Wettbewerb zum neuen Stadtpark

An dem vom Stadtrat durch Bekanntmachung vom 4. Dezember 1902 veranstalteten Wettbewerbe zur Erlangung von Plänen für Ausgestaltung des Kaiser Wilhelm-Hains und der angrenzenden Tenneragrundstücke zu einem einheitlichen Stadtpark beteiligten sich 175 Gartenkünstler. Die Pläne wurden vom 2. bis 9. April 1903 öffentlich ausgestellt. Der mit dem 1. Preise ausgezeichnete Entwurf des Gartenarchitekten Reinhold Hoemann in Düsseldorf diente als Grundlage zu einem, von der Stadtbauverwaltung bearbeiteten neuen Plane, der - ausschließlich der Kosten für Straßenherstellung und für ein Restaurant mit Terrasse und Konzertsaal - mit 124000 Mk. Gesamtkosten abschließt. Nachdem der Stadtgemeinderat im Oktober 1904 der Anlage eines Stadtparks nach diesem Plane grundsätzlich zugestimmt und die Herstellung zunächst des zwischen den Straßen H, E und dem Kauschwitzer Wege gelegenen, rund 70000 qm umfassenden Teils unter Bewilligung der Mittel mit 60000 Mk. zu Lasten des Betriebs, auf 6 Jahre in die Haushaltspläne verteilt (erstmalig 1905), genehmigt hatte, wurde mit den Erdarbeiten im Spätherbst 1904 begonnen.

Verwaltungsbericht der Stadt Plauen i. V. 1903/1904



Vom neuen Stadtpark zu Plauen

Wenn auch bei der heutigen Eröffnung des ersten Teiles unseres neuen Stadtparks auf den ersten Blick ersichtlich ist, daß bis zur wirklichen Fertigstellung noch vieles zu schaffen ist, so glaubte man doch dem großen Publikum die Freigabe des Parkes nicht länger vorenthalten zu können.
Den Arbeiten lag ein von der städtischen Gartenverwaltung angefertigter Plan zugrunde, der sich zwar in seinen Hauptzügen an den bei dem vom Stadtrat im Jahre 1903 veranstalteten Wettbewerb mit dem ersten Preis hervorgegangenen Entwurf des Gartenarchitekten Hoemann in Düsseldorf anlehnt, aber den lokalen Verhältnissen entsprechend und den mehrfach hervorgetretenen Wünschen auf möglichste Schonung des bereits Bestehenden wesentliche Veränderungen erfahren mußte.
Zeitraubend und kostspielig waren die unterhalb des Bismarkhaines und bei der Teichanlage notwendigen Erdbewegungen. Etwa 16000 cbm Massen mußten hierbei abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgetragen werden.
Bequeme und gute Führer sollen in einer Parkanlage die Fußwege sein, und sie sind es in diesem Falle.
Abgesehen von einigen kleinen Nebenwegen sind sie selbst von bequemeren Spaziergängern leicht und ohne Anstrengung zu begehen. Die Steigungsverhältnisse sind unter tunlichster Anpassung an das Gelände mit großer Gewissenhaftigkeit durchgearbeitet. Ganz besondere Sorgfalt wurde aber auf die solide Ausbauung der Wege verwendet, so daß sie bei jedem Wetter begangen werden können.
Von der Anlegung der ursprünglich geplanten Reit- und Radfahrwege mußte wegen der starken Höhenunterschiede und der damit unvermeidlichen Belästigung der Spaziergänger abgesehen werden.
Eine Beschleusung der Wege war im Projekt nicht vorgesehen, weil man annahm, durch oberirdische Ableitung der Tagewasser nach den seitlichen Rasenplätzen und Gehölzpartien sich helfen zu können. Diese Annahme erwies sich aber, nachdem man mit den Arbeiten bereits weit fortgeschritten war, als irrig insofern, als man merkwürdigerweise selbst an hochgelegenen Stellen, wie unterhalb des Bismarckhains, auf starkes Grundwasser stieß. In weit größerem Maße trat dieser Uebelstand in dem tiefer gelegenen Gelände hervor. Mittels zahlreicher Trainagen mußten alle diese Wasserzuflüsse abgefangen und teils in eine auf dem 4m breiten Hauptrundweg eingelegte 20cm starke Rohrschleuse aufgenommen, teils direkt nach dem Teich geführt werden. Im ganzen wurden 1080 laufende m Rohrschleuse mit 62 Stück Tagewassereinfällen und 1900m Rohr- und Steintrainagen eingelegt. Ein schon seit Jahren bestehender und oft besprochender Mißstand konnte damit leider noch nicht beseitigt werden. Dies betrifft die vom oberen Bahnhofe kommenden und oftmals übelriechenden Schmutzwässer.
Bis zu der demnächstigen Erbauung der Hauptschleuse der Straße E (Hindenburgring / Stadtparkring) mußten diese mit in den die große Rasenmulde durchschneidenden BAchlauf aufgenommen werden.
Besonder Schwierigkeiten verursachte die Bereinigung der beiden Teiche infolge der ganz bedeutenden Höhenunterschiede. Zum Beispiel lag der Wasserspiegel des früheren großen Teiches auf Höhe 374,7 und der des unteren auf 372,2. Der jetzige Wasserspeigel kommt bei vollständiger Füllung des Teiches auf 374,2. Es ergibt sich hieraus, daß der Spiegel des neuen Teiches 0,5 m tiefer wie der frühere große, und 2,0 m höher als der untere Teich zu liegen kommt. Die vielfach aufgeworfene Frage, ob der neue Teich größer geworden sein als die beiden früheren zusammen, ist zu bejahen. Die Wasserfläche der beiden früheren Teiche betrug rund 10500 qm, während die neue Wasserfläche reichlich 12000 qm umfaßt.
Auf die malerische Anordnung und Gruppierung der Anpflanzungen, sowie Wahrung großer und freier Durchsichten ist ganz besonderer Wert gelegt worden. Bei der Anpflanzung größerer Gehözgruppen und einzelner starker Bäume boten die im Kaiser Wilhelm-Hain viel zu dicht stehenden starken Laubgehölze ein außerordentlich brauchbares Material. Es konnten damit bei den Neupflanzungen bereits massig wirkende Partien geschaffen werden. Außer den aus dem Kaiser Wilhelm-Hain ennommenen 686 Stück Gehölzen gelangten bis jetzt 6450 Stück Bäume und Ziersträucher, sowie 550 Stück NAdelhölzer zur Anpflanzung. Dank dem schönen feuchten Frühjahr sind Verluste so viel wie gar nicht zu verzeichnen. Die Vervollständigung der Pflanzungen an der Nord- und Westseite des Teiches, sowie unterhalb der Kuntzestraße und die weitere Ausschmückung durch niedrige Staudenvorpflanzung ist für den kommenden Herbst oder nächstes Frühjahr vorgesehen.
Die weniger bekannten Gehölzarten sollen, soweit sie von den Wegen aus gesehen werden können, mit gut leserlichen Namenschildern versehen werden. An dem erhöhten nordöstlichen Teichufer wird ein schmuckes Borkenhäuschen, das bei schnell eintretendem schlechten Wetter dem Publikum Schutz bieten soll, aufgestellt.
Leider mangelt der ganzen Anlage durch die noch in ziemlich weiter Ferne liegende Herstellung der angrenzenden Straßen C, E und H ein würdiger Rahmen. Es mag daher auch begreiflich erscheinen, wenn Uneingeweihte einige Zugänge, wie den vom Bismarckhain, vom Tennera-Restaurant und hauptsächlich von der Kuntzestraße als etwas unpraktisch ansehen werden. Es mußte aber bei der jetztigen Anlage bereits mit den zukünftigen Höhenlagen und den Zügen obenganannter Straßen gerechnet werden, um bei deren Herstellung nicht wieder große Veränderungen an der Anlage vornehmen zu müssen. Die Verbindung der Kuntzestraße mit dem Hauptrundweg der Anlage als Hauptzugang war ursprünglich mittels einer massiven, architektonischen Freitreppe, so ungefähr wie die an der Bergstraße errichtete, gedacht. Dieser Gedanke mußte aber der hohen Kosten wegen fallen gelassen werden. Hier bietet sich opferfreudigen Bürgern eine gute Gelegenheit, durch Stiftung von Geldern zur Verwirklichung dieses Gedankens sich ein bleibendes Denkmal zu setzen.
Die gärtnerisch bearbeitete Gesamtfläche umfaßt rund 80000 qm. Davon entfallen auf Wasserfläche 12300 qm, auf Anpflanzungen 15000 qm, auf Fußwege und Sitzplätze 6400 qm und auf Rasen 46300 qm.
Obwohl man aus praktischen Gründen mit den Arbeiten reichlich 5000 qm weitergegangen ist, als im eigentlichen Arbeitsplan vorgesehen war, und trotz der verschiedenen unvorhergesehenen Ausgaben für die Beschleusung, verlegung der Asyl-Wasserleitung usw. dürfte die der Gartenverwaltung zur Verfügung gestellte Summe von 60000 Mk. zwar aufgebraucht, aber nicht überschritten werden.
Um ein einheitliches Ganzes zu schaffen, wird es Aufgabe der nächsten Jahre sein, das Fußwegenetz im jetzigen Kaiser wilhelm-Hain, rechts vom Kauschwitzer Weg, etwas zweckentsprechender auszubauen. Ebenso lassen sich dort durch vorsichtig vorzunehmende Auslichtungen Fernfichten und landschaftliche Bilder schafen, wie sie schöner und abwechslungsreicher eine zweite Parkanlage nicht aufzuweisen haben dürfte.

Vogtländischer Anzeiger und Tageblatt vom 26. August 1906