König Georg-Kaserne (Neundorfer Straße)

1900 bis 1903 für das 10. Kgl. Sächsische Inf.-Reg. 134 erbaut
1919 bis 1934 als Polizeidienstgebäude und für Wohnzwecke genutzt
1935 bis 1945 als Garnision des Inf.-Reg. 31 und anderer Einheiten
 
Als Kasernenbauplatz erwarb die Stadtgemeinde vom Rittergutsbesitzer Bruno Golle auf Neundorf ein südlich der Neundorfer Straße gelegenes Grundstück in der Größe von 12ha 10,6a zum Preise von 181590 Mark und trat ihr Eigentumsrecht an diesem Grundstücke an den durch das Königl. Sächs. Kriegsministerium vertretenen Reichsfiskus ab, und letzterer kaufte zum Lazarettbauplatz vom nämlichen Eigentümer ein Grundstück in der Größe von 2ha 30,7a um die Kaufsumme von 33000 Mark. Diese und eine Anzahl benachbarte Grundstücke in Neundorfer Flur in der Gesamtgröße von 62ha 21,1a wurden mit Wirkung vom 1. Oktober 1899 ab der Stadtgemeinde Plauen einverleibt. Der Bau des Kasernements wurde Anfang Mai 1900 begonnen und bis zum Einzug des Regiments in allen seinen Teilen vollendet. mBauleiter war der Königl. Garnisionsbaubeamte Bauinspektor Hartmann.

Das Kasernengrundstück Neundorfer Straße 175 umfaßt einschließlich des Hofes 11ha 12,3a Fläche. Es enthält, vom Haupteingange an der Neundorfer Straße nach links gezählt, Stabsgebäude, Exerzierhaus mit Pferdestall, 3 Mannschaftsgebäude für je ein Bataillon, 2 Wohngebäude für Unteroffiziere, Kammergebäude, Wirtschaftsgebäude und Offizierskasino. Bei dem Entwurfe war das Bestreben unserer modernen Baukunst, das in der Zergliederung aller größeren Gebäudekomplexe in kleine, für sich abgeschlossene Teile seinen Ausdruck findet und die Vermeidung einer großen Anzahl von Stockwerken bei trotzdem nicht zu weitläufiger Anlage zu erreichen sucht, der leitende Grundgedanke.
Wie bei modernen Kasernenanlagen sind auch hier die Mannschaftsgebäude getrennt und die einzelnen Teile soweit auseinandergelegt, daß sie sich gegenseitig in keiner Weise mehr beeinträchtigen.

Das Stabsgebäude enthält die Geschäftsräume des Regiments, einen Unterrichtsraum mit Bibliothekzimmer und dient ferner den Wohn- und Schlafbedürfnissen der den einzelnen Bataillonsverbänden nicht angehörigen Hoboisten der Regimentsmusik. Daran angebaut ist das Arresthaus, das im Erdgeschoß teils die Räume für die Kasernenwache mit einer Vorhalle, im anderen Teile wie im 1. Obergeschoß die Arrestzellen birgt. Im 2. Obergeschoß liegt die Wohnung des Inspektors.
Das Exerzierhaus dient bei schlechtem Wetter zu Exerzierübungen und besitzt eine Tiefe von 20 und eine Länge von etwa 15m. Daran angebaut ist der Stall der Offizierspferde mit darüber befindlichem Futterschober. Die Munitionsräume für Kriegsbedarf sind in den Vorbau gelegt.
Die drei Mannschaftsgebäude sind unter sich in ihrer inneren Einrichtung vollständig gleich und fassen je ein Bataillon zu 4 Kompagnien. Jedes Kompagnierevier enthält einen großen Kompagnieschlafsaal, 6 Mannschaftsstuben für je etwa 20 Mann mit einem Unteroffizier, den Waschraum mit Schreib- und Flickstube, die Abortanlagen, sowie schließlich die benötigten Wohnräume der verschiedenen Chargen. Ein breiter heller Gang ermöglicht das Abhalten von Gewehrübungen innerhalb des Hauses. Die den Mittelbau flankierenden zwei Querbauten sind um ein Stockwerk erhöht; dort sind die Geschäftszimmer des Bataillons, die Revierkrankenstube und eine Unteroffizierswohnung untergebracht. Im Kellergeschoß liegen je zwei Mannschaftsspeisesäle für je zwei Kompagnien, die Küche und die Kantine des Bataillons mit den erforderlichen Nebenräumen.
Die beiden Wohngebäude für Unteroffiziere enthalten etwa 40 einzelne Wohnungen. Zu einem derselben ist ein größerer Speisesaal für die Unteroffiziere eingebaut (Unteroffizierskasino)
Es folgt das Kammergebäude und direkt daneben ein Wirtschaftsgebäude, in welchem Büchsenmacherei und Wäscherei untergebracht sind.
Das Offizierskasino an der Kopfseite der Anlage rechts vom Haupteingang enthält eine Hauptmannswohnung, einen großen Speisesaal mit kleineren Nebenräumen un im Kellergeschoß die Küche.
Bei der technischen Ausführung der ganzen Kasernenanlage ist hauptsächlich Stein und Eisen zur Verwendung gekommen. Die Decken der Mannschaftsschlafsäle sind in Hennebiquekonstruktion, der darüber befindliche Dachstuhl ist aus konstruktiven Gründen nur in Eisen ausgeführt. Die Beheizung erfolgt bei dem Offizierskasino durch eine Niederdruck-Dampfheizungsanlage, bei den Mannschaftsräumen fast ausschließlich durch eiserne Mantelöfen. Die Speisen werden in Dampfwasserbad-Kesseln hergestellt. In den Waschsälen sind auf eisernen Gestellen reihenweise Kippwaschbecken angebracht. Die Abortanlagen sind sämtlich mit Wasserspülung und Oelgeruchverschlüssen versehen; sie werden durch Klärbehälter (System Friedrich & Glaß) vervollständigt.

Das Garnisionlazarett Kasernenstraße 2, befindet sich an der hinteren Seite der Kasernenanlage und ist von dieser durch eine Straße getrennt. Dasselbe Prinzip der Zergliederung des Ganzen in einzelne Teile, das bei der Kaserne im großen angewendet wurde, ist hier in kleinerem Maßstabe zu sehen. Das Lazarett faßt in drei Krankenhäusern 75 Kranke. Das zweistöckige Blockgebäude ist namentlich für solche Kranke geeignet, die großer Ruhe bedürfen, während von den beiden sich gegenüberliegenden einstöckigen Pavillions der eine hauptsächlich der chirurgischen Abteilung, der andere Pavillion, welcher durch eine Mauer in zwei Teile geteilt ist, zur Aufnahme von mit ansteckenden Krankheiten Behafteten dient. Ein Verwaltungsgebäude enthält Geschäftszimmer, Räume für Pfleger und Wohnungen für das Lazarettpersonal. Im Nebengebäude sind die Wäscherei für das Lazarett, eine Desinfektionsanstalt, die Kesselanlage, der Maschinenraum mit Dampfmaschine von 13PS und Dynamomaschine, sowie der Totenraum mit Obduktionsraum untergebracht.

Die Schießstände befinden sich auf der Grenze der Schneckengrüner und Zwoschwitzer Flur, etwa ein Kilometer östlich von Schneckengrün; die Flugbahn ist nach dem Reiboldsruher Staatsforstrevier gerichtet. Sie umfassen eine Fläche von 6ha 48a, sind vom Reichsfiskus - teilweise im Wege des Enteignungsverfahrens - eigentümlich erworben und bestehen aus einem Gebäude mit Geräteschupen für jede Kompagnie, Pferdestall, Wachraum, den nötigen Nebenräumen und aus 6 Schießständen, wovon einer 600m, einer 400m, zwei je 300m und zwei je 200m Länge besitzt, mit 6m breiten Schiebahnen auf der Sohle.

Der Garnisions-Exerzierplatz liegt in den Fluren Neundorf und Kobitzschwalde und umfaßt eine Fläche von 40ha 52,8a. Wegen seiner Erpachtung ist zwischen dem Reichsfiskus und 7 beteiligten Grundstückseigentümern auf die Zeit vom 1. Oktober 1903 ab unter Verzicht der Vermieter auf Kündigungsrecht (in einem Falle ist jedoch der Vertrag für den Vermieter nur auf 30 Jahre unkündbar) Mietvertrag abgeschlossen worden.

Die Gesamtkosten der Kasernenanlagen betragen ohne Grunderwerb 3000000 Mark, für das Garnisionslazarett (mit Grunderwerb) rund 500000 Mark und für die Schießstände etwa 150000 Mark.

 
A   Stabsgebäude
B   Munition
C   Pferdestall
D   Exerzierhaus
E   Mannschaftsgebäude 1
F   Wohn- und Wirtschaftsgebäude 1
G   Mannschaftsgebäude 2
H   Wohn- und Wirtschaftsgebäude 2
I   Mannschaftsgebäude 3
K   Kammergebäude
L   Büchsenmacherei und Waschgebäude
M   Offiziers-Speiseanstalt
N   Uebungsplatz
O   Garten
P   Pavillion 2
Q   Verwaltungsgebäude
R   Krankenblock
S   Pavillion 1
T   Nebengebäude
     


Hindenburg-Kaserne (Neundorfer Straße)

1936 bis 1938 für das Inf.-Reg. 31 erbaut
1939 bis 1945 zusätzlich durch das Ersatz-Reg. 304 und das Landesschützenbatallion 351 genutzt
 
 


Kirchbach-Kaserne (Zaderastraße)

ab 1935 durch Teile des Artillerieregiment Nr. 24 genutzt
Grenzbataillon 414
 
 

Fliegerkaserne (Schöpsdreh)

Luftwaffenregiment Nr. 414