Zur Geschichte der Tuchmacherinnung

Plauener Tuchmacherartikel vom Jahre 1527
Urwortlaut
Von Gots Gnaden Wir Johans Hertzog zu Sachsen, des heiligen Romischen Reichs Ertzmarschalk und Curfurst, Landgrave in Dorigen und Marggraff zu Meißen Bekennen vor uns und unser Erben gegen meniglich, das wir unsern lieben getrewen handwergsmeistern und gantzer samblung des tuchmacher Handwergs in unser stadt Plawen, auff ir underthenig bit vor sich vnd ire nachkommen, des handwergs zu irer selbst besserung, auch derselben vnser stat zu gute und frommen, und umb gemeines nutz willen, ein ordenung, zunft (Zunftordnung, was sich ziehmt) und wilkür gegeben und bestettigt; Geben und bestettigen inen die gegenwerttiglich in crafft dises brieffs, inmaßen wie hernach geschrieben volget.

Von Hausknappen
Artikel der Tuchmacher zu Plauen 1527
So ein lediger gesel ader sonst ein gesessener, auch alhie bei uns das (Handwerk mit) hausknappenschaft lernen wold, der soll ein ider nach altem gebrauch mit dreier gulden zu vormeltter knappenschafft allein zugelassen sein und lernen, so lang er das selbig seins gefallens begreifen mag. Würd sich aber ein solcher hausknap zu unsern meisters töchtern ader meisterin befreyen, der sol als einer, der zuvor kein handtwerg gelernet ader gebraucht hett, mit der gebürd funff gulden ins handwerg zu meister auffgenommen und zugelassen sein.

Dem Aufgenommenen werden die Artikel vorgelesen
Artikel der Tuchmacherinnung zu Plauen 1577
So einer zu einem Meister berührten Handwerks an- und aufgenommen, doch daß der zuvorn Bürger (geworden) oder das Bürgerrecht erlangt habe, sollen ihm diese hernachfolgende Artikel und Puncta von Wort zu Wort nach altem Gebrauch vorgehalten und erzählet werden ...

Neue Meister werden auf die Artikel eidesstattlich verpflichtet
Dise oben erzelte Artikel sol ein ider zuvor, ehr im das handtwerg zugesagt wird, den vorordenten virmeistern an aides statt mit mund und hand unverbrüchlich zu halten zusagen; auch in den und anderen stücken dem handtwerg so fern recht vnd pillich gevolgig vnd gehorsam zu sein bei straff eins erbarn rats und der verordenten virmeister des handtwergs; alsdan soll es einem jeden und die gebür zu gebrauchen vorgunst werden, nach gelegenheit eins itzlichen, wie hernach volgen wirt.

Von der Gesellen Zusammenkunft und Lade
Artikel der Zeugwirker zu Plauen 1659
Denen gesellen in dieser Innung soll

Von den verordneten Viermeistern über das Handwerk
Artikel der Tuchmacher zu Plauen 1577
Damit das Handwerk in steter Weis und Ordnung möchte erhalten werden, sollen acht (1527 waren es zwölf) Meister über das Handwerk in Beisein der Ältesten des Handwerks mit gutem Bedacht auf Eid und Pflicht gekoren und erwählet werden.

Eid der Schau- und Siegelherren
Zeugwirker zu Plauen 1659
Ich N.N. schwöre einen leiblichen Eid zu Gott, daß ich alle und jede Stück Zeuge, sie haben Namen, wie sie wollen, die mir zur Schau und zur Siegelung vorgetragen werden, nicht vor mich alleine, sondern mit Zuziehung meines Mitobermeisters, oder in dessen Abwesenheit eines anderen Handwerksmeisters mit allem treuen Fleiß beschauen und kein Stück, es sein denn tüchtig und an seiner gesetzten Zahl der Ellen richtig und Kaufmannsgut, siegeln noch einem anderen zu siegeln verstatten und weder Freundschaft noch Feindschaft, weder Gift noch Gabe hierunter ansehen will. So wahr mir Gott helfe und sein heiliges Wort durch Jesum Christum, unsern Herrn in Einigkeit des heiligen Geistes. Amen.

Von Schau und Siegeln der Tuche
Artikel der Tuchmacher zu Plauen 1577
Alle Tuche, so zu Plauen gemacht, sollen bey Verlust derselben auf die Schau getragen werden. So jemand das fürsätzlich übergehet, soll (er) solches Tuches dem Rat die Hälft, das andere dem Handwerk zur Straf geben.
So ein Tuch, gemein oder gut, nach Erkenntnis der verordneten Viermeister bußwürdig erkannt, soll (es) wie vor alters mit einem schlechten (einfacher) oder zweifachen Wandel (etwa fünf Groschen, ein Wandel war das damalige übliche Strafmaß für geringe Vergehen), darnach es erkannt, gestraft und gebüßet werden ...

Andere Handwerker dürfen nicht Tuchmacher werden
Artikel der Tuchmacher zu Plauen 1577
Es soll hinfürder keinem, der zuvorn ein Handwerk gelernet, das Tuchmacherhandwerk zu treiben verstattet werden, es sei Schuster, Schneider, Kürschner, Schmied, Büttner, Wagner, Steinmetz, Maurer, Zimmermann oder welche Handwerke es sein mögen ... keines ausgeschlossen, sondern ein jeder (soll) bei seinem gelernten Handwerk verbleiben und niemanden in dem Tuchmacherhandwerk Störerei zu treiben verstattet und nachgelassen wrden.

Von Anzahl der Tücher, die ein Meister jährlich zu fertigen Macht haben soll
Artikel der Tuchmacher zu Plauen 1577
Es soll ein jeder Meister nicht mehr denn sechsundvierzig und zwei halbe gefärbte Tuche oder vierundfünfzig gemeine Dreisiger Tuche ein Jahr lang zu machen befugt sein. So aber ein Meister gute und gemeine Tuche untereinander machen wollte, dem sollen je vier gute vor fünf Dreisigertuche an der Zahl abgehen.
Auch so ein Meister zu seiner Hauskleidung ein Drum (Stück) oder zwei notdürftig (bedürftig) wäre, das soll ihm nach Erkenntnis der Viermeister nachgelassen sein. Welcher aber an dem brüchig (wortbrüchig, strafbar) würde und mit manchem Tuche überfahren, soll er (dessen) ganz und gar verlustig sein, dem Rate die Hälfte, das ander dem Handwerk zustellen und sich noch darüber ein Jahr lang des Handwerks enthalten.
Desgleichen auch, so jemand hierinnen betrüglicherweise dem Handwerk zu Nachteil handelt, als sonderlich einen andern Meister in seinem Namen Tuche machen ließe oder sonsten fährlicherweis, doch ihm zu Nutz mit Garn oder anderem verlegen würde, dieser soll ein jeder umb ihre betrieglichkeit willen ein Jahr lang des Handwerks verlustig sein und zehn Gulden dem Rate, vier dem Handwerk und zween dem Gotteskasten ohn allen Behelf zur Strafe verfallen sein. Auch sollen solche Tuche auf einem Gestell gewirkt werden bei Peen und Straf dreier Gulden ins Handwerk.

In den Amtsdörfern sollen Zeugwirker nicht geduldet werden
Innungsartikel der Zeugwirker in Stadt und Amt Plauen 1659
Weiln dies Hantierungein solches Gewerbe, welches nach rechtlicher Verordnung allein in Städten bleiben und getrieben werden soll, als soll ein jeder, der in diese Zunft muthen will, vorher in derjenigen Stadt, in welcher er will Meister werden, das Bürgerrecht erlangen ... und kein Zeugwirker auf den ins Amt Plauen gehörigen Dorfschaften geduldet werden ...

Vom Wollekauf
Artikel der Tuchmacher zu Plauen 1577
Im Ambte Plauen soll hierfürder keinem, der nicht des Handwerks ist, nachgelassen werden, Wolle für- und aufzukaufen, als Bürden pfundweis oder was kleine Käufe unter zehen Stein seind; doch soll kein Tuchmacher mehr nicht, denn er in seiner Werkstatt selbst verarbeitet, kaufen; was aber den zehnten Stein und darüber erreicht, soll jedermann, er sei des Handwerks oder nicht, freistehen. Allein, daß er gleichwohl solche vorgekaufte Wolle außerhalb gemeiner Stadt und Landes nicht wiederumb verkaufe und verführen lasse.

Vom Gewandschnitt und Handel mit fremden Tuchen
Artikel der Tuchmacher zu Plauen 1577
Alle ausländischen fremdden Tuche sollen im Ambte Plauen in der Stadt, aufm Haus oder außerhalb in Häusern, keinem nach der Ellen zu verschneiden gestattet werden, es sei denn nach Erkenntnis vierzehn Groschen würdig; aber anderswo damit zu handeln ist niemand verweigert. Jedoch daß solche Tuche, vierzehn Groschen würdig , im Ambte in den Häusern oder anderswo betrüglicherweise gemeinem Volke zu Nachteil nicht untermenget werden, sondern ein jeder soll solche Tuche sonst verwahrt in Ballen stehen lassen und nicht in die Gemache unter die anderen setzten und mengen, damit Nachteil und Betrüglichkeit verhütet (werde). Derhalben sollen die verordneten Meister neben einem des Rats Fug und Macht haben, soviel und oft es ihnen beliebet, einen jeden in Häusern oder anderswo zu besuchen, und so einer überfahren, der hierinnen brüchig befunden und hierüber sonst glaublicher Bericht empfangen wird, - so oft und dick solches beschieht, der soll desselben Tuchs, damit er betreten, ohne alle Widerrede ganz und gar verlustig sein; und da von solchem Tuche etwas verschnitten, soll ers nach Erkenntnis des Handwerks mit Geld verlegen (und) solche Strafe dem Rate die Hälfte, das andere dem Handwerk zustellen.
Soviel den Gewandschnitt anlangt, soll hinfürder keiner (mit dem Recht), nach der Ellen Tuch zu verschneiden, an- und aufgenommen werden, der des Handwerks nicht ist; es sei denn, daß er zuvorn Bürger sei, dem Handwerk zehen Gulden zu Erhaltung des Handwerks, der Wasch- und Walkmühlen, und einen Gulden einem ehrbaren Rate, auch einen Gulden in den Gotteskasten erlegen tue. Alsdann soll ihm vom Handwerk ein Los gegeben werden; doch soll es weiter nicht denn auf Mann und Weib gemeint sein, also das nach Absterben des Ehemannes es allein das Weib bei ihrem Leben (auf Lebenszeit) gebrauchen soll und die Kinder solchen Gewandschnitt nicht haben ...

Die Zunft handelt mit Waid und versorgt damit die Meister
Artikel der Tuchmacher zu Plauen 1527
Man sol einem iden Meister, so das begert, ein weith aus dem Handtwerg vorstrecken; so aber nicht und einen andern meistern vnsers handtwergs zu einem burgen vorstellet, alsdan sol man im ein weith folgen lassen; solchen weith sol man einem iden meister ein jar lang harren und anstehen lassen (die Bezahlung stunden); so aber einer einen andern weit begeren und haben wolt, der sol den vorigen zuvor zalen, ane das soll im kein ander weith gegeben werden, es were dan, das einem so gros daran gelegen und von nothen, und solch gelt so haldt nit vormocht idoch sunst genugsam darumb gesessen, sol es nach erkentnus der verordenten meister, ob er dieweil ein andern meister, bis der vorige weit bezalt, zu burgen sezte, ob man ime wil glauben ader nicht stett.
Dieweil dann die verordenten meister die samblung des handwergs alwegen mit weith zu versorgen geschickt sollen sein, derhalben sol niemants, er sei ein meister unsers handtwergs ader nicht, mit weith zu handeln gestattet werden bei pene und straff zehen gulden, dem rath die helfft, das ander halbe teil dem handtwerg zustendig, auf das gemeiner nutz der samblung nicht verhindert.