Bierzwang in Plauen sonst und jetzt.
A. Neupert sen. ( Plauener Sonntags-Anzeiger 14. Dezember 1913)

Die "erörterten Landesgebrechen und Verträge" vom Jahre 1537 bez. 1583 bestimmten für den vogtländischen Kreis bez. die Ämter Plauen, Vogtsberg und Pausa, daß die sämtlichen darin gelegenen Dorfschaften ihren Bedarf an Bier von der brauberechtigten Bürgerschaft der Städte Plauen, Oelsnitz, Adorf, Markneukirchen und Pausa zu entnehmen hätten. In dieser landesherrlichen Verordnung war die ,,Einschleiffung frembder Biere" in den Bezirken der zum Amt Plauen gehörigen Rittergüter Leubnitz, Reuth, Geilsdorf, Neuensalz und Ruppertsgrün besonders verboten und diesen die Verpflichtung auferlegt, sämtliches Bier von der brauenden Bürgerschaft Plauen zu beziehen.
Ausgenommen von den Bestimmungen waren im Amt Vogtsberg die Erbkretzschmar (Wirtshäuser) zu Posseck, Krebes, Sachsgrün und Mißlareuth, im Amte Plauen die zu Leubnitz, Rodau, Theuma, Rössnitz, Tobertitz, Fasendorf und Reuth dergestalt, daß dieselben "zu ihrer Nothdurft" zwar malzen und brauen durften, dies aber nur zugleich mit den naheliegenden Städten ihres Amtes anfangen und beenden mußten. Ihren Nachbarn im Dorfe, worin die Kretzschmar (Wirte) gesessen, konnte das Bier faßweise abgegeben, im ubrigen aber nur kannenweise vom Zapfen verschänkt und verkauft werden. War ihr selbstgebrautes Bier vergriffen, so durften auch sie ihren weiteren Bedarf an keinem anderen Orte als in den vorgenannten Städten entnehmen.
Denen vom Adel, welche in ihren Rittergütern eigene Brauerei besaßen, war es nachgelassen, aber nur für die Zeit zwischen Jakobi und Michaelis, keinesfalls länger, die Schankstätten mit ihrem eigenen gebrauten alten Bier zu verlegen, jedoch sollen die vom Adel ihre Untertanen, solches Bier zu kaufen keinesfalls noötigen oder zwingen, außerdem war Bedingung, dass die betr. Schankstätte dem Rittergutsherrn mit der Lehn zuständig war.
Bei Übertretungen dieser Bestimmungen war für den ersten Fall der Zuwiderhandlung eine Strafe von 10 Gulden vorgesehen, die eine Hälfte für den Fiskus, die andere für den verletzten Teil, im Wiederholungsfalle ging der Contravenient seiner Berechtigung des Malzens, Brauens und Bierschänkens sowie seiner Verläge verlustig.
Bald nach Errichtung dieses Vertrages versuchten die vom Adel demselben eine hie und da abweichende Deutung zu geben und sich von den ihnen darin auferlegten Beschränkungen zu befreien, jedoch wurde der Inhalt des Vertrags vom Kurfürsten im Jahre 1583 in dem gegebenen "Abschied wegen derer Landesgebrechen im Vogtlande" nochmals voll bestätigt, nachdem bereits 1546 sich eine erneute Erörterung und Feststellung der städtischen Gerechtsame gegenüber der ländlichen Bevölkerung und besonders der Ritterschaft des Vogtlandes durch Kurfürst Johann Friedrich den Grossmütigen notwendig gemacht hatte.
Zwar war in dieser Verordnung vom Jahre 1583 unter andern dem Besitzer von Neuensalz, Sebald von Tettau, der in seiner Rittergutsbrauerei durch den Neuensalzer Wirt hatte das ganze Jahr hindurch brauen lassen, auf die Beschwerde der Stadt Plauen hin ,,untersagt und befohlen worden dem Vertrage nach zu leben". Doch ist auch diese Verordnung vielfach nicht beachtet worden. Das Neuensalzer Bier muss damals tatsächlich von besonderer Güte gewesen sein, denn in einer Niederschrift vom Jahre 1673 wird gesagt, daß dasselbe allgemein und selbst von den verwöhnten Plauischen Bürgern und Standespersonen bei ihren Ausflügen im Wirtshaus gem getrunken worden sei.

Im Laufe der Jahre häufen sich die Zuwiderhandlungen gegen die Verträge von 1537 und 1583 dergestalt, daß unter dem 30. November 1723 vier Verordnete der brauberechtigten Plauischen Bürgerschaft an den Rat das Ersuchen richten, zur Wahrung der Interessen der Brauberechtigten gegenüber denjenigen Wirten, welche Bier widerrechtlich einschleifen, das Amt zu veranlassen, mit der gesetzlichen Strafe von 10 Gulden vorzugehen, zumal verschiedene Ausfälle der brauberechtigten Bürgerschaft nach den betreffenden Ortschaften, wobei vermöge des "jus prohibendi" das betreffende Bier ausgetrunken und die Fässer zerschlagen worden seien, keinen Erfolg gehabt hätten.
So hat u. a. anno 1643 von der Bürgerschait unter Zuziehung des Landrichtera ein Ausfall und execution angestellt werden müssen, weil Tobias Hübner zu Helmsgrün zu seiner Tochter Hochzeit, welche auf dern Schloß zu Pöhl ausgerichtet wurde, selbstgebrautes Bier hatte dorthin bringen lassen.

Nach wie vor unterständen sich viele Unberechtigte, den Bestimmungen zuwider das ganze Jahr hindurch zu brauen und das Bier sowohl eimer- als faßweise auszuschroten und an die benachbarten Dörfer, welche gesetzlich ihr Bier aus Plauen zu holen haben, abzugeben. Gleicher Verstöße machen sich schuldig verschiedene schrift- und amtssässige Gutsherrschaften, wie Peter von Reitzenstein auf Geilsdorf in den Schänken von Geilsdorf und Schwand, Joachim von Tettau auf Neuensalz in der Schänke zu Neuensalz und andere. Gottfried Christian von Dölau auf Ruppertsgrün und Liebau hatte sich 1690 mit der Stadt Plauen gütlich verglichen. Auf Grund dieses Vergleichs durfte er das ganze Jahr hindurch brauen, mußte es aber seinen Untertanen freistellen, ob sie ihren Bierbedarf in Ruppertsgrün oder in Plauen entnehmen wollten.

1720 hatte sich der Tranksteuer-Revisor Michaelis in Plauen darüber beschwert, daß der Wirt in Neuensalz selten und kein trinkbares Bier braue. Das sei zu bedauern. weil durch dieses Dorf eine Straße geht und vieles Bier vertrieben werden könne. Es möge dem Wirt durch "Straf praecepta" eingeschärft werden, "tüchtig Bier zu machen, denn dadurch würde das fiscal. Tranksteuer-Interesse erhöht, und dem Publico, welches sich darüber beschwert, geholfen." In der Folge wurde denn auch dem Wirt bei 10 Gulden Strafe "injungiret", das Wirtshaus mit gutem und trinkbarem Bier zu versehen.
Infolge der Eingabe der brauberechtigten Bürgerschaft vom Jahre 1723 an den Rat zu Plauen erhob derselbe auf Grund der Verordnungen von 1537 und 1583 Klage gegen die Gutsherrschaft zu Neuensalz, in welcher die Neuensalzer Braugerechtigkeit bestritten und die Forderung geltend gemacht wurde, dass für Neuensalz sämtliches Bier aus Plauen zu beziehen sei. Die Gutsherrschaft konnte zwar die Existenz der alten Verordnungen nicht bestreiten, brachte aber nicht ohne Erfolg den Nachweis, dass dieselben seit undenklichen Zeiten auf Neuensalz keine Anwendung gefunden hatten. Bewiesen wurde dies durch 169 Dokumente, darunter Tranksteuer-Quittungen vom Jahre 1664 bis 1723 und durch 14 Zeugen im Alter von 66 bis 90 Jahren. Der Zeuge Enders, 86 Jahre alt, gibt an, sogar der Herr Bürgermeister Leucht aus Plauen habe sich vielmals im Neuensalzer "Wirtshaus einen Rausch angetrunken. Hans Michel fügt hinzu, derselbe Bürgermeister habe Herrn von Seydewitz viel Kannen allhier gebrautes Bier im Wirtshaus austrinken helfen; am weitesten geht Paul Pippig mit der Aussage, die beiden Herren hätten sich im Wirtshaus wohl 100 Räusche angetrunken. Ähnliche Anerkennung zollen die Zeugen auch dem ,,Böttger" Paul Gerbert aus Plauen, der im Wirtshaus die Fässer ..gepüchet" und jedesmal ohne allen Widerspruch gegen die Neuensalzer Braugerechtigkeit gezecht habe. Ueberhaupt seien immer Bürger aus Plauen ,,haußen" gewesen und hatten sich einen Rausch getrunken, aber nie wider das hiesige Brauen und Malzen etwas geredet."
Der Prozess dauerte 40 Jahre, die Prozessakten umfassten nicht weniger als 273 Doppelfolioseiten, mehrfach angestrebte Vergleichsverhandlungen zerschlugen sich immer wieder, schließlich ging die Gutsherrschaft Neuensalz aus dem Prozess als Sieger hervor und übte die Braugerechtigkeit auch ferner aus. Der Stadtrat und die brauberechtigte Bürgerschait zu Plauen war bei 20 Taler Strafe verurteilt worden, zu keiner Zeit dem Neuensalzer Rittergut in seinein Bierausschroterecht fernerhin hinderlich zu sein.
1793 erhebt Amtshauptmann resp. Kreishauptmann Röder auf Pöhl beim Kurfürsten Beschwerde wegen des Bierzwangsrechtes der Städte des vogtländischen Kreises mit der Begründung, daß einzelne Dorfschaften, die gezwungen waren, ihren Bierbedarf in Plauen zu entnehmen und 2, 3, ja 4 Stunden davon entfernt lägen, infolgedessen ganze Tage auf den Hin- und Rückweg verwenden oder für den Transport beinahe soviel bezahlen müissten, als ihnen das Bier selbst zu stehen käme. In anderen Kreisen des Kurfürstentums sei das Bierzwangsrecht der brauberechtigten Städte auf den Bezirk einer Meile im Umkreis beschrankt, im vogtländischen Kreise sei dasselbe keiner Grenze unterworfen. Bei der in den letzten 200 Jahren um das Dreifache gewachsenen Volksmenge überstiege es die Kräfte der brauenden Bürgerschaften, soviel Bier zu liefern, als nötig ist usw. usw.
Der Rat zu Plauen bezw. die brauberechtigte Bürgerschaft zu Plauen widerlegt die Begründung der Beschwerde als unzutreffend, in Plauen wären vier städtische Brauhäuser, wöchentlich könne in jedem viermal gebraut, und da jedes Gebraude 5 Faß a 420 Kannen enthält, mithin 3840 Faß Bier geliefert werden, der Bedarf sei aber laut Tranksteuer-Register gewesen:
1790 nur 1405 Fass Braunbier,
1791 nur 1400 Fass Braunbier,
1792 nur 1560 Fass Braunbier,
womit das letzte Bedenken gründlich widerlegt sei. — Wohl dürfen die vom Adel nach § 4 der Landesgebrechen in der Zeit von Jakobi bis Michaeli auch in den brauenden Städten ihr Bier verkaufen, jedoch geschehe dies unbefugterweise haufig auch ausserhalb dieser Zeit. Wer die Gesetze einmal und mehrmals iibertritt, ohne bestraft worden zu sein, erlange dadurch noch lange kein Recht, dieselben frei und ungestraft ferner zu ubertreten. Unsere Gerechtsame in Betreff des Bierzwangs, welche die Rittergutsbesitzer zeither auf die unverantwortlichste Weise beeintrachtigt haben, müssen wir mit Strenge aufrecht zu erhalten suchen. Müssen wir die vom Adel darauf aufmerksam machen, dass der Uranfang aller Revolutionen im Staate der ist, dass einer und wieder einer den Zirkel, welchen die Gesetze seiner Tatigkeit vorgeschrieben hatten, übersprang und das Gleichgewicht iin Staate auf hob? Wenn der geringste Trabant eines Planeten seine Bahn verläßt, so muss eine Unordnung im ganzen System entstehen.
Das Schriftstück schliesst mit dem Satze: Doch wir hoffen nicht ohne Grund zuversichtlich, dass die Rittergutsbesitzer in ihren Zirkel zurückgeführt und unsere in den Landesgesetzen begründete Gerechtsame des Bierzwanges, ohne die wir die onera als Plauische Bürger nicht praestiren können. aufrecht werden erhalten werden. Das Aktenstück enthält die Entscheidung des Kurfürsten nicht, erst im Jahre 1820 werden dem Stadtrate die in der Röder'schen Beschwerde ergangenen Akten bezw. Berichterstattung remittirt. Es ist anzunehmen, dass das jus prohibendi aufrecht erhalten blieb, jedoch das Verbietungsrecht von da ab auf eine Meile im Umkreis von Plauen beschränkt wurde.

1838 wurde der Bier- und Malzzwang durch Gesetz aufgehoben und die Brauberechtigten für ihren Verlust an ihrem Brauurbar durch eine jährliche Rente entschädigt, die einige Jahre später in eine einmalige Abfindungssumme umgewandelt wurde. Damit fiel zugleich das Verbietungsrecht gegen den Betrieb des Brauereigewerbes auf dem platten Lande und das Einlegen fremder Biere innerhalb der Bannmeile, wie ausserhalb der Stadt überhaupt. 1838 gab es in Plauen 185 Brauberechtigte, während 1580, als die Stadt nur 3000 Einwohner hatte, 172 Brauberechtigte Hauser resp. deren Besitzer aufgeführt werden. In demselben Jahre war der Bierpreis bei den hohen Gerstenpreisen (der Scheffel Malz kostete 3 Taler 8 Groschen) von 7 Pfennigen auf 8 Pfennige fur die Kanne erhöht worden.
Was die Qualitat des von der brauberechtigten Bürgerschaft gebrauten Bieres anlangt, so war dasselbe wohl manchmal von zweifelhafter Güte, zumal in früheren Jahrhunderten, denn im Jahre 1562 sieht sich der letzte Plauische Burggraf, der in Schleiz residierende Burggraf Heinrich VI., veranlasst, seinem Schösser Heinrich Pestel seine in ca. 14 Tagen beabsichtigte Ankunft mit Gefolge in Plauen deshalb besonders anzukündigen, damit dieser mit dem Rate Fürsorge träfe, dass zur angegebenen Zeit kein Mangel an gutem Getränk, besonders an einem guten Rheinwein, und, soweit moglich, an fremden tauglichen Bier, eintreten möge. Der Burggraf muss also früher nicht die besten Erfahrungen an dem Plauischien Bürgerbier gemacht haben, das sich s. Zt. demnach wohl nicht mit dem von Luther so gern getrunkenen Bier der hannoverschen Stadt Einbeck messen konnte, nach welchem das heutige Bockbier benannt ist.

Es kann nicht Wunder nehmen, dass der Branntweingenuss in den fruheren Jahrhunderten vorherrschend war und durch das Bier wenig verdrängt wurde. Selbst noch ums Jahr 1820, als der Pfaffenbauer von den Plauischen Geistlichen eine Entschädigung für die Anfuhr des Deputat-Getreides vor die Wohnungen der einzelnen Geistlichen verlangte. erklärten dieselben vom Superintendenten Dr. Tischer herab bis zum jüngsten Landdiakonus, dass sie alljährlich dem betr. Knechte Brot. Käse und Branntwein gereicht hätten. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts sah man an Wochenmärkten, besonders aber an Jahr- und Viehmärkten nicht selten betrunkene Bauern in ihren langschössigen Leinwandkitteln durch die ungepflasterten, oft mit einer Schlammschicht überzogenen Strassen torkeln und im Zick-Zack einen festen Punkt zu erreichen suchen, gefolgt von einem Schwarm Kinder, die den Betrunkenen mit Zurufen, wie ,,e Nächterle zu viel" und andere, verhöhnten und reizten. Häufig machte der Betrunkene kehrt gegen die Kinder, sodann aber mit dem Strassenschlamm nähere Bekanntschaft, was von der Kinderschar mit einem Jubelgeschrei begrüsst wurde. Ein ,,Nächterle" (1/8 Kanne) war das kleinste Flüssigkeitsrnass, welches neben der Kanne und dem Nösel auf dem Ladentisch der Kolonialwarenhändler, die vorzugsweise Seiler waren, in sauber geputztem Zustande erglänzte. Ob erlaubter- oder unerlaubterweise wurde in diesen Läden Schnaps zum sofortigen Genuss abgegeben. Die Kanne war = 8/10 Liter, das ,,Nächterle" (ein Achtelchen) also = 1/10 Liter.
Mit den Fortschritten, welche die Bierbrauerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Einführung neuer Maschinen, besonders der Eis- und Kaltluftmaschinen machte, trat eine vollständige Umgestaltung des Brauereigewerbes ein. Die kleineren Brauereien waren nicht mehr imstande mit den besser eingerichteten grossen Brauereien zu konkurrieren und mussten den Betrieb einstellen. Dagegen aber mussten die grossen Brauereien zur Sicherung ihres regelmässigen Absatzes Restaurationen, Gastwirtschaften und Vergnügungs-Etablissements ankaufen oder durch Gewährung von Darlehen gegen oft recht zweifelhafte hypothekarische Sicherheit sich deren Konsum sichern. So sind in Plauen wohl 90 Prozent aller Schankstätten, entweder von den beiden hiesigen grossen Brauereien, oder, durch die Lastautomobilverbindung gewonnen, auch von Hofer, Greizer, Elsterberger. Reichenbacher und Oelsnitzer Brauereien ihren Bedarf zu entnehmen verpflichtet, und wir haben also wie vor 100 Jahren wieder den Bierzwang, wenn auch in anderer Gestalt.

Die Braugerechtigkeit
Die brauenden Bürger verzapften ihr Gebräu im Reiheschank, d. h. nach einer zwischen dem Rat und den Brauberechtigten festgesetzten Reihenfolge konnte jeder in seinem Hause öffentlich (acht oder vierzehn Tage lang) Bier ausschenken; dann wurde die Wohnstube zur Gaststube und über der Haustür erschien das Schenkzeichen, der "Kegel".

Das Recht der Biermeile
Im Umkreis einer Meile um die Stadt durfte auf dem Lande kein Bier gebraut werden und kein fremdes Bier ausgeschenkt werden. Rat und Bürgerschaft sowie die Amtsbehörde überwachten die Einhaltung der Biermeile aufs strengste.
Die Dorfschenken waren verpflichtet;
"... sich Bieres in den umb- und naheliegenden Städten Plauen, Oelsnitz, Adorf, Pausa und Neukirchen zu erholen ... doch sollen die Städte auch hinwieder geflissen sein, tüchtig und täglich Bier zu brauen und dasselbe in billigen Kauf nach gebräuchlicher Ahme zu verkaufen und zu geben schuldig sein."
Bei Verletzungen des Biermeilenrechts durch Landvolk und Adel übten die Städte ihr "Verhinderunsrecht", das ius prohibendi, aus, indem die Bürger bewaffnet aufs Land hinauszogen, das widerrechtlich eingeführte fremde Bier austranken und die Fässer zerschlugen. Vielfach versuchten Adlige, die das Braurecht zu erwerben gewußt hatten, den Bierzwang zu durchbrechen und ihren bäuerlichen Untertanen Schloßbier zu liefern.