Die älteste Gottesdienstverordnung für Plauen aus dem Jahre 1529

Am sontage und hoenn festen, wie sie in den ordnungen vortzeignet,
halt man frue metten, erstlich das „Venite etc.”, darnach 1 psalm mit 1 antiphon, darnach eine lectionem ausm alten testament, volgends das „Te deum laudamus” und so es die zeit leydet das „Benedictus” mit einer antiphona und collecta, alles deutzsch.

Das hoe ampt,
Nachdem etwo deutz gesungen ist worden vor der mess und das volck, sonderlich die vom land, darnach gerichtet, haben wir mussen darfur einen psalm mit einem stuck des catechismi aus dem betbuchlein Dr. M. Lutheri an stadt einer lection halten. Darnach fahen wir das ampt des testaments ader nachtmals Christi an mit dem gesange „Kom heiliger geist etc.”; darnach den introit „Kyrieleyson” et „In terra”, einen sontag deutzsch den andren latinisch; dan list man uber dem altar die collecta deutzsch und nach ausgang derselben list man die epistel: darauff singet das volck ein deutzsch lobgsang unterweilen die schuller einen reynenn sequentz; darnach wird das evangelium gelesen, das credo „Wir glauben alle an einen gott” gesungen; so das auss ist predigt man und list die paraphrase des „Vater unsrs”. Nach der predigt feht man an die praefacion und die wort des testaments mit aufhebung des sacraments zusingen; darauff hebt der chor das „Sanctus” au, folgends der minister list das „Vater unser”; darnach communirt mandas völck unnd singet „Gott sey gelobet” ader „Jesus Christus etc.”, beschleust das ampt mit der collecte und segenn. Zwischen eilffen und zwelffen zu mittage predigt man von den zehen gepotenn, glauben und „Vater unser”, wie man jetzund das „Vater unser” furhat, das thut der pastor. Hetten gerne gesehenn, das es bas zur vesper vorschoben were wurden mit solcher predigt, hat aber bishero nit geschen mugen; biten nachmals, so es euer (d. i. der Visitatoren) achtbaren wirden meinung were, solchs zuvorordnen. Man helt auch am sontag umb 2 hor vesper mit etlichen psalmen und antiphon mit einer lection, Mgt [Magnificat?] und einer collecta, alles deutzsch. Ufn abend umb 5 ader 6 hor singen die knaben alle tage das „Salve Jesu Christe” mit dem „Da pacem” latinisch und einer deutzschen collecta, davon ist zureden.

An wercktagenn
helt mau frue einen hymnum mit einer antiphona und einem psalm, darauff list man dem volck fur eine apostolsche lectionem und darauf das gemein gepeth vor allerley stend, jedes tages eine sonderliche redt, beschleust mit einen lobgesangk. Mittwoch und freitag predigt man vor die lection und postillirung. Umb acht hor leutet man, wie etwo zur hormessen und singet den psalm aus Dr. Martini ordnung ader einen introit gewonlich latinisch, list die epistel mit einem kurtzen scopo und argumentlein, singt einen gesang, darnach list man das evangelium auch also, darnach singt man etwas kurtzes und beschleust mit einer collecta. Ufn abendt umb 2 hor singen die knaben latinisch vesper, list ein knab eine leetion latinisch der ander dieselb deutzsch, darnach beschleust man die vesper mit einer collecta; der psalm ist gemeinigklich „Beati immaculati"; ufn abendt singt man das „Salve” ut supra und in der fasten helt man den Kindern den catechismun fur.

An aposteltagen
predigt man frue, darnach ist einem jeden zu feyren ader arbeiten frey gelassenn.