Schloß Reusa, seine Vorbesitzer
und der durch eingeworfene Fedhebriefe daselbst im Jahre 1746 erregte Aufstand,
nach einem Aktenstück aus dem Reusaer Schloßarchiv

Im Jahre 1901 erkaufte die Stadt Plauen das Rittergut Reusa von Herrn Dürbig für 750000 Mark und wurde dadurch zum zweiten Male Besitzerin dieser an das Stadtgebiet angrenzenden Fluren, welche der Rat zu Plauen bereits einmal besessen hatte und zwar durch Ankauf des „Vorwerkes Reusa" von Christoph von Raab für 12000 Fl. Dieser erste Ankauf erfolgte im Jahre 1589. So schreibt Fiedler in seiner „historischen Skizze: die Stadt Plauen im Vogtlands" S. 29, doch bedürfen diese Angaben in mehrfacher Beziehung der Berichtigung. Laut Akten des Lehnhofs in Dresden erfolgte der Ankauf nicht 1589 sondern 1590. Erst 1592 im September konnten endlich 2 Abgeordnete des Rates die Lehen in Empfang nehmen, nachdem mehrfache Erinnerungen des Rates u. a. auch vom 14. November 1591 erfolglos geblieben waren. Weder im Kaufbrief von 1590 noch im Lehnbrief von 1592 ist irgendwo von einem „Vorwerk Reusa" die Rede, sondern immer nur vom „Gut, Rittergut und Rittersitz", dagegen heißt das Gut Kleinfriesen „Vorwerk von Reusa." Auch Sorga wird urkundlich als Vorwerk von Reusa bezeichnet. Der Verkäufer hieß nicht Christoph von Raab, sondern Balthasar Rabe zu Schloditz und Wolf Joachim Rabe zu Schneckengrün verkaufen das Gut für die unmündigen Alexander und Balthasar Friedrich an die Stadt Plauen. Reusa war, wie urkundlich nachgewiesen ist, von 1428 bis zum Verkauf an die Stadt Plauen im Jahre 1590 im Besitz des Geschlechts der Raben (Rabe, Rab, Raab) gewesen. In dem Verzeichnis der Mannschaft, Schätzung der Lehngüter (Raab, das Amt Plauen S. 270) heißt es: 1549. Reusa, Tauschwitz, Kleinfriesen. Von den drei Ritter- und Lehngütern ist Caspar Raben Reusa, des Orts er wohnhaftig, Christoph Raben Tauschwitz zuständig und Kleinfriesen ist das Leibgut ihres Vettern Albrecht Raben seligen Witwe. Sie sind in der letzten Türkensteuer abgeschätzt worden, das Gut Reusa mit 2500, das Gut Tauschwitz mit 2000 und der Ansitz Kleinfriesen mit 2500 Gulden, sämtlich mit 1 Pferde Ritterdienst verdient.
1 Meißner Gulden hatte damals einen Silberwert von 4.20 Mk. jetzigen Geldes (1911), heute einen Zeitwert von 15.75 Mk. 1 Schock Groschen ist gleich 45 Mark.
Bereits 37 Jahre spater im Jahre 1627 muß infolge des 30jährigen Krieges der Rat sich entschließen dieses Besitztum wieder zu veräußern. Käufer ist Christian von Winkelmann auf Unterlosa. Die Familie Winkelmann blieb im Besitz bis 1692 und zwar Christian, dessen Frau Johanna und deren 3 Söhne.
1692 - 1694 ist Besitzer Iobft Bernhard von Lindenfels.
1694 - 1696 hat die Nutznießung der spätere Kardinal von Sachsen Prinz Christian August von Sachsen-Zeitz, zu dessen Apanage auch das Schloß Plauen gehörte, in welchem er als (Krypto)katholik von 1692—1694 residierte.
1696 - 1728 sind Besitzer des Rittergutes Reusa die Kammerherren Hannibal Germanus und Hannibal August (Vater und Sohn) von Schmertzing. Administratoren waren Michael Schubarth und Joh. Chr. Holzschuher jr. und sen., später Besitzer der Tennera.
Am längsten ist Reusa in neuerer Zeit im Besitz der Familie von Müffling gewesen, von 1728-1796. 1733 wird dem Generalleutnant Freiherrn v. Müffling ein Sohn geboren, welcher 1780 im Alter von 47 Jahren starb. Auf das von seiner Witwe einer geborenen von Watzdorf ihm in der Kapelle errichtete kunstvolle Epithaphium komme ich später zu sprechen.
Von späteren Besitzern finden sich folgende Nachweise:
1796 - 1803 Karl Christian von Morg, Königl. preuß. Hauptmann; derselbe begründete einige Jahre später in Hof eine Freimaurerloge, die noch heute nach ihm „zum Morgenstern" heißt.1803 ist Besitzer ein Kaufmann Mertz, der in dem Schlosse eine Spinnerei errichtete, welche noch 1816 als im Betrieb stehend erwähnt wird, obwohl die Lage der Spinnerei-Industrie sich bereits damals sehr verschlechtert hatte. Joh. Chr. Mertz (ein Schwiegersohn des Stadtrat J. G. Heynig in Plauen) setzte den Betrieb der Spinnerei noch bis zum Jahre 1820 fort, in welchem Jahre er das Rittergut Roßtal bei Dresden kaufte. Während seines Aufenthalts in Plauen vom 26./II. bis 28./III. 1813 hatte übrigens der König Friedrich August am 6. März neben andern Spinnereien auch die Reusaer besucht.
1825 befindet sich Reusa in dem Besitz des Dr. Ludwig Schneider in Plauen, der das Schloß renovieren läßt; im Juni des Jahres wird der Saal von. einem Altenburger Dekorationsmaler neu gemalt. Verwalter ist G. Stengel aus Troschenreuth Wirtschaftsmamsell Charlotte Muth.
1857 stirbt Dr. Ludwig Schneider, der als ein edler, wohltätiger Mann geschildert wird. Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages früh vor Tagesanbruch erfolgte bei Laternenschein die Ueberführung der Leiche behufs Bestattung auf den Friedhof zu Plauen (Lutherplatz).
Besitzer des Rittergutes wurde sodann Herr Max Schneider, der jedoch bereits 1861 im Alter von 35 Jahren verstarb; sein Nachfolger war sein Bruder Ludwig, der längere Zeit im Besitz blieb, aber noch im rüstigsten Mannesalter im Jahre 1879 gestorben ist.
1880 am 27. Januar kaufte Herr Dürbig das Rittergut, das er volle 20 Jahre besessen und bewirtschaftet hat.

Bevor ich auf die ziemlich harmlos verlaufene Episode vom Jahre 1746 betreffs der eingeworfenen Fehdebriefe übergehe, gestatten Sie mir über die Mitte des 18. Jahrhunderts zumal auf dem Lande herrschenden Zustände und Einrichtungen zum Schutz des Eigentums einiges vorauszuschicken:
Nicht nur im Mittelalter, zur Zeit des Raubritterunwesens, ist es mit der Sicherheit für Leben und Eigentum in Deutschland vielfach schlecht bestellt gewesen, die Unsicherheit auf der Landstraße und den Dörfern dauerte vielmehr - besonders in Kriegszeiten - fort bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts.
Noch wahrend der Napoleonischen Kriege wurde wie ganz Deutschland auch das Vogtland von Räuberbanden und Diebesgesindel arg heimgesucht; nur haben die Führer der vogtländischen Banden es nicht zum Ruhme des bayrischen Hiesl, des Lips Tullian und des Johannes Bückler gen, „Schinderhannes" gebracht, die als Helden im Bänkelsangerlied auf den Jahrmärkten noch lange gefeiert wurden.
Was den letzteren besonders populär gemacht hatte und ihm die bereitwilligste Unterstützung bei den ärmeren Leuten, zumal bei den durch die Frondienste und sonstige Knechtschaft hartbedrückten Bauern sicherte, war der Umstand, daß er vorzugsweise die Blutsauger derselben, die handeltreibenden Juden stark brandschatzte und plünderte, sofern sie nicht durch teuer erkaufte Sicherheitskarten, die er ausstellte, unbehelligt passieren konnten.
Johannes Bückler war bis 1796 Scharfrichtergehilfe gewesen - daher im Volksmunde „Schinderhannes" -, eines Vergehens halber wurde er in diesem Jahre „gestäupt" und ging infolgedessen unter die Räuber. Im November 1803 wurde er in Mainz mit 20 Genossen seiner organisierten Bande hingerichtet. Unzählige Lebensbeschreibungen sind von ihm im Volke verbreitet gewesen, selbst der neue Pitaval hat ihm in Bd. VI der neuen Serie einen längeren Artikel zuteil werden lassen.
Im Erzgebirge wird im Volke noch heute viel von dem kühnen Raubschützen Karl Stülpner gesprochen; von solch einem „edlen" Räuber aus dem Vogtlande weiß weder die Chronik noch die Historie etwas zu berichten.
Und doch haben in unserer Gegend, zumal während der Napoleonischen Kriege, zahlreiche Räuberbanden, denen in ihren Schlupfwinkeln von den wenigen Polizeiorganen nicht beizukommen war, jahrelang ihr Unwesen getrieben, bis schließlich größere Militär-Kommandos gegen sie aufgeboten werden mußten; so wurde noch im Jahre 1807 Infanterie und Kavallerie zu diesem Zwecke in den vogtlandischen Kreis verlegt, deren Kommandant Premier-Leutnant Ernst von Döring unter dem 15. April 1807 nachstehende Bekanntmachung erläßt:

„Da auf Befehl Ihro Königliche Majestät von Sachsen verschiedene Kommandos Infanterie und Kavallerie in den vogtländischen Kreis verlegt werden sollen, um denselben besonders gegen die bayreuthische und reußische Grenze vor einer im Bambergischen befindlichen und sich auf 500 Köpfe belaufen sollenden Räuberbande zu schützen, mir auch von dem Herrn Kommandanten von Dresden deshalb nicht nur bereits Anzeige geschehen, sondern auch das Kommando über diese Truppen übertragen worden; so ergeht an alle Ortsobrigkeiten dieses Kreises die ergebenste Bitte, diese, auf's Wohl des Kreises abzweckende Maßregel nicht nur aus allen Kräften zu unterstützen, sondern auch, da die Patrouillen nicht stets überall seyn können, wenn sie etwas Verdächtiges bemerken und Hilfe gebrauchen, solches sogleich an mich zu melden, worauf ich ihnen mit nöthiger Mannschaft beizustehen nicht unterlassen werde."

Plauen, den 15. IV. 1807.
Ernst von Döring Premier-Lieutenant und Commandant.

1809 haben sich die Zustände im ganzen Lande, was die Sicherheit des Eigentums betraf, derart verschlechtert, daß die Regierung sich zu folgender Verfügung an die Ortsobrigleit veranlaßt fand:

„Zu allergehorsamster Befolgung eines an mich ergangenen allerhöchsten Rescriptes d. d. Dresden am 20. May 1809 wird hiermit das allerhöchste Generale vom 20. hujus, die Tag- und Nachtwachen betr., wie nachstehet, bekannt gemacht.

Amt Plauen mit Pausa den 26. May 1809.
Königl. Sächs, bestallter Amtmann allda, Christian Friedrich Weller.

Von Gottes Gnaden Friedrich August, König von Sachsen etc

Lieber getreuer. In weiterem Verfolg der mittelst Generalis vom 27. April d. JI. in Hinsicht auf die Erhaltung der öffentlichen Sicherheit getroffenen Anordnungen, finden wir für nöthig, sämmtlichen Obrigkeiten Unserer Lande annoch folgendes, zur Nachahmung und weiteren Verfügung aufzugeben.
1. An denjenigen Orten, an welchen die Tag- und Nachtwachen von den Mitgliedern der Communen der Reihe nach bisher besorgt und verrichtet worden sind, soll diese Reihe unter den dermallgen Umständen nicht Statt finden. Es sollen vielmehr sothane Tag- und Nachtwachen jeglichen Ortes durch zwey, hierzu besonders angenommene, und nach Maßgabe Unseres vorgedachten Generalis hinlänglich qualificirte Subjecte unausgesetzt verrichtet, und diese Wächter, deren einer für den Tag, der andere für die Nacht, zu bestellen, von den übrigen Gemeindegliedern mit einer angemessenen Remuneration versehen werden. Kleinen, sehr nahe an einander liegenden Dörfern soll verstattet seyn, sich dieser Wachen halber zu aßociiren; die Wächter selbst aber sind, nach Vorschrift des Mandats vom 11. April 1772. Cap, II. § 6., wegen ihren Obliegenheiten behörig zu instruiren.
2. In denjenigen Städten, in welchen Schützengilden vorhanden, ist die Bewachung durch diese, und in denen, wo dergleichen nicht befindlich sind, durch die jungen Bürger des Ortes zu bewerkstelligen. Jede Stadtobrigkeit wird sich daher besonders angelegen sein lassen, eine den localen Verhältnissen angemessene Einrichtung hierunter zu treffen, damit nicht nur der Zweck erreicht, sondern auch keine Prägravation einzelner Bürger veranlasset werde. Für jetzt, und besonders während der Abwesenheit des Militairs, ist diese Einrichtung dahin zu treffen, nicht nur in jedem Thore oder Eingange der Stadt ein bewaffneter Schütze, oder junger Bürger, als stehende Wache angestellt werde, sondern auch, um sowohl nach Befinden die Ablösungen besorgen zu können, als auch jederzeit für vorkommende dringende Fälle die nötige polizeyliche Aßistenz bey der Hand zu haben, bey Tage und Nacht einige Schützen, oder junge Bürger, an einem unsern des Hauptthors zu bestimmenden Orte sich versammelt halten, von wo aus sie, besonders zur Nachtzeit, die bereits vorgeschriebenen Patrouillen fleißig verrichten können.
3. Daferne Diebesbanden, oder andere gefährliche Rotten, in den Dörfern oder in den Städten sich zusammen finden sollten, so ist in diesem Falle nach Maßgabe des am 14. Decbr. 1753 wegen Aufsuch- und Entdeckung der Räuber ergangenen Mandats § 2., in Ansehung der mit dem Glockenlauten und Stürmen, oder sonst zu gebenden Zeichen, worüber sich die Gemeinden zu vereinigen haben, zu verfahren; und es haben daher die Obrigkeiten jedes Orts die Communen deshalb mit besonderer Anweisung zu versehen.
Dem gemäß wollest du nicht nur selbst das Nöthige beobachten und besorgen, sondern auch die einbezirkten Schrift- und Amtfaßen auf das schleunigste und da, wo es nöthig, mittelst Uebersendung der diesfallßigen Verfügung durch besondere Boten, resp. Kraft dieses und sonst gewöhnlichermaßen, anweisen. Daran geschieht Unsre Meinung."

Dresden am 20. Mai 1809.
H. A. von Hünerbein. Friedrich Moßdorf, S.

1810 schreibt das Stadtgericht Oelsnitz eine Belohnung von 100 Thalern - für damalige Zeit eine große Summe - aus, weil aus dem dortigen Röderschen Bleichhause unter Durchbrechung der Mauern 75 Stück Mouselin, 6, 7 und 8 Viertel breit, gestohlen worden und die Diebe nicht zu ermitteln waren.
Eine noch höhere Belohnung, nämlich 100 Ducaten versprechen die Angehörigen des Kauf- und Handelsherrn Lorenz, welcher am 22. Juni 1810 morgens 1/2 5 Uhr zwischen seinen Gütern Ruppertsgrün und Lohsa auf dem Wege nach Greiz meuchlings erschossen worden war, demjenigen, der über den Täter glaubwürdige Anzeige zu erstatten vermochte.
Im Mai 1810 bittet der Actuar Strantz in Planen auf Veranlassung des Postmeisters Graichen in Penig um milde Gaben für einen Postillon, der in der Nacht vom 5. - 6. Mai die Annaberger Post von Borna nach Penig gefahren hatte. Früh gegen 2 Uhr war diese Post von 4 Räubern überfallen und beraubt worden. Den Postillon hatten die Räuber mit einem starken Pfahl ins Genick geschlagen, sodaß er besinnunglos vom Bock stürzte und die Räder ihm das rechte Bein zermalmten. In diesem fürchterlichen Zustande wurde er gefunden und nach Borna geschafft.
Aber auch im zweiten Jahrzehnt treiben Diebe und Räuber im Lande noch unausgesetzt ihr Unwesen. Dem Schullehrer Sammler in Altensalz wird die einzige Kuh nachts aus dem Stalle gestohlen. Pastor Weyrauch in Pöhl macht im Jahre 1817 bekannt:

„Um meine Wohnung, welche unaufhörlich durch räuberische Einbrüche beunruhigt wird, künftig mehr in Sicherheit zu setzen, habe ich Selbstschüsse und Fußangeln ausgelegt, welches zur Warnung hierdurch bekannt gemacht wird,"

Im Jahre vorher erließ J.G. Niklisch in Plauen nachstehende Bekanntmachung:

„Durch einige an abgelegenen Orten der Stadt glücklich ausgeführte Räubereien kühn gemacht, haben wahrscheinlich dieselben verbrecherischen Hände es gewagt, sogar in mein am Markt gelegenes Gewölbe gewaltsam einzubrechen, wobei mir verschiedene Materialwaaren und ungefähr 40 Thaler in baarem Gelde entwendet wurden."

Um dieser „schändlichen Rotte" auf die Spur zu kommen, setzte der Vestohlene eine angemessene Belohnung aus, deren Höhe nicht genannt wird.
Es ließe sich noch eine Reihe von Belegen über die frühere Unsicherheit im Vogtlande anführen, welche mit Heberlein und Porsts Karl, den harmlosen Fisch- und Gänsedieben, und dem weniger harmlosen Räuberhauptmann Caro und seiner Bande abschließen würde, - kommen wir vielmehr nun zu dem Aufstand in Reusa vom Jahre 1746. Das betr. Aktenstück aus dem Schloßarchiv trägt die Aufschrift:

ACTA
die Anordnung der Wache auf dem Rittergut Reusa wegen der eingeworfenen Fehdebriefe und den dadurch erregten Aufstand betr. ergangen de anno 1746 bei denen Freyherrlichen Müfflingschen Gerichten zu Reusa.

Die Rittergüter Reusa und Oberlosa befanden sich im Jahre 1746 beide im Besitz der Familie von Müffling. In der Nacht vom 8. - 9. Juni dieses Jahres war an das Schloßtor des Rittergutes Oberlosa ein Fehde- bez. Brandbrief angeschlagen worden, welcher wörtlich lautete:

Hoch und Wollgeborene Frau,
gnätige Frau Generallen

Es werden dieselben wohl noch bekannt haben, wie mir Waltmänner vor 6 Jahren von ihnen haben 6 hundert Thaller gelt gefordert. Sie aber das gelt nicht gesickt, sondern vielmehr getrachtet uns zu sahen und aus zu suchen. Solcher aber wird vor ihren Augen verborgen sein, nun ist korz zu sagen, sicken Sie uns die 6 hundert Thahler, halb an golt, halb an Silbergelt binnen virzentag oder es soll ergehen, wie vorhin gemeltet ist worden, aus ihren Wachen werden wir uns wenig aber gar nichts machen. Es bekombt einer nur eine Kugel vor den Kopff, so wird sich gewiß keiner mehr hinstellen, wollen sie uns das Geld nicht sicken, so wird Reusa - wann Scheuern und Böden wohl gefillet sein - in Asche schon geleget werden, wo dieses nicht, so soll es Oberlosa geleich so gehen, sein weider keine weitläufftige umstände damit zu machen, so sich jemand gebrauchen läßt, uns in Schaden zu bringen, den soll es noch besser gehn, das Gelt ist nach Oelsnitz zu bringen auf das kleine wirzhausel, so die viltzlaus genannt, über Oelsnitz, wann man nach Roßbach gehet, alta wil ich es mit meine kameraden schon durch einen gewißen man abholen lassen ist aber das Geld von den Wird nicht wegzugeben, außer den ich sicke geleich meine Handschrift, als wie diese stehet und meinen Nahmen wie er hier stehet, es tarffte ein andere es auff meinen Nahmen sonst hollen und unter meinem Nahmen mus dies Zeichen liegen wie hir innen lieget und das ist zuschnitten, da muß dieser hier inliegende teil dagegen sein und auff einander Passen, alsdann kann es der wird volgen lassen ist nochmals zu erinnern das wir kein Scherz darmid machen sondern ein korzer Proceß werden muß

Hiermid gehorsamster Diener
Johann Peter Oswalt
den 6. Juni 1746.

Solten ihnen etwan der weg zu weit sein auff dieses wirzhäusel so legen sie es in Oberlosa ein in ein Wirzhaus es ist uns alles geleich wir wollen es schon abhollen lassen

An
die Hochwohlgeborene Frau Generain D. Müffling a. Reusa

An das Oberlosener Thor
angeschlagen in der Nacht
zwischen den 8. u. 9. Juni 1746.

Die Gutsherrschaft befand sich damals in Karlsbad; für die Dauer ihrer Abwesenheit wurde seitens des Gerichtes angeordnet, daß auf dem Schlosse Reusa die Untertanen Tag und Nacht Wache zu halten hätten und der Richter Paul Mennel mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt. Mennel meldet alsbald, daß er die Wache bestellt habe, daß dieselbe bei Tage von 2 Mann verrichtet würde, die nachts durch die folgenden 2 Mann abgelöst würden, daß die Untertanen sich zwar beschwert hätten, daß ihnen die Wache bei gegenwärtiger Zeit, da sie mit der Frohn und ihren Feldfrüchten viel zu schaffen hätten, sehr beschwerlich fiele, daß aber noch niemand sich geweigert habe, die Wache zu verrichten.
Bereits unter dem 28. August erläßt Johann Peter Oswalt einen zweiten Fehdebrief folgenden Inhalts:

Hochwohlgeborene Frau Frau Generallen von Miffling

Wir kennen zu dieser Zeit noch nicht unterlassen wegen restirenden 6 Hundert tahler gelt, so viel als zuvor gemeldet worden aus unsere Schreiben, so bleibt es ein mahl vor alle mahl, wir zwar nicht gesonnen gewesen eine Feder mer anzusetzen. Doch aber, weil wir vernehm mißn das unser letzdes Schreiben nicht zu recht der Zeit erhalten worden und wir uns soviel mihe geben und dieselben zwei bestellten Tage so umsonst aufwarden müßen und doch keinen Wird zu sehen bekommen, wir zwar nicht anders in Sinn gehabt und auch auf den weg gewesen, die gemelte Excution zu bestetigen, doch auf den Weg erfahren, das Sie nicht schult währen, sondern die Post hatte die Priffe nicht zu rechter Zeit abgeben, nun wollen wir doch diesmahl zum letzdem mal Sie ermahnt haben so vern Sie das gelt auf den 5. Sepdember durch den wird in Oberlosa durch seine eigne Perschon gantz alleine sicket eben auf den weg wie zuvor gemeltet worden auf Rascha zu. So werden wir gewis bei Rechter Zeit unsere aufwartung machen, so Sie sich aber mit uns abfindet, so wie es gemeldet ist, so wird auch itzund und in ewigkeit ihnen niemand nichts mehr abfordern. Solde es aber unsere gelegenheit an selben Dag nicht geben, so kann das gelt in Rascha eingelegt werden und auf den 7. Sepdember wie vorhin schon gemeldet den gerathen weg nach Hartmannsreuth bei der Klipen wieder eingelegt werden von den Herrn Wird aus Rascha so es möglich ist, so werden wir ihm schon begegnen und kann ganz alleine geschicket werden, es soll keinen nicht das minderste widerfahren, es kende durch ander leude auch gesicket werden, alleine weil wir nur diese beiden wird vor langer Zeit ser wohl gekennet und auch noch, so sohlen sie es auch dhun, wir wollen uns gewis mid einen gutten trinkgelt erzeigen, derjenige so uns das gelt überbringet wird auch das Zeichen gegen einer Quittung anvertraut werten, wir werden hiermid uns nunmehr keine mihe mehr so wir schon gehabt haben machen und können sich schicken mit den gelt, das es einmahlein Ende gewinne, den es muß geschaffet werden, und wollen Sie nicht, so sol es ihnen an stat 6 hundert 6 tausend kosten. Drum machen Sie, das wir vom Fleck kommen, sonst wird keine Ruh den es wird ihnen gehen als wie jerusalem es wird gewis alles zu trimmert werden und solden sie es wieder erbauen, so werden unsere nachkommen wieder dhun, es wird nun kein Friet, ist nochmals zu melten, das es (gewis) ganz in aller Stille angefangen wird damit nicht etwa eine Verhinderung damit gemachet wirt, sonst wirt gewis der letztere betrug erger den der erste wie alles schon bekand gemachd ist.

bin hiermid nochmals ergebenster
Johann Peter Oswalt

gegeben auf der Stras
der 28. August
wares Adje

Das Podenlohn ist schon gegeben

An die Hochwohlgeborene
Frau Generallen von Müffl
auf Reusa werde dieser überbracht.

Aufs Neue wird infolge dieses zweiten „Fehdebriefes" dem Richter Mennel eingeschärft, die Wachen regelmäßig zu bestellen, fleißig aufzuschreiben, welche Untertanen von Tag zu Tag gefordert worden sind, und die Wachen mit tüchtiger Wehr zu versehen, dieselben müssen allstündlich zum Zeichen ihrer Wachsamkeit ins Horn stoßen und werden von dem Richter öfters, sowohl Tags wie Nachts, visitieret.
Unter dem 6. September meldet Mennel, daß die Untertanen bisher zwar die Wachen noch nach der Anordnung verrichtet, sich aber beschwert hätten, daß ihnen, wenn sie die Schloßwache und auch die auf dem Vorwerk Sorga weiter verrichten sollen, jedem täglich eine Kanne Bier nnd ein Stück Brot gereicht werden müsse, wie sie dies in früheren Zeiten auch bekommen hätten.
Die zu Reusa gehörigen Untertanen zu Großfriesen: Hannaß Georg Obrist, Adam Jacob und Hanns Hopf, ingleichen Hannaß Michael Knüpfer zu Schloditz (Güter in Großfriesen und Schloditz gehörten damals also ebenfalls zu Reusa) sind, als die Reihe der Schloßwache an ihnen gewesen, bei Vermeidung von einem alten Schock Groschen Strafe dazu aufgefordert worden, aber nicht erschienen und ist infolgedessen die Wache zwei Tage nicht besetzt gewesen. Vor das Gericht gefordert, werden sie alle vier im Beisein des Richters Mennel und des Gerichtsschöppen Haßler wegen ihrer Widerspenstigkeit zu der ihnen angedrohten Strafe verurteilt, die Kosten in Höhe von 2 Thaler 2 g. Gr. haben sie außerdem gemeinschaftlich zu tragen.
Am 9. Oktober eines Sonntags abends 7 Uhr erregen die Untertanen zu Reusa dadurch einen Aufstand, der als Empörung angesehen wurde, daß sie gemeinschaftlich in des Gerichtsschöffen Christian Heinrich Buschs Haus und Stube eindringen und denselben nötigen, zur Gerichtsherrschaft zu gehen und derselben zu eröffnen, daß sie die Wache auf dem Rittersitz und dem Vorwerk nicht verrichten würden, wofern nicht einem jeglichen Wächter auf jede Nacht eine Kanne Bier und ein Stück Brot gegeben würde. Busch veranlaßte die Bauern vergeblich, ruhig wieder nach Hause zu gehen, damit ihre Zusammenkunft nicht als ein Aufstand und Empörung wider die Herrschaft angesehen und ihre sonst nicht unbillige Sache verschlimmert werden möchte; dem Drängen der Bauern nachgebend, mußte er schließlich bei der Schloßherrschaft vorstellig werden und erhielt die Zusicherung, daß die Bauern, wenn sie sich ruhig verhielten, an ordentlicher Gerichtsstelle Bescheid resp. Erkenntnis erhalten würden, mit welcher Zusicherung sich die Bauern auch vorläufig beruhigten.
Bereits am Tage darauf wird Gerichtstag gehalten. Der Actuarius jur. Christian Aug. Widemann vernimmt die des Aufstandes beschuldigten 17 an der Zahl. Das Protokoll über die Vernehmung des als Rädelsführer anzusehenden Adam Walther füllt nahezu 5 Folioseiten, ebenso eingehend werden die andern 16 Angeschuldigten vernommen, von denen einer, Christoph Lorentz, wie es in den Akten heißt, vor Gericht sich erbärmlich stellt und „mit aufgehobenen Händen laut schreyt: Ach das Gott erbarm, man wird wie ein Hund tractiret." Nur durch Bedrohung wie „andere Verordnungen" - heute wird Ungebühr vor Gericht mit sofortiger Haft bestraft - wurde er zur ruhigen Erstattung seiner Aussagen veranlaßt.
Nach Vernehmung der ersten 7 Personen mußte wegen einbrechender Nacht die Verhandlung abgebrochen werden, am 11. Oktober wird dieselbe fortgesetzt. Fast alle Angeschuldigten wollen nicht wissen, wer zu dieser Widersetzlichkeit Anlaß gegeben und zu der Versammlung, welche sie nicht als eine Empörung angesehen, aufgefordert habe. Ein Nachbar habe den andern dazu veranlaßt, keiner will wissen, wer alles bei der Empörung sich befanden, fast jeder will erst spät gekommen sein, hinter dem Haufen der angesammelten Menge gestanden und vor dem allgemeinen Geschrei nicht vernommen haben, was verhandelt und beschlossen worden sei.
Zur Feststellung des Sachverhaltes, ob früher während der Administration des Rittergutes Reusa durch Johs. Michael Schubarth und Johs. Christ Holzschuher sen. und jr. - dermaligen Besitzern der Tennera, welche das Rittergut von 1694 - 1718 in Administration gehabt - von der Rittergutsherrschaft bei notwendig gewordenen Nachtwachen den Wächtern Bier und Brot zur Ergötzlichkeit gereicht worden, wird bei den letztgenannten Nachfrage gehalten. Derselbe erklärt nach Durchsicht der spezifizierten Administrations-Rechnungen von 1693 bis 1718, daß darin keinerlei darauf bezügliche Ausgaben vorkommen und er um so weniger glaube, daß auf Rechnung der Gutsherrschaft den Wächtern Bier verabreicht worden sei, da jahrzehntelang, während die Herrschaft nicht in Reusa gewohnt, überhaupt kein Bier gebraut worden sei.
Der Untertaneneid, welcher die Einwohner von Reusa, Sorga etc. zur Leistung der Wachdienste verpflichtete, lautete wörtlich:
Ich, N. N., schwöre zu Gott dem allmächtigen, allwissenden und gerechten einen leibl. Eydt, daß ich
Ihro hochfreyherrlichen Exellenz Herrn Heinrich Ferdinand von Muffling-Weiß gen. nachgelassene Frau Witwe
als meiner von Gott vorgesetzten Obrigkeit und Gerichts-Herrschaft auch deren Erben und Nachkommen getreu, hold und gehorsam seyn, deroselben Ehren, Nutzen und Frommen fördern, Schaden und Nachtheil aber nach bestem Vermögen wehren und abwenden, auch da ich erführe, daß der hochfreyherrl. Gerichtsherrschaft und deren Angehörigen an Leib, Ehre und Guth von jemand Abbruch und Nachtheil zugezogen werden wollte solches veroffenbahren und durch mich und die meinigen treulich verhüten helffen will, insonderheit will ich alle und jede hergebrachte mir obliegende gemeßene und ungemeßene Frohnen und Dienste wie sie die Namen haben, nebst denen gefälligen Erbzinsen, unsäumlich und unweigerlich in untertänigem Gehorsam ohne einige Bahneff (?) und Wiederrede zu rechter und bequemer Zeit auf Erfordern verrichten und leisten, auch mich in keinerlei Weise darwieder setzen, viel weniger bei einem Rathschlag, so wider die hochfreyherrl. Gerichtsherrschaft gehet, mich finden laßen, an des Ritterguts Reusa Gerechtigkeiten, Zugehörungen und Einkommen, sowohl Gerichten, Gräntzen, Jagden, Trifften und dergl. nichts schwächen noch entziehen laßen, auch da ich erführe, daß solches von andern geschehe, solches nicht verstatten, noch verschweigen, ingleichen gegen die hochfreyherrl. Gerichtsherrschaft, deren bestallte Gerichtspersonen und andere Bedienten allen Gehorsam bezeigen, allen zu verkaufen habende victulien vor andern der Gerichtsherrschaft anbiethen und überlaßen und mich im übrigen dergestalt, wie frommen und getreuen Unterthanen zu thun eignet und gebührt verhalten, auch mich davon weder durch Gunst, Gabe, Freundschaft, Haß, Neid, Schaden, Nutzen noch eine andere Ursache abhalten laßen will
Treulich ohnne Gefährde
So wahr mir Gott helffe durch Jesum Christum seinen Sohn, unsern Herrn. Amen.

Johann Peter Oswalt mit seinen „Waltmännern" hat die Drohung in den eingeworfenen „Fehdebriefen" nicht wahr gemacht; längst war die Ernte eingebracht, „Scheuern und Böden wohl gefüllet", aber die Wachen können nichts Verdächtiges bemerken und so bittet der Richter Mennel unter dem 15. Novbr. im Namen der Untertanen, wegen der angehenden Kälte die Wache wieder aufzuheben.
Das Aktenstück schließt mit einem datumlosen Decisum der Kgl, Polnischen und Kurfürstl. Sächs. Schöppen zu Leipzig, welches die 4 Rädelsführer des Aufstandes mit je 3 Tagen Gefängnis oder jeden mit 30 g. Gr. in Strafe nimmt, die übrigen kommen noch glimpflicher davon. Die Kosten des Schöppenurteils betragen 3 Thaler 1 g. Gr., außerdem hat jeder der Angeklagten 20 g. Gr. 6 Pf. anteilige Gerichtskosten zu tragen; da die Zahlung der Kosten in der zweiten Hälfte des November 1747 erfolgt, dürfte das Urteil des Leipziger Schöppenstuhls nahezu ein volles Jahr haben auf sich warten lassen.

Schließlich noch wenige Worte über die Reusaer Schloßkapelle. Nachdem dieselbe lange Zeit auch noch in den Jahren 1859 - 61 und später als Magazin für Stroh und Heu benutzt worden war, ließ Frau Dr. Schneider 1870 die Kapelle als Begräbnisstätte herrichten und bereits im Sommer desselben Jahres war sie die erste Person, die darin die letzte Ruhestätte fand, wohl 10 Jahre später wurden auch die irdischen Ueberreste ihres Gemahls wie ihres Sohnes Max vom Plauischen Friedhof in nächtlicher Stunde nach Reusa überführt und in der Kapelle beigesetzt.
Das bereits erwähnte Epitaphium muß vor nicht allzulanger Zeit renoviert und frisch vergoldet worden sein; zumal das Müfflingsche Wappen zeigt die lebhaftesten Farben, auch die Schrift ist gut leserlich, sie hat folgenden Wortlaut:

„In dieser Gruft ruhen auf Hoffnung und warten in der künftigen frohen Auferstehung des Fleisches ihrer Erlösung die Gebeine des weiland hochgeborenen Herren Herrn Friedrich Ferdinands Frey-Herrn von Müffling Weiß genannt, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Reißa, Sr. Churfürstl. Durchl. zu Sachsen hochbetrauten Kammerherrens und Adlicher Creys-Steuer-Einnehmer des Voigtländischen Creyses. Gott schenkte ihn seinem Vaterlande
in Reußa
den 29. Augusti 1733

demselben war er ein eifriger Verehrer der christl. Religion ein treuer Diener seines Herrn, unermüdet in denen aufgetragenen Geschäften, tugendhaft in seiner glücklichen Ehe, ein Hertz und Seele mit seiner Gemahlin, aufrichtig in der Freundschaft gegen Anverwandte und Freunde jeglichen Standes, und ein wahrer Vater seiner Unterthanen.
Nach einer langwierigen Krankheit ging der unsterbliche Geist ein in die seeligen Freuden
am 3. Juny 1780
im 47. Jahre
des rühmlich geführten Lebens.

Dieses Denkmal ist ein thränenvolles Opfer der Treue und Liebe, welches die tiefgebeugte Witwe
Frau Christiana Wilhelmine geb. v. Watzdorf
zum immerwährenden Andenken, ihren erblaßten Eheherrn bringt biß endlich der frohe Tag anbricht, wo die Liebe durch den Tod nicht unterbrochen wird, sondern ewig dauert. Dieses setzet Dir mein Hertz, Verbundener meines Hertzens, hier nimm den Dank der reinsten Liebe hin. Es ist und bleibt zwar ein Denkmahl meines Schmertzens bis einstens ich in Gott mit Dir vereinigt bin."
Altar und Kanzel sind aus der Kapelle längst verschwunden, da der Grüfte halber darin kein Gottesdienst gehalten werden durfte, jedoch ist ein Christusbild noch vorhanden, welches nicht ohne Kunstwert sein dürfte, leider ist es nicht unbeschädigt geblieben. Der Name des Malers findet sich auf der Rückseite des Rahmens: G. Roth 1864.
Wann das nach einem Beschluß der städtischen Behörden demnächst zum Abbruch kommende Reusaer Schloß erbaut worden ist, darüber war man lange Zeit im Unklaren. Architekten verlegten die Erbauung in die Mitte des 18. Jahrhunderts oder wenig früher. 1759 heißt es bereits bei einem Erbvergleich (in den Akten des Lehnhofes zu Dresden):
„Das Rittergut Reusa ist ein schwer hältiges (kostspielig zu unterhaltendes) Gut, insonderheit was die vielen starken Gebäude betrifft."



In den allerletzten Tagen erbringt in einem Aufsatz in Nr. 293 des Vogtl. Anzeigers vom 18. Dezember I910 „Wann wurde das Reusaer Schloß erbaut?" der Verfasser desselben (J.V.) den Nachweis, daß das Schloß schon im vorangehenden Jahrhundert urkundlich erwähnt wird und mit Bestimmtheit anzunehmen ist, daß der Erbauer Johann Christian von Winkelmann war, welcher 1627 das Gut von der Stadt Plaueu kaufte und gleichzeitig die Rittergüter Chrieschwitz und Unterlosa besaß. Hofrat Vulpius erwähnt in seinen Briefen an Prinz Christian August im Jahre 1695 öfter „daß Schloß zu Reusa."