Hausinschriften in Plauen
Gesammelt und herausgegeben von A. Neupert.

In Tirol und der Schweiz, zumal in Graubünden, findet man Hausinschriften sehr häufig. Fast ausnahmslos sind sie religiösen Inhalts, z. B.:
„Wir bauen Häuser stark und fest,
in den' wir bleiben fremde Gäst,
doch wo wir sollen ewig sein,
da bauen wir recht wenig drein.”

Nicht selten sind die Inschriften, vom Ortsgeistlichen gewählt, lateinisch. So ist an einem Hause in Ardetz (Steinsberg) im Engadin zu lesen:
Pensa, anima fidelis
quid respondere velis Christo venturo.
(Bedenke treue Seele, was du antworten willst, wenn Christus kommen wird, um Gericht zu halten.)

Ausgangs des 18. Jahrhunderts fanden sich auch in Plauen vereinzelte Hausinschriften; die älteste, erhalten gebliebene, ist noch heute zu sehen am Hause Neundorfer Straße 24, sie lautet:
Soli deo gloria — 1795 —
(Gott allein sei die Ehre.) Diese Inschrift ist nicht an das Haus geschrieben, sondern über der Haustür in Stein gemeißelt. Früher leuchteten über dem Spruch die vergoldeten Strahlen der aufgehenden Sonne, die aber bei einer Erneuerung der Schauseite des Hauses verschwunden sind.
Derselbe Spruch, ebenfalls in plastischer Ausführung, findet sich Blücherstraße 54. An dem Hause Oelsnitzer Straße 22 konnte man vor etwa 50 Jahren lesen:
Dies Haus ist mein und doch nicht mein,
der vor mir war, dacht auch 's wär sein,
er zog heraus und ich hinein,
nach meinem Tod wird's auch so sein,
C. Rausch.

Nahezu ein Menschenalter ist diese Inschrift dort angebracht gewesen, der Nachbesitzer des Hauses, Herr Brauereibesitzer Hammer, hat sie der Sammlung des Altertumsvereins zu Plauen überwiesen, wo sie jeden Sonntag vormittag von 11 bis 12 Uhr in Augenschein genommen werden kann. Neuerdings scheint man auch bei uns in Plauen wieder mehr Gefallen daran zu finden, die Schauseite des Hauses mit einem guten Spruch zu zieren:
Weststraße 19 und Neundorfer Straße 173 liest man:

Ohn' Gottes Gunst All' Bau'n Umsunst
.
Hradschinstraße 14, Moritzstraße 83 und Brüderstraße 17:

Grüß Gott, tritt ein,
bring Glück herein.
Melanchthonstraße 2a und Straßberger Straße 64:
Wo Fried' und Einigkeit regiert,
Da wird das ganze Haus geziert. —
Trautes Heim, Glück allein.

Turnstraße 3: Im Deutschen Namen Heil!

Dittrichplatz 13: Kunst braucht Gunst.

Villa Koppisch, an der Straße nach Oberlosa: Gott gebe Allen, die mich kennen, Noch viel mehr, als sie mir gönnen.

Rädelstraße 8, Untere Endestraße 11, Herrenstraße 16 und Elsterberg, Bahnhofstraße 35: Sich regen, bringt Segen.

Villa Hammer, Klemmstraße 7, und Breite-Straße 2: Ora et labora.(Bete und arbeite.)

Tischendorfstraße 27: Soll dir alles wohlgelingen, bau auf Gott in allen Dingen.

Böhlerstraße 35: Gott mit uns.

An der Lutherkirche in Plauen: Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses ewiglich. Psalm 93. 5.

Am Lutherhause: Ein feste Burg ist unser Gott.

An einer großen Zahl von Neubauten: Salve (sei gegrüßt), sowie „Grüß Gott”

Trockentalstraße 81 und 95: Saluti.

Lützowstraße 45: Unverzagt, mit Gott gewagt!

Blücherstraße 41: Traget Holz herbei und lasset den lieben Gott kochen.

Straßberger Straße 83: Jeder baut nach seinem Sinn, keiner kommt und zahlt für ihn.(in kaum lesbarer, verschnörkelter Schrift.)

Hegelstraße 29: Denke und schaffe!

Turnstraße, städtische Turnhalle: Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei!

Konradstraße 8: Hoch hinaus zerstört das Haus.

Am unteren Bahnhof 2: Dem Hause Friede, dem Gaste Freude und Gruß dem Wanderer.

Schildstraße 5 (Baugewerkenschule): Wer bauen will, lege zuvor einen guten Grund. Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Breitestraße -Weststraße - Ecke (Geschäftsgebäude von Johannes Singer): Audentes deus ipse juvet.(Den Wagenden hilft Gott selbst.)

Kaiserstraße 86: Ein deutsches Haus im deutschen Land.

Reichenbacher Straße 12 (Gasthaus goldner Ring): Harung ist Katers Warung Zechen ist das allerbest schon in alter Zeit gewest.

Rinnelbergweg 5: Wer seine Zung' nicht zügeln kann, und übel red't von jedermann, derselbe wiß' zu dieser Frist, daß ihm mein Haus verboten ist.

Jößnitz, Villa Kreisel: Jedes Dach hat sein Ach. Mein Haus, meine Burg.

Jößnitz, in der Nähe des Bahnhofs-Hotels: Gott schütze dieses Haus und die da gehen ein und aus.

Plauen, Straßberger Straße, St. Anna-Fundgrube: Glück auf!

Sprüche im Innern des Hauses:
Dittrichplatz 5: Mein Haus in Frieden Mag Gott behüten!

11. Bürgerschule: Vor allem eins, mein Kind, Sei treu und wahr!

Vorhalle des Landhauses „Derham is derham” Plauen-Kauschwitz, erbaut 1906:
Du ziehst hinein, du ziehst hinaus,
Ein flücht'ger Gast im eignen Haus.
Drum wirb dir Liebe zum Geleit,
Sie legt in's Heut' die Ewigkeit.
„Derham is derham”, su bie ich genannt.
Steh stolz af der Höh, Grüß weit naus in's Land,
Ueber de Berg und de Wälder Und de Wiesen su grü. 0 Vugtland, mei Haamet Wie bist du doch schie.

Loge zur Pyramide: Licht, Liebe, Leben, Weisheit, Stärke, Schönheit.

Stöckigter Straße 1 (Polizeiwache 2): Geh' ohn' Gebet und Gottes Wort Niemals aus deinem Hause fort.

Erfreulicherweise geht jetzt, wie schon die große Zahl der gesammelten Sprüche beweist, eine frische, lebhafte Bewegung durch unser deutsches Volk, zurückzukehren zur guten alten Sitte unserer Väter; zu dieser gehörte auch der biedere Spruch am Hause. Dieser Spruch am Hause war charakteristisch für die Sinnesart des Hausherrn, der damit seine eigene, wenn auch oft primitive Philosophie zum Ausdruck brachte. Auf Vollständigkeit kann vorstehende Sammlung selbstverständlich nicht Anspruch machen, obwohl viele Helfer und Helferinnen, denen auch hier noch für ihre Unterstützung bestens gedankt sei, sich am Sammelwerk beteiligt haben. Durch die Sammlung und Veröffentlichung der Inschriften wird der Spruch am Hause und in seinem Innern zum Kulturdokument. Zum Schlusse möge noch ein Spruch Platz finden, den einer der Mitarbeiter vorschlägt, welcher allem Anschein nach recht trübe Erfahrungen an einem perfiden Menschen gemacht haben muß:
Ein guter Ruf ist wie ein stattlich Haus,
Das baut sich Stein um Stein allmählich aus.
Doch mit gewissenloser Hand
Im Nu steckt es ein Lump in Brand.
Hab Jahrhunderte durchmessen
Meinem Schicksal dank ich Daß Zerstörer mich vergessen.
Dies Haus steht in Gottes Hand
Zum großen Christoph ist es benannt.