Seminar – Deutsche Oberschule mit Aufbauschule (Lehrerseminar)

Seminar

Das Seminar in Plauen ging als zweitältestes in Sachsen aus dem städtischen Lyceum hervor. Das älteste Seminar Sachsens wurde im Jahre 1785 in Dresden-Friedrichsstadt eröffnet. Ihm folgten im Jahre 1797 Plauen und Freiberg, 1811 Zittau, 1817 Bautzen, 1825 das Fletschersche Seminar in Dresden und 1831 Pirna. Seit wann am Plauener Seminar Schüler zu Schullehrern ausgebildet wurden, ist nicht genau bekannt. Im Jahre 1782 sind in einem Choralistenverzeichnis neun dieser Choralisten aufgeführt, die in den Schuldienst eingetreten sind. In einem im Jahre 1867 veröffentlichten Papier des Königlichen Kultusministeriums, wird über das Seminarwesen im Königreich Sachsen geschrieben, in dem das Seminar zu Plauen im Jahre 1797 erwähnt wird. "Die teils verschiedenen, teils unter völlig veränderten Verhältnissen blühenden städtischen Gymnasien zu Chemnitz, Schneeberg, Annaberg, Zwickau, Plauen, Freiberg usw. haben einst Städte und Dörfer aus der Mitte ihrer Schüler mit Lehrern versorgt, ohne das diesen jemals eine Anweisung zum Lehrerberuf und zum Schulhalten erteilt worden wäre."
Rektor Wimmer schrieb in einer 1827 erschienen Einladungsschrift zur 12. Erinnerung an die Weihe des Kreisschulhauses zu Plauen "Wie in so vielen anderen lateinischen Stadtschulen des Königreichs Sachsen, so gab es auch an der unsrigen von jeher eine Anzahl von Jünglingen, die, wenn sie auch in der Absicht hierher gekommen waren, um auf die Universität vorbereitet zu werden, dennoch weil es an Mitteln fehlte, mit der Zeit Schullehrerstellen zu bekommen wünschten und bei sonstiger guter Führung als Lehrer, namentlich als Choristen und Currenden, geduldet wurden. Wohl wäre dies gut gewesen, zumal da es in jenen Zeiten keine eigenen Schullehrerseminare gab, hätte man auch nur einige Rücksicht auf ihre Vorbereitung auf so höchst wichtige Stellen nehmen können. So war es bei den wenigen Gymnasiallehrern, die sich doch zuerst mit den studierenden Schülern zu beschäftigen hatten und bei gänzlicher Ermangelung eines Fonds dazu, diese ihre Ausbildung zu bewirken, durchaus unmöglich; daher denn auch diese Schüler in früheren Zeiten nicht selten bis in das dreißigste Lebensjahr und darüber hinaus an der Schule verweilten und dieser, der Stadt und sich selbst zur Last waren."
Anfänge einer selbständigen Lehrerschaft sind, wie gesagt, im Jahre 1797 zu finden.

- 12. Mai 1835 Eröffnung des selbständigen Seminars mit zwei Klassen zu je 17 Schülern im Hause Neundorferstraße Ecke Königsstraße
- Dezember 1835 werden 50 Kinder der Neundorfer Torschule dem Seminar als Übungsschule zugewiesen, die im Bürgerschulhaus untergebracht war
- 1836 wird die Übungsschule zweiklassig eingerichtet
- 1839 bis 1842 bestand ein Proseminar mit einjährigem Vorbereitungskursus, das aber mangels Nachfrage wieder geschlossen wurde
- 1839 Umzug des Seminars in das Steinsche Haus (Amtsberg 2)
- 1840 provisorische Seminarienordnung
--- junge Leute sollen auf den Beruf eines Elemtarvolksschullehrers vorbereitet werden
--- Aufnahmebedingungen waren das 16. Lebensjahr, die Vorbereitung auf einem Proseminar oder bei einem Geistlichen oder einem Lehrer
--- Klasseneinteilung: vier Klassen mit jeweils einjährigem Kursus
--- Unterrichtsfächer: populäre Denk- und Seelenlehre, christliche Glaubens- und Sittenlehre, deutscher Sprachunterricht, Geographie und Geschichte, Naturkunde, Tafel- und Kopfrechnen, Grundlagen der Raumlehre, Schönschreiben, Zeichnen, Singen, Violinspiel, Erziehungs- und Unterrichtslehre, Katechetik, allgemeine uns spezielle Methodik, Volksschulkunde und Anleitung zur Schulamtsklugheit (?), Gesangslehre, Harmonie-, Generalbaß- und Tonsatzlehre, Klavier- und Orgelspiel, Latein
---regelmäßige Lehrübungen der älteren Seminaristen in der Seminarübungsschule
- 1840 Umzug des Seminars in das alte Amtshaus auf dem Amtsberg
- 1841 werden der Seminarübungsschule 100 Kinder zugewiesen
- 2. Mai 1844 Grundsteinlegung zum Seminarneubau auf der Seminarstraße
- am 9. September 1844 sind bei dem großen Stadtbrand auch 28 Seminaristen betroffen
- 1844 Umzug des Seminars in das Theißigsche Haus (oberer Graben 5)
- 29. Oktober 1845 Einweihung des neuen Seminargebäudes; der Entwurf dafür stammte von Roßbach und für die Bauausführung zeichnete sich Rädel verantwortlich
- Michaelis 1848 Einrichtung eines Internats für 40 Schüler, einige bauliche Veränderungen, Einfriedung des Seminargrundstückes
- am 24. Januar 1857 soll laut "neuer Ordnung der evangelischen Schullehrerseminare im Königreich Sachsen", die Übungsschule 2klassig mit höchstens 40 bis 50 Kindern in der Klasse gestaltet werden; es kann ein Proseminar als Privatschule eingerichtet werden
- 1858 Eröffnung des Proseminars mit zwei Klassen; außer in den gesetzlichen Volksschulfächern wird zusätzlich in Klavier und Violine unterrichtet
- 1864 Vollendung des 1861 begonnen Umbaues des alten Seminargebäudes (Lehrzimmer, Direktorwohnung, Betsaal, Bibliothek, Schlaf- und Waschsaal) und Anbau eines neuen Hauses (Speisesaal, Wohn- und Wirtschaftsräume des Hausmeisters, Wohn- und Arbeitszimmer der Seminaristen, Lehrzimmer der Übungsschule, Hilfslehrerwohnung, Schlaf- und Waschsaal)
- 1865 Erbauung einer Turnhalle, die sich das Seminar mit dem Gymnasium teilt
- 1866 erhält das Seminar eine Wasserleitung
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- 1869 wird vor der Turnhalle ein Platz für Turngeräte hergerichtet und mit 24 Linden bepflanzt
- 1870 wird die Übungsschule 4klassig gestaltet
- 1872 die beiden oberen Klassen des Seminars bilden eine Abteilung der Plauenschen Feuerwehr; unter der Leitung des Turnlehrers bedienen sie eine von der Stadt zur Verfügung gestellte Spritze
- 14. Juli 1873 erscheint eine ab Oktober 1874 gültige neue "Lehrordnung für die evangelischen Volksschullehrerseminare Sachsens"; 6jähriger Kursus; Aufnahme zu Ostern nach vollendetem 13. Lebensjahr
- 1874 die seit 1841 regulativ festgesetzten Rechte und Pflichten des Seminars bezüglich des Chordienstes in der Kirch und der Kirchenmusik werden vollständig aufgelöst
- 15. Oktober 1874 werden die Kreisdirektionen aufgehoben und alle Seminare unmittelbar unter Leitung des Königlischen Ministeriums des Kultus gestellt
- 22. August 1876 neues Königl. Sächs. Seminargesetz; 6jähriger Kursus mit 6 Klassen zu je 25 Schülern; die Übungsschule wird zu einer 4klassigen mittleren Volksschule
- 1877 wegen Unstimmigkeiten mit der freiwilligen Bürgerfeuerwehr, beschränkt sich die Seminarfeuerwehr ausschließlich auf die Seminarräumlichkeiten
- 22. Juni 1890 Weihe einer von den Schülern des Seminars gestifteten Fahne
- 1894 Grundstückstausch
- ab. 1. Oktober 1895 gilt eine neue Speiseordnung für die internen Seminaristen
- 26. Februar 1896 bewilligt die 2. Ständekammer die Mittel zum Neubau eines Seminars in Plauen; dasselbe die 1. Ständekammer am 11. März
- 1897 Beginn der Erdarbeiten für das neue Seminargebäude
- 22. März 1897 aus Anlaß des 100jährigen Geburtstages Kaiser Wilhelm I. wird als erster Baum auf dem neuen Seminargrundstück, am unteren Ende des Schülergartens, eine Kaisereiche gepflanzt
- 24. April 1899 Einzug der Seminaristen und Übungsschüler in das neue Seminar an der Blücherstraße
- 27. April 1899 Weihe des neuen Seminargebäudes



- 1914 erscheint eine neue Prüfungsordnung
- 1915 erscheint eine neue Lehrordnung - Verlängerung der Ausbildung der Lehrer um ein Jahr, Aufnahme von Französisch in den Lehrplan
- Neuregelung der Ausbildung der Lehrer durch Reichsverfassung vom 11. August 1919,; die Schule erhält den Namen "Deutsche Oberschule"; Neuausrichtung des Lehrplanes auf das Kulturgut des deutschen Volkes in Vergangenheit und Gegenwart; neunklassige Schule; Aufnahme der Schüler im Alter von 10 Jahren um sie im Alter von 19 Jahren mit dem Reifezeugnis zu verlassen; Aufbauschule als besondere Form der Oberschulen; Schulzeit nach dem siebenjährigen Besuch der Volksschule über 6 Jahre bis zur Universitätsreife; Ausstattung des Internats des Seminars zu einem Schülerheim
Erlass des Ministeriums für Volksbildung über den Abbau der Lehrerseminare ab Ostern 1922
ab 4. April Verlegung der Ausbildung der Lehrer an die Universität Leipzig und der Technischen Hochschule Dresden
entlassung der letzten Seminaristen aus dem Plauener Lehrerseminar am 3. März 1928
Umwandlung der Seminare in Deutsche Oberschulen - waren neunklassig
erschien in Plauen in Form der Aufbauschule (besondere Form der Oberschule) - nach siebenjährigem Unterricht Universitätsreife - Aufnahme von Jungen und Mädchen nach sechsjährigem Besuch der Volksschule
Errichtung einer Aufbauschule Ostern 1922 in Plauen - Ausbildung ab 27. Oktober 1922 in zwei Fremdsprachen; LAtein und Englisch
am 18. September 1923 Genehmigung des Ministeriums zum Aufbau einer Deutschen Oberschule neben der Aufbauschule
das angeschlossene Internat verblieb an der Aufbau- und Oberschule
die Schule zählte 1923 20 Lehrer und 363 Schüler
die Aufbauschule war Ostern 1928 vollständig ausgebaut
1929 Ausnahme der letzten Sexta
Ostern 1935 Entlassung der letzten Oberprima
Ostern 1934 Verschmelzung der Oberschule mit der Höheren Mädchenschule



Nach einem Übereinkommen zwischen dem Ministerium und der Stadtgemeinde im Jahre 1895, überließ die Stadt dem Staatsfiskus unentgeltlich einen Bauplatz in der Größe von 16500 qm und übernahm auch die erforderlichen Erschließungsarbeiten. Im Gegenzug erhielt die Stadt das bis dahin genutzte Seminargrundstück einschließlich aller darauf errichteten Gebäude, aber ohne Turnhalle und Turnplatz. Am 26. Februar 1896 genehmigte die 2. Ständekammer in ihrer 20. Sitzung die Mittel für den Neubau des Seminargebäudes einschließlich der inneren Ausstattung mit 815000 Mark. 1897 begannen die Bauarbeiten, die mit der Einweihung, im Beisein von Sr. Exzellenz des Staatsministers von Seydewitz, des Geh. Rates Kockel und Geh. Schulrates Grüllich, am 27. April 1899 beendet waren. Die ehemaligen und gegenwärtigen Lehrer stifteten die beiden großen bunten Seitenfenster, ehemalige Schüler die mittleren Fenster im Festsaal.
Fünf Orgeln und zehn Klaviere dienten der musikalischen Ausbildung der Seminaristen. Im Eröffnungsjahr wurden in sieben Klassen insgesamt 188 Schüler ausgebildet. Ebenfalls wurde als erstem Seminarlehrer dem Oberlehrer Weise der Titel eines Professor verliehen.
Am 22. März 1897 wird zum Anlaß des 100. Geburtstages von Kaiser Wilhelm I eine Kaiserfichte als erster Baum auf dem neuen Seminargelände gepflanzt.
1913 tritt Schulrat c.r.m. Schütze in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Professor Schmidt, den letzten Direktor des Seminars. Unter seiner Leitung erlebt die Schule den ersten Weltkrieg. Ein Oberlehrer und 130 damalige und frühere Schüler fallen an den Fronten. Zum Gedächtnis an die Gefallenen wurde am 5. Februar 1923 in der Halle vor dem Festsaal ein Ehrenmal errichtet.
Durch die Reichsverfassung vom 11. August 1919 wurde die Ausbildung der Lehrer neu geregelt. Nach Artikel 143 ist "die Lehrerbildung nach den Grundsätzen, die für die höhere Bildung allgemein gelten, für das Reich einheitlich zu regeln". Am 4. Januar 1922 erließ das Ministerium für Volksbildung eine Verordnung, daß von Ostern 1922 an mit dem Abbau der Lehrerseminare zu beginnen sei. Mit Gesetz vom 4. April 1923 wurde die Ausbildung der Lehrer an die Universität Leipzig und an die TH in Dresden verlegt. Seit dem 3. März 1928 gehört daher das Plauener Seminar der Vergangenheit an. An diesem Tage wurde mit der Entlassung der letzten Seminaristen vormittags 10 Uhr die Schule für immer geschlossen.


  Name des Lehrers Sup. D. Tischer Rektor Wimmer Konr. Stadelmann Tertius Schlick Diak. Steinhäuser Kantor Tromlitz Org. Zuckschwerdt Mädchenl. Forbriger Sprachmeister Mylet
Seminar Bibelerklärung 1                
Biblische und Religionsgeschichte 1                
Katechistiche Übungen 1       1        
Christliche Glaubenslehre   2              
Deutsche Orthographie in Verbindung mit kleinen Aufsätzen     1            
Vorlesestunden         1        
Methodik ( obere Abteilung)               1  
Methodik (Lesen untere Abteilung)             1    
Arithmetik         2        
Geometrie         2        
Kalligraphie               1  
Generalbaß             1    
Vokalmusik           4      
Lyceum Christliche Sittenlehre   2              
Latein in der Prima     4            
Latein in der Sekunda   4              
Deutsche Sprache     1            
Französisch                 6
Allgemeine Weltgeschichte   2              
Geographie     2            
Naturlehre       1          
gemeinschaftlich Probe der Kirchenmusik           1      
Currendesingen           1      
Chorsingen           1      
                     
                     
                     
                     




Deutsche Oberschule mit Aufbauschule

Die Seminare wurden in neunklassige Deutsche Oberschulen umgewandelt. Die Lehrer des Seminars führten ihre Arbeit an der neu gebildeten Schule fort. Die Aufbauschule war lediglich eine besondere Form der Deutschen Oberschule. In ihr wurden die Schüler in sechs Jahren zur Universitätsreife geführt. Voraussetzung war der siebenjährige Besuch der Volksschule. Ostern 1922 wurde in Plauen eine Aufbauschule errichtet und mit zwei verschiedenen Lehrplänen ausgestattet. Der erstere beinhaltete eine Fremdsprache, der zweite mit zwei Fremdsparchen. In Plauen wurde zunächst nach dem ersten Lehrplan unterrichtet, bis am 27. Oktober 1922, durch Verordnung des Ministeriums, ausschließlich der zweite Lehrplan zur Pflicht wurde. Es wurde nunmehr Latein und Englisch als Fremdsprachen unterrichtet.
Am 18. September 1923 genehmigte das Ministerium die Errichtung einer Deutschen Oberschule neben der verkürzten Form der Aufbauschule. Das Schulgeld betrug damals 120 Mark. Ostern 1924 wurde die erste Sexta mit zwei Parallelklassen eröffnet. Im selben Jahr bildete sich eine Vereinigung der Freunde der Deutschen Oberschule, deren erster Vorsitzender Schulleiter Harter und ab 1926 Rechtsanwalt Kohl war.
Das Internat des Seminars blieb der Deutschen Oberschule erhalten. Es nahm auch Schüler anderer höherer Schule auf und wurde so zu einem Schülerheim umfunktioniert.
Die Schule zählte 1923 einen Direktor, 20 Lehrer und 363 Schüler. Die Aufbauschule war Ostern 1928 vollständig aufgebaut und im März des selben Jahres konnte die erste Reifeprüfung abgehalten werden. 1929 wurde die letzte Sexta aufgenommen, Ostern 1935 die letzte Oberprima entlassen. Das gleiche Schicksal war auch der Deutschen Oberschule beschieden. Ostern 1934 wurde sie nach ihrem vollen Ausbau mit der höheren Mädchenschule verschmolzen und zugleich abgebaut. Zur gleichen Zeit trat Rektor Prof. Schmidt in den Ruhestand, da die Schulen der Leitung der höheren Mädchenschule unterstellt wurde.