Schulordnung für die evangelischen Volksschulen der Stadt Plauen im Jahre 1907

§1 - Schulbezirk
Der Schulbezirk Plauen umfaßt die Stadtgemeinde Plauen sowie die Landegemeinde und den selbständigen Rittergutsbezirk Reinsdorf.

§2 - Schulgemeinde
Die Einwohner der erwähnten Gemeinden und des Rittergutsbezirks Reinsdorf bilden die Schulgemeinde Plauen. Ausgeschlossen sind alle diejenigen, welche sich zur römisch-katholischen Kirche bekennen, solange sie eigne Volksschulen unterhalten.

§3 - Teilung des Schulbezirks
Der städtische Schulbezirk wird in Unterbezirke geteilt, von denen jeder eine oder mehrere bestimmte städtische Schulen zugewiesen erhält. Die Bildung und Abgrenzung dieser BEzirke bleibt dem Schulausschuß überlassen.

§4 - Arten der Schulen

Die städtischen Volksschulen zerfallen in höhere, mittlere und einfache Volksschulen.
Daneben bestehen allgemeine Fortbildungsschulen für Knaben und Mädchen, sowie eine gewerbliche Fortbildungsschule. Für diese Schulen ist in besonderen Regulativen Bestimmung getroffen.

§5 - Höhere Volksschule

Die höhere Volksschule - höhere Bürgerschule - ist eine allgemeine Schulanstalt für Knaben wie Mädchen. Sie hat acht aufsteigende Klassen, zu denen bei der Mädchenabteilung zwei Oberklassen (9. und 10. Schuljahr), deren Besuch freiwillig ist, hinzutreten. Die Schülerzahl einer Klasse soll nicht über 40 steigen. In den Lehrplan ist der Unterricht in französischer und englischer Sprache aufzunehmen. Aenderungen in der Zahl und Einteilung der aufeinander folgenden Klassen bleiben vorbehalten.

§6 - Mittlere und einfache Volksschulen

Die mittleren und einfachen Volksschulen sind Bezirksschulen. Die mittleren Volksschulen führen den Namen Bürgerschulen I. Abteilung, die einfachen Volksschulen den Namen Bürgerschulen II. Abteilung. Daneben besteht als mittlere Volksschule die Seminar-Uebungsschule unter der Leitung des Direktors des Königlichen Schullehrer-Seminars.
In der Regel steht jede Bürgerschule I. wie II. Abteilung unter der Leitung eines Direktors oder Oberschulinspektors, es können aber auch zwei Schulen unter einem Leiter vereinigt werden.
Die Bürgerschulen I. wie II. Abteilung haben je acht aufsteigende Klassen. Knaben und Mädchen werden in gesonderten Klassen unterrichtet. Ausnahmen sind für die mittleren und unteren Klassen ohne weiteres, für die oberen mit Zustimmung des Schulausschusses zulässig.
Die Schülerzahl in der Klassen der I. Abteilung soll in der Regel 48, in den Klassen der II. Abteilung 55 nicht übersteigen. Die Bildung neuer Klassen ist jedoch solange zu beanstanden, als sie durch Abgabe von Schülern an andere Bürgerschulen, auch wenn diese in einem anderen Bezirke als die Wohnung der zu überweisenden Schüler liegt, vermieden werden kann.

§7 - Besondere Einrichtungen für minderbegabte und gebrechliche Kinder

Minderbegabte Kinder und solche, welche in ihrer Schulbildung im allgemeinen oder in einzelnen Fächern wesentlich zurückgeblieben sind, werden in der zu diesem Zwecke errichteten Hilfsschule oder auch für sich in einzelnen Nachhilfestunden unterrichtet.
Ebenso können Kinder, welche wegen körperlicher Gebrechen an dem Unterricht in der öffentlichen Schule nicht teilnehmen können, aber unterrichtsfähig sind, nach Ermessen desw Schulausschusses besonderen Unterricht erhalten.

§8 - Wahl der Schule

Soweit nicht die Schulordnung Beschränkungen der freien Wahl eintreten läßt, ist es dem Ermessen der Eltern anheimgestellt, ob sie ihre Kinder in der höheren Bürgerschule oder in einer Bürgerschule I. oder II. Abteilung unterrichten lassen wollen, doch sind die Kinder an die Schulanstalt des Bezirkes gebunden, in dem sie wohnen.
Auch soll der Uebertritt von einer Bürgerschule in die andere - gleichviel ob höhere, mittlere oder einfache Volksschule - in der Regel nur Ostern oder Michaelis erfolgen.
In die Seminarüberungsschule treten Kinder in der Regel nur mit Beginn der Schulpflichtigkeit ein. Kinder, die eine städtische Schule bereist besucht haben, bedürfen zum Uebertritt in die Seminarübungsschule der Genehmigung des Schulausschusses.
Ausnahmen von diesen Bestimmungen sind in besonderen Fällen statthaft.

§9 - Anmeldung der schulpflichtigen Kinder

Alle Kinder , die mit Beginn des Schuljahres schulpflichtig werden, sind rechtszeitig zur Schule anzumelden. Die Tage der Anmeldung werden vom Schulausschuß im Amtsblatte des Stadtrates bekannt gemacht.
Schulpflichtige Kinder, die im Laufe des Schuljahres von auswärts nach hier kommen, sind längstens binnen einer Woche nach ihrem Eintreten bei der Direktion der Schule anzumelden, welche sie besuchen sollen.
Wer für ein Kind die Befreiung von dem Besuche der Volksschule in Anspruch nimmt, hat dies dem Schulausschuß anzuzeigen:
Zuwiderhandlungen werden nach §5 des Gesetzes, das Volksschulwesen betreffend, vom 26. April 1873 geahndet. Soll die Befreiung oder Zurückstellung eines Kindes auf Zeit wegen Krankheit erfolgen, so ist ein Gesuch an den Schulausschuß einzureichen und ein ärztliches Zeugnis beizufügen. Bezüglich der Zurückweisung gebrechlicher, kränklicher oder geistig unreifer Kinder von dem begonnen Schulunterrichte bewendet es bei den Bestimmungen der Ausführungsverordnung §8, Absatz 2 zum Volksschulgesetze.
Die Leiter von Privatschulen und Erziehungsanstalten, sowie Privatlehrer haben den Eintritt schulpflichtiger Kinder in ihre Anstalt wie die Uebernahme vollen Privatunterrichts bei solchen dem Schulausschuß ungesäumt zu melden. Die Entscheidung, ob der Unterricht den der Volksschule ersetzen kann, steht dem Königlichen Bezirksschulinspektor zu.

§10 - Ueberwachung des Schulbesuchs

Zur Ueberwachung der Anmeldung schulpflichtiger Kinder dienen folgende Einrichtungen:
  1. Das Polizeiamt (Einwohner-Meldeamt) übermittelt dem Schulausschuß von Woche zu Woche ein Verzeichnis der von auswärts hierher gezogenen, sowie der nach auswärts verzogenen schulpflichtigen Kinder.
  2. Das Standesamt stellt alljährlich ein Verzeichnis der hier wohnhaften Kinder auf, welche in der Zeit vom 1. Juli des laufenden bis 30. Juni des folgenden Jahres das sechste Lebensjahr erfüllen. Dieses Verzeichnis ist, nachdem zuvor noch seitens der Pfarrämter die Tauftage eingetragen worden sind, an das Polizeiamt (Einwohner-Meldeamt) abzugeben, das die auswärts geborenen, hierher verzogenen Kinder gleichen Alters nachzutragen und das Verzeichnis an den Schulausschuß abzugeben hat. Letzterer bestimmt die von den amtlichen Stellen für Aufstellung und Ausfüllung des Verzeichnisses inne zu halten Fristen.
  3. Die nach Abschluß der unter 2 erwähnten Verzeichnisse bis zum Beginn des nächsten Schuljahres von auswärts nach hier kommenden Kinder sind in den unter 1 geordneten wöchentlichen Verzeichnissen mit aufzunehmen und werden vom Ratsschulamte in dem Hauptverzeichnisse nachgetragen.
    Für die aus Reinsdorf schulpflichtigen Kinder ist in gleicher Weise von dem für Reinsdorf zuständigen Standesamt und der Geneindebehörde ein Verzeichnis aufzustellen und durch Nachträge auf dem Laufenden zu erhalten.
  4. Das Verzeichnis unter 1 stellt der Schulausschuß den Direktionen der Volksschulen zu, diese haben darnach die Anmeldungen zur Schule zu überwachen, dabei diejenigen, welche sich in der Anmeldung ihrer Kinder säumig zeigen, erinnern zu lassen und nach Befinden dem Schulausschusse zur weiteren Verfügung anzuzeigen. Das Verzeichnis ist nach Erledigung an den Schulausschuß zurückzugeben.
  5. In gleicher Weise sind die Direktionen verpflichtet, sowohl die bis zum Ablauf der in §9 Absatz 1 festgesetzten Frist angemeldeten, als auch die später, bis zum Beginne des neuen Schuljahrs noch zur Anmeldung gelangenden Kinder dem Ratsschulamte anzuzeigen.
  6. Endlich sind diejenigen schulpflichtigen Kinder, die in die Seminarübungsschule, die katholische Bürgerschule oder in eine Privatschule eintreten sollen, bis Ende Februar ebendort anzuzeigen.
  7. Wenn Kinder aus einer hiesigen Schule in eine andere hiesige Schule übertreten, so darf die Entlassung nicht eher erfolgen, als bis eine von der Direktion der anderen Schule ausgestellten Bescheinigung über die Anmeldung und Aufnahme in der anderen Schule beigebracht ist. Das Entlassungszeugnis ist unmittelbar von Direktion zu Direktion zu befördern, dessen Aushändigung an Angehörige des Kindes oder an letzteres selbst ist nicht gestattet.

§11 - Aufnahme von Kindern aus der römisch-katholischen Schulgemeinde

Kinder, die gleich ihren Eltern oder Pflegern (vgl. §23, Abs. 2) der römisch-katholischen Schulgemeinde angehören, können, solange deren Schule nach Einrichtung und Leistungen hinter den Schulen der konfessionellen Mehrheit zurücksteht, - §6 Abs. 1 des Gesetzes, das Volksschulwesen betreffend, vom 26. April 1873, verbunden mit §14 Abs. 1 der Ausführungsverordnung zu diesem Gesetze - mit Genehmigung des Schulausschusses bis auf Widerruf in diesen Schulen aufgenommen und daselbst, den Religionsunterricht ausgenommen, unterrichtet werden. Es haben sich jedoch zuvor Eltern oder Pfleger zu verpflichten, so lange ihre Kinder oder Pfleglinge eine der genannten Schulen besuchen, außer dem Schulgelde alljährlich zu dem von der Schulgemeinde durch Anlagen aufzubringenden Schulaufwand einen Beitrag zur Schulkasse einzuzahlen. Dieser beträgt 4/5 desjenigen Betrages, welchen die Eltern oder Pfleger zu den Schulanlagen beizutragen haben würden, wenn sie Mitglieder der evangelisch-lutherischen Schulgemeinde wären. Es werden diese Beiträge mit den Schulanlagen und in gleicher Weise wie diese eingehoben.
Der Schulausschuß kann in einzelnen Fällen den Beitrag zu den Schulanlagen unter 4/5 des jeweiligen Jahresbetrages festsetzen oder auch genehmigen, daß von Einhebung eines solchen Beitrages ganz abgesehen, dafür aber der doppelte Betrag des geordneten Schulgeldes eingehoben wird.

§12 - Aufnahme von Kinder, die auswärts schulpflichtig sind

Kinder, die auswärts schulpflichtig sind, können die höhere Bürgerschule oder eine Bürgerschule I. Abteilung mit Genehmigung des Schulausschusses besuchen. Nur gegen Abgabe einer Bescheinigung hierüber darf die Aufnahme erfolgen. Für diese Kinder ist der doppelte Betrag des für die betreffende Schule geordneten Schulgeldsatzes zu entrichten.
Eine Ausnahme von diesen Bestimmungen findet statt, wenn ein Kind von einem hiesigen Einwohner zur Erziehung und Verpflegung ohne jede Gegenleistung angenommen worden ist, oder wenn die Kinder nur mit ihrer von dem Ehemanne getrennt lebenden Mutter hier wohnen, auf die Dauer dieses Verhältnisses. In diesen Fällen soll nur das einfache Schulgeld erhoben werden. In gleicher Weise ist zu verfahren, wenn auswärts schulpflichtige Kinder die hiesige Seminarübungsschule besuchen. Im übrigen steht die Entschließung über Erlaßgesuche betreffs des erhöhten Schulgeldes dem Schulausschusse zu.
Die Genehmigung zur Aufnahme eines hier nicht schulpflichtigen Kindes in die im Abs. 1 genannten Schulen ist davon abhängig, daß für diese Kinder in den in Frage kommenden Klassen noch Platz vorhanden ist. Sie ist jederzeit widerruflich.
Die Aufnahme auswärts wohnender Kinder in die Bürgerschulen 2. Abteilung ist nur in ganz besonderen Fällen vom Schulausschuß zu gestatten. Hierzu ist die Genehmigung des Königlichen Bezirksschulinspektors einzuholen. (§4 Abs. 2 des Volksschulgesetzes.)

§13 - Unterrichtszeit

In der höheren Bürgerschule sowie in den Bürgerschulen I. Abteiliung beginnt in der Regel der Vormittagsunterricht im Sommerhalbjahr um sieben, im Winterhalbjahr um acht Uhr, der Nachmittagsunterricht um zwei Uhr. In den Bürgerschulen II. Abteilung beginnt der Vormittagsunterricht bis auf weiteres in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober um 7 Uhr, sonst um 8 Uhr, der Nachmittagsunterricht um 2 Uhr.
Nach jeder Unterrichtsstunde findet eine Pause von fünf Minuten statt.
Nach zweistündigem Unterrichte tritt jedoch eine Pause bei günstiger Witterung von zwanzig, sonst von fünfzehn Minuten ein. Diese Pause kann auch je nach dem Ermessen der Direktoren teils auf das Ende der zweiten, teils auf den Anfang der dritten Unterrichtsstunde verteilt werden.
Des weiteren tritt bei fünf nach einander folgenden Stunden nach der vierten Unterrichtsstunde eine Pause von fünfzehn Minuten ein.
Den zwei untersten Klassen ist nach jeder Unterrichtsstunde eine Pause von zehn Minuten gestattet.
Während der Pausen sind die Klassen stetig zu beaufsichtigen. - §41 -
Steigt im Sommer die Außentemperatur vormittags zwischen neun und zehn Uhr auf zwanzig Grad Reaumur (ca 25 Grad Celsius) im Schatten, so ist der Unterricht in denjenigen Klassen, die vor- und nachmittags Unterricht haben, auf den Vormittag, in denjenigen Klassen aber, die nur nachmittags Unterricht haben, auf zwei Stunden, in denjenigen Klassen des 3. bis 8. Schuljahrs, die am Vormittage mehr als vier Stunden Unterricht haben, auf vier Stunden zu beschränken, endlich sind sind die Kinder der Klassen des 1. und 2. Schuljahres, die vormittags von 9 bis 12 Uhr Unterricht haben, auf die Stunde von 11 bis 12 Uhr vom Unterrichte zu befreien.

§14 - Dispentation vom Unterricht, Schulversäumnisse

Urlaub für einzelne Schulstunden oder Schultage darf einem Kinde nur aus besonders wichtigen Anlässen erteilt werden. Ueber Urlaubsgesuche hat der Direktor nach Gehör des Klassenlehrers Entschließung zu fassen.
Gesuche um zeitweilige Befreiung vom Unterricht oder von einzelnen Teilen desselben sind dem Direktor anzubringen. Letzterer kann, soweit die Krankheit nicht offensichtlich ist, auf Grund einer begründeten ärztlichen Bescheinigung vom Unterrichte im Turnen, Zeichnen, Singen und in Nadelarbeiten bis auf weiteres, in anderen Lehrgegenständen aber nur bis zu acht Wochen befreien. Ueber weitergehende Gesuche, ebenso über Gesuche, die auf anderen Gründen als auf Krankheit des Kindes beruhen, entscheidet nach Gehör des Schulausschusses der Bezirksschulinspektor.
Bezüglich der Bestrafung von Schulversäumnissen bewendet es bei den Bestimmungen im §5 des Volksschulgesetzes vom 26. April 1873 und in der Ausführungsverordnung §§12 und 13 dazu vom 25. August 1874.
Bis zum 5. jeden Monats haben die Direktionen die im verflossenen Monat vorgekommenen unentschuldigten oder ungerechtfertigten Versäumnissen dem Schulausschusse unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars anzuzeigen. Bei länger anhaltenden unentschuldigten oder ungerechtfertigten Schulversämnissen hat der Direktor, unbeschadet der monatlich einzureichenden Versäumnisanzeigen, sofort Anzeige an den Schulausschuß zu erstatten, wenn eine Aufforderung zum Schulbesuch erfolglos geblieben ist.

§15 - Ferien - Schulfreie Tage

Die Osterferien dauern vom Gründonnerstag bis Sonnabend nach dem Osterfeste.
Die Pfingsferien beginnen Sonnabend vor dem Pfingsfeste und endigen mit der Festwoche.
Die Sommerferien nehmen ihren Anfang am dritten Sonnabend des Monats Juli und dauern bis zum Ablauf der nächsten vier Kalender-Wochen.
Die Michaelisferien beginnen Sonnabend vor dem Michaelistage. Sie schließen mit ablauf der folgenden Woche.
Die Weihnachtsferien endlich dauern vom 24. bis 31. Dezember:
Am Geburtstage Sr. Majestät des Königs und Sr. Majestät des deutschen Kaisers, ebenso am Nationalfesttage treten Schulfeierlichkeiten an die Stelle des Unterrichts.

§16 - Schulprüfungen

Gegen Schluß des Schuljahres finden für alle Klassen der Volksschulen öffentliche Prüfungen statt; ihre Ordnung festzustellen, bleibt den Direktoren überlassen.
Die Direktoren haben dem Bezirksschulinspektor, dem Stadtrat, den Stadtverordneten, dem Schulausschuß, der Superintendur und denjenigen Geistlichen, welchen die Ueberwachung des Religionsunterrichts in ihrer Schule obliegt, von der Prüfungsordnung und den Tagen der Prüfung rechtzeitig Anzeige zu erstatten, auch Eltern und Erzieher durch Mitteilung der Prüfungsordnungen zu den PRüfungen einzuladen. Letzteres hat durch Einladung im Amtsblatte zu geschehen:
Die Prüfungsaufgaben sind den Lehrern nicht früher, als am Tage vor der Prüfung nach Entlassung der Klassen zu bestimmen.
Während der Prüfung jeder Klasse sind die im Laufe des Schuljahres gefertigten schriftlichen Arbeiten, die Schreibhefte, Zeichnungen und weiblichen Handarbeiten öffentlich auszulegen.
Für die Mitglieder der Bezirksschulinspektion und des Schulausschusses sind außerdem die Zensurtabellen, das Klassentagebuch und die Versäumnislise vom Direktor bereit zu halten.
Die Lehrer sind verpflichtet, den Prüfungen der Klassen ihrer Schule beizuwohnen, der Direktor kann jedoch einzelnen Lehrer von der Teilnahme an den Prüfungen befreien.

§17 - Zensuren

Zu Michaelis und am Schlusse des Schuljahres erhalten die Schüler in einem auf Kosten der Schulkasse anzuschaffenden Zensurbuche Zensuren ausgestellt.
Das Zensurbuch ist von den Schülern den Eltern oder Erziehern vorzulegen, von diesen ohne Hinzufügung von Bemerkungen mit der Bescheinigung zu versehen, daß sie von der Zensur Einsicht genommen haben, und sodann an den Klassenlehrer bei Wiederbeginn der Schule zur Aufbewahrung in der Schule zurückzugeben.
Kann ein Schüler das Zensurbuch nicht zurückgeben oder finden sich darin bei der Rückgabe ungehörige Bemerkungen oder Bemerkungen seitens Unbefugter vor oder ist das Zensurbuch beschmutzt, so ist ein neues Buch auszustellen und dafür eine Gebühr von 20 Pfennigen zu entrichten.
Tritt ein Kind in eine andere hiesige Volksschule über, so ist das Zensurbuch unmittelbar an diese zu verabfolgen.
Geht das Kind auf eine höhere Schulanstalt oder in eine auswärtige Volksschule üder, oder wird es nach erfüllter Schulpflicht aus der Schule entlassen, so wird ihm das Zensurbuch ausgehändigt. Bis dahin bleibt es Eigentum der Schulgemeinde.

§18 - Aufnahme, Versetzung und Entlassung

Die Aufnahme der neu eintretenden und der aus anderen Schulen übertretenden Kinder erfolgt in der Regel am MOntage nach dem Palmsonntage durch die Direktionen der Schulen, die Versetzung der Kinder von einer Klasse in die andere vor Ostern jeden Jahres.
Die Entlassung derjenigen Kinder, welche ihrer Schulpflicht genügt und das gesetzliche Schulziel erreicht haben, oder auf besonderes Ansuchen vorzeitig aus der Volksschule entlassen werden, findet in der Regel am Tage nach dem Abschlusse der Osterprüfungen statt.
Die Entlassungszeugnisse der zum Besuche der Fortbildungsschule verpflichteten Knaben werden nicht ausgehändigt, sondern mit der letzten Wohnung der Eltern oder Erzieher der Schüler versehen und nach Bezirken der allgemeinen Knabenfortbildungsschule geordnet den Direktionen der letzteren zugestellt. Diejenigen Knaben, die ihre Zeugnisse anderweit brauchen, haben sie an zu bestimmenden Zeiten in dem Geschäftszimmer der zuständigen Fortbildungsschule abzuholen. Den Mädchen werden die Entlassungszeugnisse ausgehändigt.

§19 - Schulberichte

Die vereinigten Direktoren (Direktorenkonferenz) haben spätestens bis Ende Juni jeden Jahres einen kurzen schriftlichen Bericht, unter Beifügung der nötigen statistischen Zusammenstellungen, über die innere Schultätigkeit im vorhergegangenen Schuljahre an den Schulausschuß zu erstatten. Dieser Bericht wird auf Kosten der Schulkasse vervielfältigt und in je einem Exemplare an Behörden gesandt, sowie den hiesigen Direktionen, Lehrern und Lehrerinnen zugestellt.

§20 - Schulgeld

Das Schulgeld beträgt:
  1. in der höheren Bürgerschule für die Oberklassen und die Klassen I-IV 60 Mark, für die Klassen V-VIII 40 Mark jährlich
  2. in den Bürgerschulen I. Abteilung wie in der Seminar-Uebungsschule für die Klassen I-IV 50 Pfennig, für die Klassen V und VI 45 Pfennig, für die Klassen VII und VIII 40 Pfennig wöchentlich
  3. in den Bürgerschule II: Abteilung für die Klassen I-IV 15 Pfennig, V-VIII 10 Pfennig wöchentlich
Für die mit Beginn des Schuljahres eintretenden Kinder wird das Schulgeld stets vom 1. April ab berechnet, der Eintritt mag früher oder später erfolgt sein, andererseits wird das Schulgeld beim Austritt aus der Schule mit Ablauf des Schuljahres immer bis zum 31. März berechnet, ohne Rücksicht darauf, ob der Schluß des Schuljahres vor oder nach diesem Termine eintritt:
Bei Berechnung des wöchentlich zahlbaren Schulgeldbetrages ist das Schuljahr zu achtundvierzig Wochen angenommen.
Wird für ein schulpflichtiges, im Schulbezirke wohnhaftes Kind die Befreiung vom Besuche einer jeden Schule der Schulgemeinde um deswillen beansprucht, weil das Kind genügenden Privatunterricht erhält, so ist, soweit es sich nicht bloß um Befreiung vom Besuche der Fortbildungsschule und um ein Kind handelt, das eine Volksschule über die gesetzliche Schulpflicht hinaus besucht, für das Kind ein der Hälfte des Schulgeldsatzes für die I. Klasse der höheren Bürgerschule gleichkommender Betrag an die Schulkasse zu entrichten. Diese Bestimmung leidet keine Anwendung auf solche Kinder, die Privatunterricht um deswillen empfangen, weil sie, was durch ärztliches Zeugnis nachzuweisen ist, wegen anhaltender Krankheit oder wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen am gehörigen Besuche einer öffentlichen Schule behindert sind, und auf solche Privatunterricht empfangende Kinder, die hier in Pension sich befinden, deren Eltern aber außerhalb Plauens wohnen, endlch auf diejenigen Kinder einer hiesigen Privatschule, welche täglich in ihre Heimat zurückkehren.

§21 - Erlaß des Schulgeldes

Das Jährlich bei den Bürgerschulen II. Abteilung zur Erhebung gelangende Schulgeld darf mehr als fünf Mark im jährlichen Durchschnitte für jedes schulpflichtige Kind nicht betragen. Es ist deshalb der darüber hinausgehende Betrag zum Erlaß von Schulgelde an Minderbemittelte zu verwenden.
Hat ein Kind wegen Krankheit die Volks- oder Fortbildungsschule zwölf Wochen lang, einschließlich der Schulferien, nicht besuchen können, so wird auf Ansuchen der Eltern oder Erzieher das Schulgeld auf die Zeit der Krankheit erlassen. Die Oberklassen der höheren Bürgerschulen sind hinsichtlich dieses Erlasses mit eingeschlossen.
Für diejenigen Kinder, einschließlich der Schülerinnen in den Oberklassen, welche nicht am Religionsunterricht teilnehmen, wird das Schulgeld dergestalt ermäßigt, daß bei ganzjährigem Besuche der Schulen 6 Wochen, bei bis 3/4jährigem 4, bei bis 1/2jährigem Besuche 3 Wochen und bei bis 1/4jährigem Besuche 1 Woche Schulgeld gut gerechnet wird.
Wenn mehr als drei Kinder aus einer Familie die städtischen Volksschulen, einschließlich der Oberklassen der höheren Bürgerschule und der Seminarübungsschule, gleichzeitig besuchen, so ist nur für die drei ältesten Kinder Schulgeld zu entrichten. Auf diese Vergünstigung haben jedoch nur Eltern mit einem jährlichen Einkommen von weniger als 5000 Mark Anspruch.
Der Antrag ist unter Vorlegung sämtlicher Schulgeldquittungsbücher und des neuesten Steuerzettels sofort nach Eintritt des Verhältnisses bei der städtischen Schulgeldereinnahme zu stellen. Handelt es sich um Kinder der Gemeinde oder des selbständigen Gutsbezirkes Reinsdorf, so ist ein amtlicher Nachweis über das elterliche Einkommen beizubringen.
Endlich ist der Schulausschuß im allgemeinen ermächtigt, für Kinder, die eine städtische Volksschule besuchen, in besonderen Fällen Erlaß des Schulgeldes eintreten zu lassen. Der Gesamterlaß soll fünf Prozent des jährlichen Solleinkommens an Schulgeld in der höheren Bürgerschule und den Bürgerschulen I. Abteilung nit überschreiten.
Tritt ein mit Schulgelderlaß oder Ermäigung bedachtes Kind von einer städtischen Volksschule in eine solche höheren Grades oder in die Seminarübungsschule über, so fällt mit diesem Zeitpunkte die Vergünstigung weg. Die Entschließung über Gesuche um Erlaß von Schulgeld für Kinder der Seminarübungsschule steht der Direktion des Königlichen Seminars zu.

§22 - Erhebung des Schulgeldes

In der höheren Bürgerschule ist das Schulgeld in vierteljährlichen Teilzahlungen voraus zu bezahlen. Schüler, die während des Schuljahres eintreten, haben das Schulgeld vom Beginne des Monats an zu entrichten, in dem sie eintreten; bei dem Austritt ist das Schulgeld bis zu dem Monat einschließlich zu bezahlen, in dem der Austritt erfolgt.
In den Bürgerschulen I. und II. Abteilung wird das Schulgeld wöchentlich erhoben, nur für solche Kinder, die die erste Abteilung einer Bürgerschule besuchen und, weil auswärts schulpflichtig, das doppelte Schulgeld zu entrichten haben, ist dieses vierteljährlich vorauszuzahlen. Für die Kinder der Seminarübungsschule ist das Schulgeld an die Schulgeldereinnahme abzuführen.
Wird die rechtzeitige Bezahlung des Schulgeldes in den Bürgerschulen II. Abtelung unterlassen, so wird das Mahn- und Zwangsvollstreckungverfahren eingeleitet.
Wird das Schulgeld für Kinder, welche die höhere Bürgerschule oder eine Bürgerschule I. Abteilung besuchen, nicht pünktlich bezahlt, so wird Mahnung und nötigenfalls Zahlungsauflage erlassen, letztere unter Androhung der Ausweisung des Kindes aus der höheren Bürgerschule oder der Bürgerschule I. Abteilung. Ist dieses Verfahren erfolglos geblieben, so findet die angedrohte Ausweisung des Kindes und dessen Zuweisung zu der für seine Wohnung zuständigen Bürgerschule II. Abteilung statt. Sind es Kinder, die, weil auswärts schulpflichtig, mit besonderer Genehmigung eine hiesige Schule besuchen, so wird die Genehmigung zurückgezogen.
Die zwangsweise Betreibung der Reste bleibt daneben vorbehalten.
Ueber die Verwendung des von den Schülern der Seminarübungsschule einzuhebenden Schulgeldes wird in dem hierüber zwischen der Direktion des Königlichen Schullehrer-Seminars und der Schulgemeinde jeweilig bestehenden Vertrage Bestimmung getroffen.

§23 - Schulanlagen - Abgaben beim Erwerb von Grundstücken in zwangsweiser Versteigerung

Soweit das Schulgeld und die sonstigen regelmäßigen oder zufälligen Einnahmen der Schulkasse zur Deckung des Bedarfs nicht ausreichen, wird der Schulbedarf aus der Stadtkasse gedeckt. Der Teil der städtischen Anlagen, der zur Deckung des Schulbedarfs bestimmt ist, hat den Charakter der Schulanlagen und die Verpflichtung, dazu beizutragen, ist deshalb nach den gesetzlichen Bestimmungen über die Aufbringung der Schulanlagen zu beurteilen.
Solange diejenigen, die sich zur römisch-katholischen Kirche bekennen, eine römisch-katholische Schulgemeinde bilden, werden besondere Schulanlagen in der Gemeinde erhoben. Zu diesen Anlagen werden auch Angehörige der römisch-katholischen Kirche, die in gemischter Ehe leben und ihre Kinder im evangelisch-lutherischen Glaubensbekenntnis erziehen, nach Höhe von achtzig Prozent herangezogen. Es geschieht dies jedoch nur so lange, als sie Kinder in eine Städtische Volksschule schicken. (siehe §11 Absatz 2)
Die Ausschreibung und Einhebung der Schulanlagen erfolgt ebenfalls durch den Stadtrat nach Maßgabe der für die Ausschreibung und Einhebung der städtischen Anlagen bestehenden statutarischen Bestimmungen und gegen Gewährung von drei Prozent der haushaltsplanmäßig ausgeschriebenen Schulanlagen aus der Schulkasse an die Stadtkasse.
Eine bosndere Abgabe zur Schulkasse ist bei BEsitzveränderungen im Stadtbezirke gemäß dem hierüber jeweilig geltenden besonderen Ortsgesetze zu entrichten.

§24 - Von den Direktoren im allgemeinen

De Direktoren liegt die Leitung und Vertretung der ihnen untergebenen Schule ob.
Die Direktoren haben die Pflicht, so oft sie vom Stadtrate oder dem Schulausschusse zur Begutachtung allgemeiner Schulangelegenheiten aufgefordert werden, zu gemeinsamer Beratung zusammenzutreten (Direktorenkonferenz). Den Vorsitz in diesen Beratungen führt, soweit nicht durch Wahl ein anderer damit betraut wird, der dem Dienstalter nach älteste der Direktoren. Stehen mehrere der Direktoren in gleichem Dienstalter, so führt derjenige den Vorsitz, der dem Lebensalter nach der älteste ist.

§25 - Von den Lehrern und Lehrerinnen im allgemeinen

Die Lehrer und Lehrerinnen an den städtischen Volksschulen bilden in ihrer GEsamtheit ein Kollegium, dessen Mitglieder den einzelnen Schulen zugeteilt sind.
Sie sind, einschließlich der Fachlehrer, teils ständige teils Hilfslehrer. Die Zahl der Hilfslehrer soll in der Regel den siebenden Teil der gesamten Lehrerschaft, einschließlich der Direktoren, nicht übersteigen.
Die Anstellung der Hilfslehrer sowie der Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerinnen erfolgt auf einvierteljährliche, beiden Teilen zustehende, vom 1. des auf die Kündigung folgenden Monats ab zu rechnende Kündigungsfrist.
Handarbeitslehrerinnen gegenüber, die zehn Jahre lang ununterbrochen eine mit festem Jahresgehalte verbundene Stelle bekleidet haben, ohne den im Volksschulgesetze vom 26. April 1873 für Lehrer und Lehrerinnen geordneten Disziplinarstrafen verfallen zu sein, erlischt das Kündigungsrecht (Gesetz vom 28. Februar 1900).
Die Lehrer müssen im Bezirke der Stadt Plauen wohnen. Ausnahmen auf Zeit zu gestatten, bleibt dem Schulausschuß vorbehalten.
Lehrer, welche hier ständig angestellt werden, sind nach §2 Absatz 1 der Satzungen der Witwen- und Waisenkasse der evangelischen Bürgerschullehrer zu Plauen vom 14. April 1901 verpflichtet, dieser Kasse als Mitglied beizutreten. Ein Wiederaustritt aus der Kasse während der Zeit ihres Dienstes in hiesiger Schulgemeinde ist unzulässig.
Die Bestimmungen in Absatz 2, 3 und 5 finden auch auf Lehrerinnen Anwendung.

§26 - Bürgerschul-Direktorengehalte

Mit der Stelle eines Direktors der Bürgerschulen ist ein Jahresgehalt von anfangs 4500 Mark verbunden, das

nach 3 Dienstjahren auf
  4800 Mark
nach 6 Dienstjahren auf
  5100 Mark
nach 9 Dienstjahren auf
  5400 Mark
nach 12 Dienstjahren auf
  5600 Mark
nach 15 Dienstjahren auf
  5800 Mark

ansteigt.
Mit der Stelle des Direktors der höheren Bürgerschule ist überdies eine Stellenzulage von 500 Mark verbunden, falls er die pädagogische Prüfung an der Landesuniversität oder eine gleichwertige Prüfung abgelegt hat.
Bereits in Direktionalstellung oder in ständigem Lehramte einer höheren Lehranstalt oder einer hiesigen Volksschule verbrachte Dienstjahre können ganz oder teilweise angerechnet werden.
Dafern nach vorstehenden Bestimmungen nicht bereits ein gleichhohes oder ein höheres Gehalt gewährt wird, hat das Gehalt eines Direktors mindestens zu betragen nach vollendetem

52. Lebensjahre
  4800 Mark
55. Lebensjahre
  5100 Mark
58. Lebensjahre
  5400 Mark
61. Lebensjahre
  5600 Mark
63. Lebensjahre
  5800 Mark

Die Erhöhung tritt ein mit dem ersten desjenigen Monats, der auf den Monat folgt, in welchem das vorbezeichnete Dienstalter als Direktor oder das betreffende Lebensalter erreicht worden ist.

§27 - Fortbildungsschul-Direktorengehalte

Mit der Stelle eines Direktors der allgemeinen Fortbildungsschulen ist ein Jahresgehalt von anfangs 4400 Mark verbunden, das

nach 3 Dienstjahren auf
  4700 Mark
nach 6 Dienstjahren auf
  4900 Mark
nach 9 Dienstjahren auf
  5100 Mark
nach 12 Dienstjahren auf
  5300 Mark
nach 15 Dienstjahren auf
  5500 Mark

von der Anstellung als Direktor an der allgemeinen Fortbildungsschule hier ab gerechnet ansteigt.
Bereits verbrachte Dienstjahre als Direktor oder ständiger Lehrer in hiesiger Stadt können ganz oder teilweise angerechnet werden.

§28 - Lehrergehalte

Das Jahresgehalt eines ständigen Lehrers beträgt:

anfangs
  1800 Mark
im 2. und 3. Dienstjahre
  2000 Mark
im 4. und 5. Dienstjahre
  2200 Mark
im 6. und 7. Dienstjahre
  2400 Mark
im 8. und 9. Dienstjahre
  2600 Mark
im 10. und 11. Dienstjahre
  2800 Mark
im 12., 13. und 14. Dienstjahre
  3000 Mark
im 15., 16. und 17. Dienstjahre
  3200 Mark
im 18. und 19. Dienstjahre
  3400 Mark
im 20., 21. und 22. Dienstjahre
  3600 Mark
im 23., 24. und 25. Dienstjahre
  3800 Mark
im 26. und 27. Dienstjahre
  4000 Mark
vom 28. Dienstjahre ab
  4200 Mark

Das höhere Gehalt wird mit Beginn des nächsten Monats nach Vollendung der vorstehend gesetzten ständigen Dienstzeiten und, wenn der Zeitpunkt auf den ersten Tag eines Monats fällt, von diesem ersten Monatstage ab gewährt.
Hilfslehrer erhalten, wenn sie die Wahlfähigkeitsprüfung bestanden haben und in den Besitz des Wahlfähigkeitszeugnisses gelangt sind, 1500 Mark, vorher 1350 Mark Jahresgehalt.

§29 - Lehrerinnengehalte

Ständige Lehrerinnen erhalten ein Jahresgehalt von

anfangs
  1700 Mark
im 3. und 4. Dienstjahre
  1900 Mark
im 5. und 6. Dienstjahre
  2100 Mark
im 7. und 8. Dienstjahre
  2300 Mark
im 9. und 10. Dienstjahre
  2500 Mark
im 11. und 12. Dienstjahre
  2700 Mark
im 13. und 14. Dienstjahre
  2900 Mark
vom 15. Dienstjahre ab
  3000 Mark

Wegen der Berechnung und Fälligkeit der Dienstalterzulagen findet die Bestimmung in §28 Abs. 2 entsprechende Anwendung.
Hilfslehrerinnen erhalten nach bestandener Wahlfähigkeitsprüfung 1500 Mark, vorher 1350 Mark Jahresgehalt.

§30 - Wohnungsentschädigung

In dem festen jährlichen Gehalte ist stets ein Teil als Wohnungsentschädigung inbegriffen, auch wenn dies in den anderen Bestimmungen dieser Schulordnung oder bei der Anstellung des Direktors, Lehrers oder der Lehrerin nicht besonders hervorgehoben ist. Die wohnungsentschädigung beträgt:
  1. bei den Direktoren, einschließlich der Direktoren der allgemeinen Fortbildungsschulen sowie des Direktors der gewerblichen Fortbildungsschule 16 2/3% des Jahresgehaltes
  2. bei den ständigen Lehrern 20% des Jahresgehaltes, jedoch nicht unter 500 Mark und nicht über 700 Mark
  3. bei den ständigen Lehrerinnen 400 Mark
  4. bei den Hilfslehrern und Hilfslehrerinnen, einschließlich der Heizungsentschädigung, 20% des Jahresgehaltes
Denjenigen Direktoren, Lehrern und Lehrerinnen, welchen eine freie Wohnung als Amtswohnung gewährt wird, ist an den ihnen sonst zukommenden festen Gehalten der vorstehends als Wohnungsentschädigung ausgeworfene Betrag in Abzug zu bringen. Der Stadtrat ist nach Vorschlag des Schulausschusses befugt, in einzelnen genügend begründeten Fällen den Wert der Amtswohnung niedriger festzusetzen.

§31 - Handarbeitslehrerinnengehalte

Handarbeitslehrerinnen, welche die staatliche Prüfung für Handarbeitslehrerinnen bestanden haben, erhalten

im 1. Dienstjahr (Probejahr)
  1100 Mark
im 2. und 3. Dienstjahre
  1200 Mark
im 4., 5. und 6. Dienstjahre
  1350 Mark
im 7., 8. und 9. Dienstjahre
  1500 Mark
im 10., 11..und 12. Dienstjahre
  1600 Mark
im 13., 14. und 15. Dienstjahre
  1700 Mark
im 16., 17. und 18. Dienstjahre
  1800 Mark
im 19., 20. und 21. Dienstjahre
  1900 Mark
vom 22. Dienstjahre ab
  2000 Mark

Wegen der zurzeit angestellten Handarbeitslehrerinnen, die eine Staatsprüfung nicht abgelegt haben, bewendet es bei den hierzu gefaßten besonderen Beschlüssen.

§32 - Gehalte der Hauswirtschaftslehrerinnen und der Gehilfinnen

Hauswirtschaftslehrerinnen erhalten unter der Voraussetzung, daß sie eine vom Schulausschuß als genügend erachtete Prüfung abgeleistet haben, ein Anfangsgehalt von 1500 Mark, das sich von drei zu drei Jahren um je 100 Mark bis zum Höchstbetrage von 2000 Mark erhöht.
Für Gehilfinnen an den Hauswirtschaftsschulen wird eine nichtpensionsberechtigte Entschädigung von 50 Mark jährlich für einen wöchentlichen Vormittag, nach 5jähriger Tätigkeit von 66 Mark 66 2/3 Pfennige, gewährt.

§33 - Wahl und Aufstellung der Direktoren

Die Wahl der Direktoren erfolgt so, daß der Schulausschuß drei Kandidaten vorschlägt, aus denen der Stadtgemeinderat wählt. Die Anstellung erfolgt durch den Stadtrat.

§34 - Aufstellung und Aufrücken der Lehrer und Lehrerinnen

Die Besetzung erledigter oder neubegründeter ständiger Lehrerstellen geschieht in der Regel durch Beförderung von Hilfslehrern zur Ständigkeit, und zwar soll einem Hilfslehrer, der die Wahlfähigkeitsprüfung bestanden hat, die Ständigkeit in der Regel verliehen werden, nachdem er ein Jahr seit bestandener Wahlfähigkeitsprüfung im hiesigen Schuldienste tätig gewesen ist.
Für diejenigen Lehrer, die die Wahlfähigkeitsprüfung erst nach der Anstellung im hiesigen städtischen Volksschuldienste abgeleistet haben, ist der Anfangspunkt für die Berechnung der Dienstalterszulagen auf den ersten des Monats zu setzen, der auf den Ostermonat folgt; fällt der erste Osterfeiertag auf den ersten eines Monats, so gilt dieser Tag als Anfangspunkt.
Auf die Dienstalterszulagen haben nur solche Lehrer Anspruch, deren sittliches Verhalten und amtlichen Leistungen zu begründeten Beschwerden keinen Anlaß gegeben haben.
Bei sich besonders auszeichnenden Lehrern ist eine Abkürzung der Aufrückzeiten zulässig.
Werden ständige Stellen durch Abgang von Lehrern, Aleben oder durch andere Umstände frei, so sind sie in der Regel durch Beförderung von Hilfslehrern zur Ständigkeitwieder zu besetzen; diese Hilfslehrer sollen aber mindestens ein Jahr im hiesigen Volksschuldienste tätig gewesen sein und zwar im Sinne von Absatz 1 und 2 dieses Paragraphen. Die Reihenfolge der Hilfslehrer bestimmt sich in diesem Falle, soweit sie die Wahlfähigkeitsprüfung bestanden haben, nach dem Zeitpunkte der hiesigen Anstellung, bei gleichzeitiger Anstellung nach dem Zeitpunkte der Wahlfähigkeitsprüfung und, wenn diese in demselben Jahre abgeleistet worden ist, nach dem höheren Lebensalter. Für Hilfslehrer, die vor Bestehen der Wahlfähigkeitsprüfung an den hiesigen Volksschulen angestellt worden sind, findet die vorstehendgeordnete Reihenfolge dann Anwendung, wenn sie wahlfähig geworden sind.
Von der Beförderung ausgeschlossen sind Hilfslehrer, die in ihrem Wissen oder Lehrgeschick noch Mängel zeigen, oder in der Hingabe an ihren Beruf oder in ihrem Betragen zu wünschen übrig lassen oder nicht in geordneten Verhältnissen leben.
Vorbehalten bleibt es, auswärtige Lehrer in erledigte oder neu begründete Stellen zu berufen und solchenfalls bei der Gehaltsfestsetzung auswärts verbrachte ständige Dienstjahre bis zum vollendeten 25. Lebensjahre zurück ganz oder teilweise anzurechnen.
Die Wahl von Lehrern für ständige Stellen sowie die Gewährung von Gehaltszulagen an ständige Lehrer erfolgt durch den Stadtgemeinderat nach dem Vorschlage des Schulausschusses, die Anstellung durch den Stadtrat.
Hilfslehrer werden mit Genehmigung des Königlichen Bezirksschulinspektors sebständig vom Schulausschuß angestellt.
Es sollen in der Regel nur Lehrer angestellt werden, die als Hauptzensur sowohl, als auch in der Lehrfertigkeit mindestens die zweite Zensur erlangt haben.
Vorstehende Bestimmungen finden auch auf Lehrerinnen Anwendung mit Ausnahme von Absatz 2.

§35 - Aenderung der Gehaltsbestimmungen

Dem Stadtgemeinderat steht das Recht zu, unter Wahrung der jedem einzelnen Direktor und Lehrer durch seine Anstellungsurkunde gewährleisteten Rechte, die Bestimmungen der §§ 24 ff. jederzeit nach Ermessen zu ändern.

§36 - Vertretung der Direktoren

Mit der Vertretung des Direktors ist vom Schulausschusse an jeder Schule ein Lehrer zu beauftragen. Er übernimmt eintretendenfalls nur die Direktorialgeschäfte, während die Unterrichtsstunden des Direktors anderen Lehrern zugeteilt werden.
Im Falle einer längeren Vertretung ist auf deren Dauer ein besonderer Stundenplan aufzustellen, in welchem dem Vertreter des Direktors nur so viel Stunden zuzuteilen sind, als der letztere Pflichtstunden hat, die übrigen Stunden des Stellvertreters sind, ebenso wie die Stunden des Direktors, anderen Lehrern oder Lehrerinnen zu übertragen.

§37 - Vertretung der Lehrer

An jeder Volksschule erhalten je nach Bedürfnis zwei bis vier Lehrer (Vikare) wöchentlich nur je 16-24 bestimmte Stunden zugeteilt, wogegen sie sich innerhalb der planmäßigen Unterrichtszeit ihrem Direktor zur Vertretung fehlender Lehrer zur Verfügung zu stellen und bis zu 36 Stunden wöchentlich zu übernehmen haben.
Auch ist in dringenden Fällen ihre Verwendung an anderen städtischen Volksschulen zulässig.
Ueber die Zahl der Vikare an jeder Schule und über die Zahl der ihnen zu überweisenden Unterrichtsstunden innerhalb der festgesetzten Grenzen Bestimmung zu treffen, bleibt dem Schulausschuß nach Gehör der Direktoren überlassen.
Dafern die vorstehend getroffenen Einrichtungen nicht genügen, kann der Direktor jeden anderen Lehrer oder jede andere Lehrerin seiner Schule zur Vertretung herbeiziehen. Diesen Lehrern oder Lehrerinnen wird, wenn im Einzelfalle die Dauer der Vertretung vier Wochen übersteigt, jede Vertretungsstunde vom Ablauf der vierten Woche ab als Ueberstunde - §39 - vergütet. Die Vergütung erhalten, falls wegen Krankheit eines Lehrers oder einer Lehrerin eine Vertretung länger als drei Monate notwendig wird, auch dei Vikare rücksichtlich der die Zahl von wöchentlich 32 Unterrichtsstunden übersteigenden Vertretungsstunden.
Macht sich die Stellvertretung dadurch notwendig, daß eine Stelle nicht besetzt ist, so werden, soweit Gnadengehalt an die Witwe und die Waisen des letzten Inhabers nicht zu zahlen ist, die zu erteilenden Vertretungsstunden nach Maßgabe der aus dem Stellengehalte zur Verfügung stehenden Mittel auch schon vor Ablauf von vier Wochen als Ueberstunden entschädigt. Die Vikare erhalten hierbei nur die Stunden entschädigt, welche sie mehr als 32 wöchentlich erteilen.
Bei der Fortbildungsschule ist in allen Fällen der Stellvertretung erkrankter oder sonst behinderter Lehrer der Stellvertreter berechtigt, für die Dauer der Stellvertretung die festgesetzte Entschädigung in Anspruch zu nehmen. Kosten für die Stellvertretung von Lehrern an der Fortbildungsschule werden bei Einberufung zu militärischen Uebungen, bei ansteckenden Krankheiten in der Familie des Lehrers, die ihn von der Schule zurückhalten, bei Todesfällen in der Familie, bei Entsendung auf Instruktionsreisen, bei der Führung einer Ferienkolonie auf die Schulkasse übernommen, jedoch in jedem Falle nur auf die Dauer der unbedingt notwendigen Aussetzung der Unterrichtserteilung und höchstens bis zu 6 Wochen.
Sonstige Entschädigung für Stellvertretung wird nicht gewährt.

§38 - Pflichtstunden

Die Pflichtstundenzahl der Direktoren beträgt wöchentlich bei einer Klassenzahl der ihrer Leitung unterstellten Schule

von 1-25 Klassen
  12
von 26-30 Klassen
  10
von 31-35 Klassen
  8
von 36 und mehr Klassen
  6

Die Pflichtstundenzahl der Fortbildungsschuldirektoren beträgt wöchentlich 12.
Es bleibt jedoch vorbehalten, unter Umständen auch die Zahl der an einer Schulanstalt überhaupt zu erteilenden Unterrichtsstunden bei der Bestimmung der Pflichtstunden in Rücksicht zu ziehen. Die näheren Bestimmungen hierüber im einzelnen Falle zu treffen, ist dem Schulausschusse überlassen. Den Vertretern der Direktoren wird die Zahl ihrer Pflichtstunden auf die Dauer dieses Verhältnisses um 2 Stunden ermäßigt.
Die Zahl der wöchentlichen Pflichtstundeneines ständigen Klassenlehrers der Klassen I und II der höheren Bürgerschule ist auf 28, der Klassen III und IV sowie der Hilfslehrer auf 30, diejenigen der ständigen Lehrer und Hilfslehrer der übrigen städtischen Volksschulen auf 32 festgesetzt. Die Lehrer der Hilfsschule sind nur zu 30 Stunden wöchentlich, aber dafür zu geordnetem Verkehre mit den Eltern oder Pflegern der diese Schule besuchenden Kinder verpflichtet. Diese Zahl wird nach dem vollendeten 35. Lebensjahre auf 26 und nach dem vollendeten 45. Lebensjahre auf 24 ermäßigt. Die beim Inkrafttreten dieser Schulordnung bereits im hiesigen städtischen Volksschuldienste angestellten Lehrerinnen sind zu 26 Unterrichtsstunden wöchentlich verpflichtet.
Handarbeitslehrerinnen haben 28 Pflichtstunden wöchentlich zu erteilen.
Die Pflichtstundenzahl der Lehrer wird vom Beginne eines neuen Schuljahres ab, wenn sie bis dahin das fünfzigste Lebensjahr erreichen, um 2 und von Ostern desjenigen JAhres ab, in welchem sie das sechzigste Lebensjahr erreichen, um 4 Stunden ermäßigt.
Mit Genehmigung des Schulausschusses kann die Pflichtstundenzahl für einzelne Lehrer und Lehrerinnen unter Berücksichtigung der Schwierigkeit der ihnen zugewiesenen Lehrgegenstände, der Zahl der Schüler ihrer Klassen, der Menge der Korrekturen oder ihres Gesundheitszustandes angemessen vermindert werden.
Es bestehen für Pflichtsundenermäßigung folgende Grundsätze: Die Pflichtstundenermäßigungen nach Absatz 5 werden immrer nur auf das laufende Schuljahr aber auch für den Fall gewährt, daß den betreffenden Lehrern etwa schon wegen hohen Alters Pflichtstundenermäßigung zustehen sollte. Anträge an den Schulausschuß sind seitens der Schuldirektionen vier Wochen vor Beginn eines neuen Schuljahres zu stellen.
Sofern nicht Alter, Krankheit oder besondere Umstände eine weitere Abminderung angezeigt erscheinen lassen, soll die Pflichtstundenzahl eines Lehrers nicht unter 26, einer Lehrerin nicht unter 22 herabgesetzt werden.
Das nähere hierbei, insbesondere auch über die Dauer der Minderung zu bestimmen, ist dem Schulausschusse überlassen.

§39 - Entschädigung für Ueberstunden und Stellvertretung

Ueberstunden werden besonders vergütet. Die Höhe der Vergütung wird nach Gehör des Schulausschusses vom Stadtgemeinderat bestimmt.
Bis auf weiteres wird eine Entschädigung von 55 Mark für die Stunde jährlich in monatlichen Teilzahlungen, für die einzelne Stunde 1 Mark 25 Pfennige, nachzahlungsweise gewährt; Handarbeitslehrerinnen erhalten unter gleichen Bedingungen 50 Mark jährlich, für die einzelne Stunde 1 Mark 20 Pfennige. Die Stunde fremdsprachlichen Unterrichts wird jährlich mit 90 Mark, die einzelne Stunde mit 2 Mark entschädigt.
Erfolgt die Stellvertretung eines Lehrers oder einer Lehrerin (§36) durch Zusammenlegung von Klassen ohne Vermehrung der Stundenzahl des stellvertretenden Lehrers oder der Lehrerin, so wird für jede Stunde die Hälfte der für eine Ueberstunde festgesetzten Entschädigung gewährt.
Die Direktoren, deren Stellvertreter, sowie Lehrer und Lehreinnen, die eine Ermäßigung der Pflichtstundenzahl aus Gesundheitsrücksichten zugestannden erhalten haben, erhalten Ueberstunden nicht vergütet. Vikare dürfen Ueberstunden nur insoweit übernehmen, als dadurch ihre Vertretungspflicht nicht beeinträchtigt wird.
Die Entschädigung für Ueberstunden und Stellvertretung wird monatlich nachzahlungsweise ausgezahlt.

§40 - Privatunterricht

An nicht städtischen Schulen darf ohne Genehmigung des Schulausschusses kein Direktor oder Lehrer Unterricht erteilen.
Lehrer, welchen aus Gesundheitsrücksichten die Pflichtstundenzahl ermäßigt worden ist, dürfen überhaupt keinen Privatunterricht erteilen.
Im allgemeinen aber dürfen Lehrer nur insoweit Privatstunden übernehmen, als nicht eine Beeinträchtigung ihrer Amts- und Berufstätigkeit daraus zu befüchten ist. Sie haben daher ihrem Direktor über jede Annahme von Privatunterricht Anzeige zu erstatten. Die Direktoren haben dem Schulausschuß zu Ostern und zu Michaelis jeden Jahres eine Zusammenstellung der von ihren Lehrern übernomenen Privatstunden, Ueberstunden, sowie der Unterrichtsstunden in der Fortbildungsschule usw. unter gutachterlicher Aussprache vorzulegen. Darüber, ob und inwieweit bei einem Lehrer eine Abminderung des Privatunterrichts stattzufinden hat, steht die Entscheidung dem Schulausschusse zu.
Außer ihren Pflichtstunden sollen Lehrer nicht mehr als acht Stunden, Lehrerinnen nicht mehr als vier Stunden Unterricht anderweit übernehmen. Die als Leiter der Jugendspiele übernommenen Stunden sollen, solange sich daraus Mißstände nicht ergeben, darunter nicht gerechnet werden. Unterrichtsstunden, die nur im Winterhalbjahre erteilt werden, sollen auf das ganze Jahr berechnet werden.
Privatunterricht innerhalb städtischer Schulgebäude darf nur nach Genehmigung des Schulausschusses erteilt werden.
Ohne Genehmigung des Schulausschusses dürfen Direktoren und Lehrer weder einen Kirchendienst noch ein sonstiges Nebenamt oder eine Nebenbeschäftigung, womit eine Besoldung verbunden ist, übernehmen oder ein Gewerbe treiben. Dieselbe Genehmigung ist zu der Uebernahme einer Stelle in dem Vorstande, dem Verwaltungs- oder Aufsichtsrate einer jeden auf Erwerb gerichteten Gesellschaft erforderlich.
Auch dürfen Direktoren und Lehrer ohne ausdrückliche gleiche Genehmigung nicht geschene lassen, daß von ihren Ehefrauen oder im Haushalte lebenden Angehörigen ein Geschäft, zu dessen Betrieb gewerbspolizeiliche Anzeige oder eine besondere Erlaubnis erforderlich ist, betrieben werden.
Die Genehmigung kann jederzeit widerrufen werden.
Die Bestimmungen in Absatz 1, 2, 3, 5, und 6 haben auch auf die Lehrerinnen Anwendung zu finden.

§41 - Annahme von Geschenken

Ein Lehrer oder eine Lehrerin darf Geschenke von den von ihnen zu unterrichtenden Kindern oder deren Angehörigen nicht annehmen, auch wenn es sich um Geschenke an regelmäßigen wiederkehrenden Tagen, wie an Geburtstagen, zu Weihnachten, am Tage der Aufnahme oder der Entlassung usw. handelt.

§42 - Hausordnung

Für jede Schule ist vom Direktor im Einvernehmen mit dem Lehrerkollegium eine HAusordnung zu entwerfen und dem Schulausschusse zur Genehmigung vorzulegen. Darin ist insbesondere dahin BEstimmung zu treffen, daß die Schüler sowohl innerhalb wie außerhalb ihrer Klassenräume vor Beginn und nach Beendigung des Unterrichts, sowie in der Zwischenzeit von Seiten der Lehrer gehörig überwacht werden. - §13 vorletzter Absatz -
Direktor und Lehrer sind für die ordnungsgemäßige Durchführung der Hausordnung verantwortlich.

§43 - Schulärzte

Zur Unterstützung des Stadtrates und des Schulausschusses bei der Beaufsichtigung und Ueberwachung der gesundheitlichen Verhältnisse der Schulgrundstücke und Schulgebäude sowie des Gesundheitszustandes der Schulkinder werden Schulärzte angestellt. Ueber die Anstellung und den Wirkungskreis von Schulärzten für die hiesigen evangelischen Volksschulen sind in besonderem Regulative Bestimmungen getroffen.
Bezüglich des Verhaltens bei dem Auftreten ansteckender Krankheiten in den Schulen wird auf die hierfür jeweilig bestehenden Vorschriften verwiesen.

§44 - Die Verwaltung der äußeren Schulangelegenheiten

Die Rechte und Pflichten der Schulgemeinde hinsichtlich der Verwaltung des städtischen Volksschulwesens werden unter Mitwirkung des Schulausschusses durch den Stadtrat und, soweit die Zustimmung der Stadtverordneten erforderlich ist, durch den Stadtgemeinderat ausgeübt.
Hierüber gelten folgende nähere Bestimmungen:
  1. Die Ausführung der Schulgesetze und der Anordnungen der oberen Schulbehörden steht dem Stadtrate zu, soweit er solche nicht dem Schulausschuß überträgt. (§24a des Gesetzes, das Volksschulwesen betreffend, vom 26. April 1873.)
  2. Für Beschaffung der nötigen Schulräume sorgt der Stadtrat. Es hat aber der Schulausschuß dem Stadtrat im Falle des Bedarfs rechtzeitig Anzeige zu erstatten und, soweit tunlich, Vorschläge damit zu verbinden.
    Die Aufsicht über die Schulgebäude führt der Stadtrat durch das Stadtbauamt. Daneben hat jedoch der Schulausschuß das Recht und die Pflicht, etwaige auf die Schulgebäude bezügliche Wahrnehmungen dem Stadtrate anzuzeigen und Anträge zu stellen (§24b des Gesetzes.)
  3. Die Wahl und Einführung der nötigen LEhrmittel bleibt dem Schulausschuß überlassen, vorbehältlich der Genehmigung des Bezirksschulinspektors. (§24c des Gesetzes.)
  4. Die Verwaltung des Vermögens der Schulgemeinde und der der Schule gewidmeten Stiftungen gebührt dem Stadtrate. Er hat die Verwaltung nach denselben Grundsätzen zu führen, nach welchen er gemäß der Rev. Städteordnung und des Ortsstatuts die Angelegenheiten der bürgerlichen Gemeinde zu verwalten hat. Es finden daher auch die BEstimmungen der Rev. Städteordnung über die Mitwirkung des Stadtgemeinderats bei der städtischen Verwaltung entsprechende Anwendung, während der Schulausschuß den Stadtrat allenthalben in der Verwaltung zu unterstützen verpflichtet ist. (§24d des Gesetzes.)
  5. Die jährlchen Vorschläge über die Erfordernisse der Schule stellt der Schulausschuß auf. Deren Feststellung erfolgt durch den Stadtgemeinderat. (§24e des Gesetzes.)
    Die bezüglichen Anträge der einzelnen Schuldirektionen auf Einstellungen in den HAushaltsplan des folgenden Jahres sind eingehend begründet bis 30. Juni an den Schulausschuß abzugeben.
  6. Die Beschlußfassung über die Art der BEschaffung dieser Erfordernisse, die Sorge für die Einhebung der Gelder und die Anstellung der dazu erforderlichen Beamten gebührt dem Stadtrate; nicht minder die Ablegung der Schulkassenrechnung, welche dem Stadtverordnetenkollegium zur Prüfung vorzulegen ist. (§24f des Gesetzes.)
  7. Inwieweit bei Besetzung erledigter oder neuer Direktor- und Lehrerstellen der Schulausschuß mitzuwirken berufen ist, ist in §§33 und 34 der Schulordung vorgesehen. (§24g des Gesetzes.)
  8. Dem Schulausschuß liegt es ob, die Lehrer bei Ausübung ihres Berufes, insbesondere in der Handhabung der Disziplin und der Abstellung der Schulversäumnisse zu unterstützen. (§24h des Gesetzes.)
  9. Der Schulausschuß hat die Verpflichtung, das Verhalten und die Leistungen der Lehrer im Amte zu beaussichtigen, zugleich aber auch das Recht, denselben wegen Pflichtvernachlässigung Zurechtweisung zu erteilen. (§24i des GEsetzes.)
  10. Die Vertretung der Schulgemeinde nach innen und außen, in gerichtlichen und außergerichtlichen Angelegenheiten gebührt ausschließlich dem Stadtrate unter verfassungsgemäßiger Mitwirkung des Stadtgemeinderates. (§24l des Gesetzes.)

§45 - Der Schulausschuß in seiner Stellung zum Stadtrat

Der Schulausschuß Der Schulausschuß ist als ständiger Ausschuß im Sinne von §§121 und 124 der Revidierten Städteordnung dem Stadtrat untergeordnet. Er führt daher seine Geschäfte in Unterordnung unter denselben und in dessen Auftrag.
Der Stadtrat ist deshalb auch berechtigt, Beschlüsse des Schulausschusses in allen Angelegenheiten, welche ihm das Volksschulgesetz oder die dazu gehörige Ausführungsverordnung oder die Schulordnung überweist, sei es auf Grund erhobener Beschwerde oder aufsichtswegen, abzuändern. Für die Beschlußfassung des Schulausschusses gelten die Bestimmungen in §123 der Rev. Städteordnung.
Zur Fassung gültiger Beschlüsse ist die Anwesenheit von zwei Dritteilen der Mitglieder erforderlich.

§46 - Zusammensetzung des Schulausschusses

Der Schulausschuß besteht aus vier Ratsmitgliedern, einschließlich des Vorstands der Abteilung des Stadtrats für das städtische Volksschulwesen, welcher ständiges Mitglied des Ausschusses ist und den Vorsitrz führt, ferner aus vier Stadtverordneten, zwei nach §46 der Revidierten Städteordnung wählbaren Bürgern, einem Geistlichen und drei Schuldirektoren.

§47 - Ueberweisung von Geschäften an einzelne Mitglieder des Ausschusses

Der Ausschuß führt seine Geschäfte in der Regel kollegial. Der Vorsitzende ist aber ermächtigt, einzelne Angelegenheiten, die dringlich oder minder wichtig sind, oder ihrer Natur nach eine kollegiale Behandlung nicht erheischen, selbst zu erledigen. Auch kann der Schulausschuß sonst einzelne Mitglieder mit Erledigung bestimmter Geschäfte beauftragen.

§48 - Wahl der Mitglieder des Schulausschusses

Die Mitglieder des Stadtrats, die außer dem ständigen Vorsitzenden dem Schulausschusse anzugehören haben, werden vom Stadtrat, die Stadtverordneten und die nach §46 der Revidierten Städteordnung wählbaren Bürger vom Stadtkollegium gewählt.
Ferner findet die Wahl des Geistlichen durch die Gesamtheit der an den Parochialkirchen der Stadt ständig angestellten Geistlichen, die Wahl der Direktoren durch die GEsamtheit der städtischen Schuldirektoren statt.
Die beiden zuletzt erwähnten Wahlen erfolgen unter Leitung des Vorsitzenden des Schulausschusses durch absolute Stimmenmehrheit, und wenn solche im zweiten Wahlgange nicht erlangt wird, entscheidet im dritten Wahlgange die relative Mehrheit, bei Stimmengleichheit das Los.
Sämtliche Wahlen auf ein Jahr. Eine Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder ist zulässig

§49 - Aufhebung der bisherigen Bestimmungen

Gegenwärtige Schulordnung tritt vom 1. Juli 1907 ab in Kraft. Mit diesem Zeitpunkte treten die Schulordnung vom 1. August 1904 und die sonst über Angelegenheiten, welche die gegenwärtige Schulordnung regelt, erlassenen Vorschriften außer Giltigkeit.


Plauen, den 2. Juli 1907
Der Stadtgemeinderat
Der Stadtrat
Die Stadtverordneten
Dr. Schmid
Zimmermann
Oberbürgermeister
Vorsteher

Diese Schulordnung wird hiermit genehmigt.

Plauen, den 6. Juli 1907
Die Königliche Bezirksschulinspektion
   
Der Stadtrat
Der Königliche Bezirksschulinspektor
Dr. Schmid
Schulrat Dr. Putzger
Oberbürgermeister