmigt. Mit diesen Aktionen sparte die Stadt aber nur 400 Taler, verlor aber gleichzeitig zwei Lehrer und eine Klasse. Änderung sollte der Landtag 1839/40 schaffen. Hier sollte die weitere Unterstützung des Gymnasiums als auch eine eventuelle Verlegung desselben nach Wiesenburg beraten werden. Man sagte der Stadt zwar ein Fortbestehen des Gymnasiums zu, aber an den Zuständen selbst änderte sich nichts. Das wiederholte Gesuch, die zweite Progymnasialklasse wieder herzustellen und die gestrichene Lehrerstelle wieder zu besetzen, und damit die Schule den übrigen Gymnasien des Landes gleichzustellen blieb erfolglos. Auf Dauer gefährdete die mißliche Finanzlage der Stadt das Fortbestehen des Gymnasiums. Am 19. April 1841 erschien der Minister von Wietersheim in Plauen und machte sich persönlich vor Ort ein Bild von der Lage. Er besuchte den Unterricht aller Klassen und Lehrer, beriet sich mit den Lehrern und erteilte praktische Winke für den Unterricht in Religion und Naturwissenschaft. Nachdem Geheimrat Dr. Schulze wiederholt die Schule besuchte und sich eingehend mit den Lehrern beriet, kam es 1843 zu einem Vertrag, in dem der Staat das Gymnasium in seine Verwaltung übernimmt. Nach dem mit den Stadträten von Freiberg, Zwickau nd Plauen unter Vorbehalt der beiderseitigen Kündigung abgeschlossenen Vertrage verbleiben den Gymnasien dieser Städte die bis dahin benutzten und von den Städten zu unterhaltenden Gebäude sowie die Einnahmen aus den Stiftungen, Kirchen- und sonstigen Fonds. Im Gegenzug verpflichtete sich das Ministerium den finanziellen Bedarf aus der Staatskasse zu decken und die Gymnasien so lange zu unterhalten, wie es ein Bedürfnis nach gelehrtem Schulunterricht gibt. Für den Fall, daß die Finanzierung des Gymnasiums seitens der Staatskasse nicht mehr möglich sein sollte, fällt die Schule nach Ablauf der Kündigungsfrist wieder an die Stadt zurück und in deren Ermessen liegt es dann, ob die Schule weiter fortbestehen soll oder nicht. Die Lehrer werden in diesem Fall vom Ministerium wieder in den Staatsdienst übernohmen. Für das Plauener Gymnasium war damit ein großes Ziel erreicht, denn Lehrverfassung und Lehrplan blieben künftig auf der gleichen Stufe wie die anderen Gymnasien des Landes. Nach einem weiteren Besuch von Wieterheims am 28. August 1843, wurde bereits im September desselben Jahres Heinrich Lindemann als neuer Lehrer eingestellt. Der Ende 1843 ausscheidende W. Schödel wurde 1844 durch Gessinger ersetzt. Für zwei Hörsäle konnten neue Bänke beschafft werden und die Schulbibliothek erhielt ein Grundgeschenk in Höhe von 200 Taler. Seit 1843 war auch ein Turnsaal vorhanden, so daß auch im Winter das Turnen fortgesetzt werden konnte. Gleichzeitig regelte von Wietersheim die Ausübung des PAtronats- und Kollaturrechtes, wobei für Plauen die "gemischte Kollatur" durchgeführt wurde. Schulkommision und Kollatur haben so bis Ostern 1889 bestanden. Die Regierung wählte und berief die Lehrer und ein Vertreter der Gymnasialkommision wies sie mit einer A nsprache in ihr Amt ein und überreichte die Berufungs- und Anstellungsurkunde. 1846 wurde seitens des Ministeriums der Posten für Lehrmittel wesentlich erhöht. Unter diesen Bedingungen konnte Rektor Dölling einen neuen Lehrplan einführen, der zwar auf dem Papier existierte, aber bis dahin nicht möglich war.

Lehrplan von 1844/1845            
  I II III IV V VI
Deutsch 2 2 3 3 6 6
Latein 9 10 10 9 7 6
Griechisch 6 6 6 6 3  
Französisch 2 2 2 2 2  
Hebräisch 2 2        
Religion 3 3 3 3 3 3
Geschichte 2 2 2 2 3 3
Literaturgeschichte 2 1        
Mathematik 3 3 3 3 3 3
Physik 1 2        
Naturgeschichte       1 1 1
Geographie     2 2 2 2
Logik 1          
Gesamt 33 33 31 31 30 24

Hinzu kamen noch Schreiben und Zeichnen, sowie Gesang mit je zwei Stunden. 1843 wurde zum ersten Male "Neueste Geschichte bis 1840" unterrichtet. Auch der Deutschunterricht wies manche Verbesserung auf. So unter anderem die 1835 von Dölling eingeführte Literaturgeschichte oder der deutsche Aufsatz für die Prima. Bis 1847 wurde am Gymnasium außer Herder kein weiterer deutscher Klassiker gelesen.

Nur wenige Jahre wurde nach dem Lehrplan von 1844 unterrichtet. Eine neue Vorschrift nötigte den Rektor zur Änderung des Lehrplans zu Gunsten der Mathematik. Gleichzeitig wurde die Stundenzahl für Latein in der Prima und Sekunda verringert. Eine Menge an Verordnungen seitens der Regierung folgten, die Änderungen im mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht , sowie die Einführung der philosophischen Präpädeutik forderten. Dölling erstellte einen neuen Lehrplan, der am 3. März 1848 seitens des Ministeriums genehmigt wurde.

Lehrplan von 1848/1849            
  I II III IV V VI
Deutsch 3 3 2 2 3 4
Latein 8 8 10 10 10 10
Griechisch 6 6 6 6 4  
Französisch 2 2 2 2    
Religion 2 2 2 2 3 3
Geschichte 2 2 2 2 3 3
Geographie     2 2 2 3
Mathematik 4 4 4 4 3 4
Physik 2 2        
Naturgeschichte     2 2 2 2
Phil. Propädeutik 1          
  30 29 32 32 30 29

Hinzu kommen für die künftigen Theologen je zwei Stunden in der Prima und Sekanda. Die technischen Fächer wurden zum Teil von den wissenschaftlichen Lehrern erteilt, so Gesang von Dr. Meutzner, Schreiben von Vogel, einige Turnstunden von Konrektor Lindemann. Nachdem bereits 1847 die mageren Gehälter der Lehrer aufgebessert wurden, erhielten jetzt diejenigen Lehrer, die als 22 Stunden Unterricht geben (Rektor 13 Stunden, Prorektor und Konrektor je 20 Stunden, die übrigen Lehrer zwischen 22 und 25 Stunden), Gehaltserhöhungen bis zu 50 Taler.


Eine neue Epoche begann für das Gymnasium mit der Berufung des Rektors Prof. Dr. Palm, der am 8. Oktober 1850 seine Antrittsrede hielt.

1854 wurde dem Gymnasium eine Realschule angegliedert.
Seit dem Regierungsantritt König Johanns zeigte sich allgemein ein grösseres Wohlwollen für die Lehrer und Schüler. 1858 wurden für die mit einer Eins zensierten Aiturienten königliche Univ ersitätsstipendien ausgegeben. Der erste Empfänger war der spätere Theologe F. E. Kautzsch Michaelis 1859. 1860 gewährte die Staatsregierung erstmals einen Zuschuß zu einer Studienreise eines Lehrers nach Frankreich und England. König Johann selbst besuchte das Gymnasium am 12. September 1856 und am 14. Juli 1868. 1860 wurde neben dem Gymnasium (Seminarstrasse 17) eine Amtswohnung für den Rektor errichtet. Im Herbst 1861 ging Rektor Palm nach Bautzen, um die Leitung des dortigen Gymnasiums zu übernehmen.
Sein Nachfolger wurde Dr. Heinrich Rudolph Dietsch.

An Dietschs Stelle trat Juni 1866 Dr. Theodor Döhner, unter dessen Leitung die Schule die beiden Kriege von 1866 und 1870 miterlebte. Auf den Schlachtfeldern Frankreichs starben zehn ehemalige Schüler.

1883 übernahm Prof. Dr. Oskar Busch das Amt von Schubart.
Da die 2. Ständekammer es ablehnte, sie weiter auf Staatskosten zu führen, bestimmte die Regierung den Stadtrat von Plauen zur Übernahme der Realschule in städtische Verwaltung gegen eine Abfindungssumme von 50000 Mark. Das Gymnasium wurde vom Staat übernommen.

1895 trat Busch in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Prof. Dr. Constantin Angermann. Im Herbst 1906 folgte Angermann der Anregung des Kultusministeriums, eine sprachlich-historische (A) und eine mathematisch-naturwissenschaftliche Richtung (B) für die Schüler aufzubauen. Ab Ostern 1907 trat der veränderte Lehplan in Kraft, der unter anderem für die math.-naturwissenschaftliche Richtung Projektionslehre, Biologie und Chemie beinhaltete.


Lehrplan von 1911/1912                      
  OI A OI B UI A UI B OII UII OIII UIII IV V VI
Religion 2 2 2 2 2 2 2 2 2
Deutsch 4 4 3 2 2 2 3 3 4
Latein 8 4 8 4 7 8 8 8 8 9 9
Griechisch 7 6 7 6 7 7 7 7      
Französisch 3 3 2 2 2 3 5    
Englisch 2 2 2            
Hebräisch 2 2 2            
Mathematik 2 2 4 4 4 4 4 3 3 4 3
Geometrie                      
Zeichnen                      
Physik 2 2 2 2          
Chemie/Biologie   2   2              
Geographie         2 2 2       2
Geschichte 1                    
Naturkunde 30   29   32 32 30       29

Hierzu kam noch der Unterricht in den technischen Fächern - Gesang in den Klassen VI, V und VI, Zeichnen in den V und IV, Schreiben in VI und V, Stenographie in OIII und UII sowie Turnen in allen Klassen. Es wurde ein Lehrzimmer für Chemie notwendig, das im Sockelgeschoß desw 1874 errichteten Nebenhauses untergebracht war.
Schon 1903 wandte sich Angermann an das Ministerium zwecks Bau eines neuen Schulgebäudes. Im September 1907 erwarb die Regierung ein 9784 qm grosses Grundstück an der Blücherstrasse. Auf Grund eines Tauschvertrages übernahm die Stadt das alte Gymnasialgrundstück mit allen daraufstehenden Gebäuden und verpflichtete sich im Gegenzug, alle Strassenbau- bzw Anliegerkosten für das neue Gebäude zu tragen, sowieeine Zuzahlung von 75000 Mark zu leisten. Der Landtag bewilligte 1906/1907/1908 insgesamt 689000 Mark für den Bau, die innere Ausstattung und dem anschließenden Umzug zur Verfügung standen.
November 1908 einstimmiger Beschluß in den beiden Ständekammern über die Errichtung eines neuen Gymnasialgebäudes
Im März 1909 begannen die Bauarbeiten und bereits Ende des Jahres war das Hauptgebäude errichtet.
Weihe am 30. September 1911




Im Juli 1919 versammelten sich die Schülerschaften aller höheren Schulen Plauens auf dem Gymnasialhof, um gegen die Kriegsschuldlüge zu protestieren.
Am 10. Januar 1919 wurde die Schule in "Staatsgymnasium" geändert. Am 11. Februar erließ das Ministerium eine Verordnung über die "Neuordnung des Unterrichts an den neunstufigen höheren Lehranstalten für die männliche Jugend".

Am 30. September 1933 trat Rektor Kunze in den Ruhestand. Aus diesem Anlass wurde von den Eltern der Schüler und ehemaligen Schülern die Rektor-Kunze-Stftung in Höhe von 1100 RM ins Leben gerufen. Sein Nachfolger wurde Rektor Stelzer. Im selben Jahr ordnete das sächsische Ministerium an, daß in allen Schulen des Landes der Freiheitskampf des deutschen Volkes und die nationalsozialistische Erhebung in den hierfür geeigneten Fächern in der Vordergrund zu stellen sind. So wurde 1934 die Herstellung von Flugzeugmodellen eingeführt. Im Sommer 1935 wurden für die biologischen und chemischen Übungen geeignete Zimmer neu eingerichtet. Der Physikunterricht erhielt im Jahre 1934 eine Experimentieranlage für den Sendefunk. Der Spielmannszug wurde eingeführt, der ab 1934 regelmäßig bei den Flaggenparaden auftrat. 1935 erhielt die Schule eine Orgel aus dem Bestand der aufgelösten Deutschen Oberschule. Ab dem 19. Juni 1933 wurde das Pausenturnen eingeführt. Am 1. Oktober 1934 wurde erstmals ein Tag des öffentlichen Unterrichts abgehalten, mit dem eine Ausstellung von Zeichnungen und Werkunterrichtsarbeiten verbunden war.
Am 21. September 1934 war mit dem Schulturnfest die Weihe einer neuen Schulfahne verbunden, nachdem die alte bereits 1888 gestiftet wurde.
Wie in allen sächsischen höheren Lehranstalten trat auch im Gymnasium seit 1933/34 eine starke Beschränkung der Hochschulreife ein, die immer nur einem Teil der Abgehenden gewährt wurde. Seit 1925 verschlechterten sich die Aussichten der akademischen Berufe immer mehr. Die Schulgelderhöhung, die Einschränkung der Schulgelderlasse und-ermäßigungen, die ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse bedingten einen merklichen Rückgang der Schülerzahl. 1910/11 zählte das Gymnasium 203 Schüler, 1926/1926 276 und 1935/36 204.
1835 bestand das Kollegium außer aus dem Rektor aus acht wissenschaftlichen und zwei technischen Lehrern. 1899/1900 setzte sich die Lehrerschaft zusammen aus dem Rektor, 14 wissenschaftlichen Oberlehrern (davon fünf mit Professorentitel), einem wissenschaftlichen Lehrer und zwei technischen Lehrern. 1935 zählte die Schule 15 festangestellte Lehrer einschließlich Rektor und Konrektor, zwei Assessoren und drei Referendare.
Das erste Schülerverzeichnis wurde 1656 angefertigt, aber nicht fortgesetzt. Erst 1667 findet sich wieder ein vollständiges Schülerverzeichnis. 1698 legte Rektor Eckardt ein neues Schüleralbum an, das mit wenigen Unterbrechungen bis ins 20. Jahrhundert fortgeführt wurde. Verzeichnisse von Kurrendschülern (Knabenchorschüler)waren mit Unterbrechung aus den Jahren 1635 bis 1756 vorhanden. Der erste 1635 erwähnte Kurrendschüler war Adam Mangler, der 1670 als Pfarrer in Ebersbrunn verstarb.
1835 betrug das vierteljährliche Schulgeld für einen Schüler der drei ersten Klassen 4 Taler 12 Groschen, für einen Schüler der 4. Klasse 3 Taler, für die beiden untersten Klasse jeweils 2 Taler 12 Groschen. 1854 zahlten die Schüler zwischen 12 und 21 Taler. Später wurde das Schulgeld auf 120 Mark jährlich festgesetzt, daß ab dem 1. April 1908 auf 150 Mark, später auf 180 Mark und von 1932 an auf 240 Reichsmark erhöht wurde.

Die Schulbücherei wurde durch Rektor G. Wilhelm Irmisch wesentlich erweitert. Er ließ hierzu jeden aus den oberen abgehenden Schüler 8 Groschen in die Bibliothekskasse einzahlen. Auch Rektor Dölling nahm sich ihrer an, aber erst Palm verschafften den Nutzern eine bessere Übersicht über den Bestand der Bibliothek, indemm er Oberlehrer Gessing und Dr. Flathe mit der Sichtung und Katalogisierung über die Bestände beauftragte. So waren 1852 insgesamt 2319 Bücher in 1199 Werken vorhanden, deren Zahl bis 1911 auf 10050 Bücher in 5155 Werken stieg.
Die 1830 von Rektor Dölling begründete Schülerbücherei bekam durch Palm ebenfalls ein neues Gesicht. 1851 ließ Palm die fünf Klassenbibliotheken zu einer Schülerbücherei zusammenlegen und durch Dr. Flathe den Bestand katalogisieren. 1911 umfaßte die Bibliothek insgesamt 4088 Bücher in 2107 Werken.
Anfänglich steuerte jeder Schüler 3 Pfennige für die Schülerbücherei bei. Der Betrag stieg bis 1851 auf 5 Neugroschen und 1911 zahlte jeder eine Mark Eintritt und vierteljährlich 0,40 Mark Beitrag.

Reich ausgestattet war die Schule mit Stiftungen. Außer Schulgelderlassen und Bücherprämien aus Staatsmitteln sowie den staatlichen Stipendien hatte sie zur damaligen Zeit folgende Legate aufzuweisen: Ein Großteil dieser Stiftungen gingen durch die Inflation verloren.
Weiterhin besaß die Schule ein Museum, gestiftet 1897 vom damaligen Rektor Busch und erweitert um die Döhner-Sammlung. Das Museum umfaßte eine Vielzahl von Modellen römischer, fränkischer und gallisch-germanischer Waffen sowie Standbilder eines Römers und eines Franken in voller Kriegsausrüstung aus dem römisch-germanischen Zentralmusuem in Mainz. Sie wurde durch umfangreiche und wertvolle Anschaungsmaterialien zur deutschen Vorgeschichte und der antiken Kultur erweitert.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde alljährlich ein Schulball abgehalten, der sich an die Schultanzstunden anschloß. Seit 1851 fand eine Feier aus Anlaß des Geburtstages des Königs statt, die meist in einer Nachfeier, mit einem Festessen für die unteren und Konzert und Tanz für die oberen Klassen, endete. Ab 1835 wurden regelmäßig Schulspaziergänge und Studierfahrten durchgeführt. Ein besonderer Festtag war der Sedantag, der meist mit einem Turnfest begangen wurde. Seit 1920 fanden alljährlich Schau- und Wetturnen für alle Klassen statt. Hinzu kamen Vortragsabende, Elternabende, seit 1912 Dichterabende, Konzerte und Theaterveranstaltungen, besonders seitens des Singkränzchens zur Feier seines Stiftungsfestes im September. Besonders zu erwähnen sind die Goethe-Feiern um den 28. August, bei denen Konrektor Günther grosse Verdienste erwarb. Zur Aufführung kamen in den einzelnen Jahren: Ostern 1937 wurde das Gymnasium, das auf eine 700jährige Vergangenheit als Lateinschule und Gymnasium zurückblicken konnte, im Zuge der neuen Schulreform in eine Deutsche Oberschule für Knaben umgewandelt.



Staatliche Oberschule für Jungen
Deutschritterschule

Blücherstraße 4


Städtische Oberschule für Jungen
Martin-Mutschmann-Schule

Jößnitzer Straße 88

Städtische Oberschule für Mädchen
Diesterwegschule
Diesterwegstraße 3