Zur Geschichte der Plauischen Apotheken

nach Akten aus dem Ratsarchiv, sowie nach Original-Urkunden - bearbeitet von A. Neupert sen. und veröffentlicht 1911 in der 21. Jahresschrift der Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i.V. - gekürzte Fassung

1580 Daniel Lüttig aus Joachimsthal in Böhmen begründet in Plauen eine Apotheke
27. Juli 1663 Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz, der damalige Landesherr (1656 - 1681) erteilt den Besitzern der Apotheke Constantin Kindtler und dessen Eidam (Schwiegersohn) Esaias Zschucke das Privilegium zur Führung der einzigen Apotheke in Plauen
1669 in des Apothekers Haus vor dem Straßberger Tor bricht ein Feuer aus
20. Januar 1690 Kaufvertrag der Apothekerswitwe Anna Marie Schuckin (Zschuckin) geb. Kindler und ihrer jüngsten Tochter gleichen Vornamens betreffs der von ihrem Vater ererbten halben Apotheke (für 250 Gulden meißnische Währung), welche ihr "Herr" Sohn Johann Gottfried Schucke (Zschucke) med. Lic. et Pract. 2 Jahre pachtweise innegehabt hatte
26. Januar 1690 Johann Gottfried Schucke protestiert gegen diesen Verkauf und ersucht den Rat den Kauf nicht zu konfimieren, seine Mutter wäre nunmehr eine "alte, tottende" Frau und zu diesem Scheinkauf durch die Käuferin perfuadiert (getäuscht) und verleitet worden
3. Februar 1690 Bericht des Rates an den Landeshern, den Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz (1681-1718) über die derzeitigen Zustände in der von der Witwe Schucke mit ihrem ältesten Sohn "in communione" geführten Apotheke; die Revisionen vom Jahre 1680 und 1685 bei Lebzeiten des Esaias Zschucke hätten keinen Anlaß zu Beanstandungen gegeben; nach dessen Tode sei, was in der Apotheke gewesen, nach und nach konsumiert und nichts wieder angeschafft worden, weder "simplicia" noch "composita" seien zur Notdurft vorhanden, das Fehlende werde pfennigweise bei Chramern und MAterialisten geholt; war zu einem Rezept ein "ingediens" nicht vorhanden, wurde dasselbe entweder weggelassen oder durch ein anderes "substituiret", anstatt Scheidewasser sei Vitriolöl gegeben worden etc, so daß die Herren Medici Bedenken trügen ferner dahin zu verschreiben, sich vielmehr an auswärtige Orte wenden müßten;
bereits unter dem 6. Januar verfügt der Herzog, daß sofort seitens des Rates gemeinschaftlich mit dem Stadt-Physikus "unversehens" eine Revision der Apotheke vorgenommen werden solle, welche diesem Befehl zufolge schon am 11. Januar stattfand;
das dem Physikus Dr. Melchior Wiedemann vorgelegte Verzeichnis der in der Apotheke angeblich vorhandenen Specifica umfaßte 16 Seiten; es konnten nur Stichproben vorgenommen werden, die ein überaus trauriges Resultat ergaben; in 35 Fällen waren die Medikamente überhaupt nicht vorhanden, in den übrigen Fällen nur ganz geringe Mengen, vieles wurde als "untüchtig, unrein und untauglich" befunden, in der Apotheke herrschte eine große Unordnung, herbae und radices konnten die Revisoren überhaupt nicht zu sehen bekommen, "da die Materialienkammer nicht aufgeräumt sei, mochte man die Revisoren nicht gerne hineinführen"; während der Revision wurde Salbeiwasser verlangt, was der Physikus aber zurücknahm, da übelriechend und verdorben;
infolge dieses Ergebnisses wird die Witwe Zschucke, ebenso wie ihr Sohn ernstlich ermahnt, dem schlechten Zustande der Apotheke schleunigst abzuhelfen, entweder möge die Witwe dem Sohn ihren Anteil an der Apotheke abtreten, andernfalls dürfe der Herzog das Privilegium zurückziehen und einem anderen verleihen; Mutter und Sohn, die in bitterster Feindschaft geraten sind, lehnen beide Vorschläge ab, der Sohn sucht dem Rate nachzuweisen, daß er für die Folge die Apotheke in bester Weise führen könne und werde, die Mutter hingegen richtet wiederholt, zuletzt am 26. März, in beweglichen Worten Eingaben an den Landesherrn und bittet demütigst und fußfällig, dem Rate Befehl zu erteilen, daß sie ihre halbe Apotheke verkaufen könne an wen sie wolle
21. Dezember 1694 Herzog Moritz Wilhelm bestätigt dem Apotheker Conrad Wilhelm Struve in Plauen das Privilegium, welches sein Vater Herzog Moritz dessen Vorfahren erteilt hat. Nach dem Tode des Conrad Wilhelm Struve kommt die Apotheke in den Besitz seines Sohnes aus erster Ehe Balthasar Wilhelm Struve
29. August 1722 Kurfürst Friedrich August , der Starke (1694 - 1733) privilegiert die dem Balthasar Wilhelm Struve zuständige Apotheke
24. Januar 1727 Balthasar Wilhelm Struve läßt sich von seiner Schwiegermutter Johanna verw. Struve bestimmen, ihr die Apotheke unter gewissen Voraussetzungen und Bedingungen zum Preise von 2000 Gulden meißnischer Währung käuflich abzutreten
4. Mai 1732 zirka 60 Häuser in der Nähe der Apotheke an der südlichen Seite des Marktes und diese selbst brennen nieder (das "Apotheker-Viertel" umfaßte zusätzlich die linke Seite der Straßberger Straße, den alten Teich und den Topfmarkt) - die Brandstelle wird nun durch die Witwe Struve einschließlich der Privilegien an ihren leiblichen Sohn Christian Erdmann Struve zum 16. Juli 1732 für 1500 Gulden verkauft
gegen diesen Kauf protestiert Balthasar Wilhelm Struve, Stiefsohn der Witwe, wird aber durch Königlichen Beschluß am 22. November 1732 abgewiesen und der Kauf bleibt in Kraft
8. Dezember 1738 Kurfürst Friedrich August II. (1733-1763) erneuert das Privilegium (renovatio privilegii) für Christian Erdmann Struve
6. Dezember 1775 Renovations-Urkunde des Privilegii für D. Johann Wilhelm Struve durch Kurfürst Friedrich August, dem Gerechten (1763-1827)
1. September 1787 Johann Gottlob Troemer, examinierter und approbierter Apotheker bringt die Apotheke des Doktor der Arzneikunde Johann Wilhelm Struve käuflich an sich und verlegt dieselbe vom Altmarkt nach der Herrengasse (später Herrenstraße)
15. Juli 1831 Johann Gottlob Troemer (+1834) verkauft seine Apotheke an Gottlob Friedrich Wilhelm Goebel aus Triptis um den Preis von 25000 Taler, wobei der Wert des Privilegiums mit 18000 Taler angerechnet ist; die Übergabe erfolgte am 16. Dezember 1831
26. November 1831 die Königlich Sächsische Landesdirektion weist das von Trömer angebrachte und von Goebel wiederholte Gesuch um Erneuerung des Privilegiums ab, erteilt aber unter dem 22. Juni 1832 dem Apotheker Göbel eine Real-Konzession unter der Bedingung der Fortentrichtung des jährlichen Canons von 10 Gulden meißnischer Währung
1. November 1834 die Königlich Sächsische Landesdirektion erklärt das Privilegium für erloschen und den Wegfall alles dessen, was die Grenzen einer Realkonzession überschreitet, besonders das Verbietungsrecht einer zweiten Apotheke; der Erbzins von jährlich 10 Gulden muß aber nach wie vor weiter entrichtet werden
1836 die Kreisdirektion Zwickau erteilt dem Apotheker Goebel Konzession zum Handel mit Drogerie- und Farbwaren
1844 bei dem in der Nacht vom 9. zum 10. September ausgebrochenen Stadtbrande wird auch die Herrenstraße und die daran gelegene Apotheke ein Raub der Flammen; nach Feststellung des Bebauungsplanes kauft Göbel noch eine benachbarte Baustelle an und führt einen äußerst massiven und soliden Neubau aus; bis zu dessen Fertigstellung bafand sich die Apotheke im Hause des Dr. Schneider in der Neundorferstraße (Marktstraße 5); am Eingangstor der alten Apotheke in der Herrenstraße war bis zum Brande ein kleiner steinerner Igel eingemauert, der den Hinweis auf ein altes, in diesem Haus gewesenes Gasthaus namens" Zum Igel" gab; der Igel wurde beim Neubau im Hofe wieder mit eingemauert; von Göbel stammte übrigens eine blaue Vordruckfarbe, die sowohl in der hiesigen Weißwaren-Industrie, als auch in ganz Deutschland, Skandinavien und anderen Ländern Verwendung fand
1858 Göbel stirbt und Apotheke wird bis 1862 auf Rechnung der Erben administriert
1859 Theodor Pallmann bewirbt sich ohne Erfolg um die Konzession zur Errichtung einer zweiten Apotheke
1860 zwischen 1860 und 1866 bewirbt sich eine Vielzahl um die Konzession zur Eröffnung einer Apotheke, darunter der ehemalige Administrator der Goebelschen Erben, ein Schwiegersohn des Bürgermeisters Gottschald; eine Petition von 800 Bürgern, sowie sämtliche Gemeindevorstände im weiteren Umkreis von Plauen unterstützen sein Gesuch, die Konzession erhält er aber nicht, sondern Theodor Pallmann als ältester Bewerber nach dem Tode Göbels
1863 die Apotheke geht in den Besitz des Apothekers Jessen, eines Schwiegersohnes der Witwe Göbel, über
18. Februar 1867 Pallmann eröffnet unter dem Namen "Schloß-Apotheke", Ecke Hammerstraße, des Neustadtplatzes und des Amtsberges, die zweite Apotheke in Plauen
1871 Jessen übergibt die "alte Apotheke" zunächst pachtweise, später käuflich an Apotheker Graff
1872 Pallmann erhält für seine Schloß-Apotheke eine Real-Konzession
1879 Eröffnung der dritten Apotheke unter dem Namen "St. Johannis-Apotheke" an der äußeren Bahnhofstraße durch Hugo Seyfarth
1884 nachdem Apotheker Graff gestorben ist, geht die "alte Apotheke" durch Kauf an die Apotheker Bauer und Eberhardt zum Preise von 260000 Mark über
1887 Bauer tritt aus und Eberhardt führt das Geschäft auf alleinige Rechnung weiter
1890 Eberhardt verkauft die Apotheke mit abermals gestiegenem Werte an die Apotheker Langbein und Lange
3. Januar 1890 Eröffnung der "Schwan-Apotheke" (Ecke Dörfel- und Gartenstraße 6) als vierte Apotheke durch Apotheker Leonhard
1893 Langbein stirbt und Lange führt das Geschäft auf alleinige Rechnung weiter; der Wert des Privilegiums wird durch Verhandlungen mit dem Stadtrat und schließlich durch Entscheidung der Kreishauptmannschaft Zwickau auf 110000 Mark festgesetzt, wovon die städtische Besitzveränderungsabgabe zu bezahlen ist
1895 die "St. Johannis-Apotheke" geht durch Kauf in den Besitz von Apotheker Sachoritz über
26. Januar 1900 Eröffnung der "Concordia-Apotheke" (Bahnhofstraße Ecke Carolastraße) als fünfte Apotheke durch Apotheker Dr. Ernst Opitz
1901 Apotheker Leonhard beabsichtigt die Verlegung seiner "Schwan-Apotheke" nach Neundorfer Straße 32; der Besitzer der "Alten Apotheke" Lange legt gegen dieses Vorhaben Protest ein, da er durch die größere Nähe der "Schwan-Apotheke" schwer geschädigt würde; nachdem die Streitfrage durch drei Instanzen (Medizinalpolizeibehörde Plauen, Kreishauptmannschaft Zwickau und das Köigliche Ministerium des Inneren) ging, wird dem Besitzer der "alten Apotheke" Recht gegeben und Leonhard beschieden, ein von der "alten Apotheke" weiter entferntes Grundstück zu suchen
1. Oktober 1902 die "alte Apotheke" geht durch Kauf in den Besitz des Apotheker Dr. Bauer über
4. Juni 1904 Verlegung der "Schwan-Apotheke" nach Neundorferstraße 68 (wo sie auch gut hundert Jahre später noch ist)
20. Oktober 1904 Eröffnung der sechsten Apotheke unter dem Namen "Adler-Apotheke" in Haselbrunn, Rückertstraße 2a, durch Apotheker Georg Fischer
3. Oktober 1905 Eröffnung der siebenten Apotheke unter dem Namen "Süd-Apotheke" in der Südvorstadt, Oelsnitzer Straße durch Apotheker Franke
  die "Süd-Apotheke" geht nach dem Tod von Franke an den Apotheker Oskar Zetzsche über

Stand:27.5.2005