Verkehrsverhältnisse und wirtschaftliche Zustände im alten Plauen.
Vortrag gehalten im Altertumsverein am 21. Oktober 1904 von A. Neupert sen.
(gekürzte Fassung)

Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts war Plauen noch von einer fest geschlossenen Stadtmauer umgeben, welche vom Nonnenturm ab, vor der Lohmühle vorbei, nach dem Syrauertor, von da nach dem Schlosse, dem Hammer- und dem Brückentor ging, den Komthurhof und die geistlichen Gebäude einschließend. sich unterhalb der Hauptkirche bis zur Pforte fortsetzte, in welcher Gegend noch heute Teile erhalten sind, ebenso auf dem Tracte von der Pforte bis zum städtischen Malzhause, der Stelle, auf welcher das alte Eversteinsche Schloß einen wesentlichen Teil der Befestigung der Stadt bildete. Vom Rondell des Eversteinschen Schlosses bis zum Straßberger Tor war die Mauer eine doppelte, ebenso vom Straßberger Tor bis zum Neundorfer Tor und von diesem bis zum Nonnenturm. Auf einem unserer ältesten Stadtpläne; der von dem Oberlandmesser Christoph Moritz Dietz im Jahre 1732 gefertigt ist, sind in diesen letzten drei Trakten die drei Zwinger bezeichnet, heute erinnert an den davorliegenden Stadtgraben noch der obere und untere Graben.
Auf diesem Dietzschen Plane finden wir manche Abweichungen von den heutigen Straßenbezeichnungen. Der jetzige Amtsberg hieß Schloßgasse, die Brückenstraße Mühlgasse. Der Viehmarkt wurde bis zum Jahre 1820 auf dem jetzigen Neustadtplatz abgehalten, der freie Platz vor der Realschule, auf welchem von jeher eine Linde stand, ist als Kuhmarkt unter der Linde bezeichnet. Die heutige Schulstraße hatte den lieblichen Namen „Saugasse”. Im „Kloster”, einem unregelmäßigen, winkligen Platze, der nach dem Brande von 1844 zu dem rechtwinkligen, größeren „Klostermarkt” umgestaltet wurde, befand sich der städtische Marstall, die Frohnveste und die Hauptwache. Zwischen dem obern Steinweg und dem „Kloster” finden wir den alten Topfmarkt. Der hintere Teil der jetzigen Herrenstraße hieß Schustergasse, die jetzige obere Endestraße Kupferschmied-Gäßchen, der alte Teich Saumarkt. Es gab eine Fleischergasse, sowie Fleisch- und Brotbänke, jetzt Bänkegäßchen (die Fleischbänke wurden 1851 beseitigt), die jetzige Königstraße hieß Judengasse, bekanntlich infolge der Anwesenheit des Königs Friedrich August im März 1813 umgetauft. Der „Pulverturm” war eingebaut in die Stadtmauer zwischen Straßberger- und Neundorfer Tor, man war also bezüglich einer Explosionsgefahr damals nicht so ängstlich wie später, denn unser Pulverhaus wird demnächst zum dritten Male weichen müssen; nachdem es von der äußeren Dobenaustraße (wo es sich nur 100 Schritt von dem nächsten bewohnten Gebäude befunden hatte), vor nicht allzulanger Zeit nach der alten Oelsnitzer Straße in die Nähe des Kemmlers verlegt worden war, soll der näherrückenden Bebauung der Ostvorstadt halber ein neues drittes Pulverhaus auf Tauschwitzer Flur in aller Kürze errichtet werden.

Verschwunden sind im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die sämtlichen Tore der Stadt mit den daran liegenden Röhrenteichen, verschwunden sind die großen Röhrkasten, welche dieser Plan der Stadt in großer Zahl aufweist, verschwunden auch die Lohmühle, die Klappermühle, die Siechenhäuser, welche 1842 abgetragen wurden, und das Johannishospital, welches am 24. Mai 1868 niederbrannte, aber erhalten geblieben ist das Elisabethhospital, welches, wie urkundlich feststeht, 1332 vom Vogt Heinrich dem älteren erbauet und gestiftet worden war; in späterer Zeit bis zum Jahre 1836 diente es als Waisenhaus, jetzt befindet sich darin die erste vogtländische Sauerkrautfabrik von Schlichting. Die jetzt König Albertbrücke genannte ehrwürdige alte Brücke über die Elster, welche der Sage nach von Nürnberger Kaufleuten errichtet worden sein soll, die in der Tat aber Plauen den Deutschherren zu verdanken haben dürfte, findet sich abgebildet in ihrer Beschaffenheit vor ihrer Umwandlung im Jahre 1888 zur König Albertbrücke in dem Schrammschen „Schauplatz der merkwürdigsten Brücken aller 4 Weltteile”, welches Werk 1735 in Leipzig erschienen ist und sich auch in hiesiger Stadtbibliothek befindet. Ueber die Elster führte damals nur diese eine steinerne Brücke, außerdem noch flußaufwärts der schwarze Steg und der hohe Steg, welche beide nicht von der Stadt, sondern von den beteiligten Grundstücksbesitzern in Stand zu halten waren. Auch über die Syra führte nur eine steinerne Brücke, die den Verkehr von der Neustadt nach dem untern Steinweg vermittelte, der sich sodann vom Marktplatze aus nach dem Neundorfer und Straßberger Tore teilte. Nach dem Syrauer Tor zur Syrauer Straße nach Gera, Auma etc. war nur eine Durchfahrt im Syrabett vorhanden. Diesem mißlichen Zustande ein Ende zu machen, forderte die Kreishauptmannschaft unter dem 9. August 1816 den Rat auf, polizeiliche Vorsorge zu treffen, daß an Stelle der bis dahin benützten Durchfahrt durch die Syrau am Syrauer Tor eine fahrbare Brücke errichtet würde.

Es heißt in diesem Erlaß der Kreishauptmannschaft:
„Nicht nur die große Unbequemlichkeit, welche schon bei ganz gewöhnlichem Wasserstande die Durchfahrt durch den Bach selbst verursache, sondern noch mehr das Gefährliche derselben wegen des mit großen Steinen und mit Unebenheiten und mit ausgewaschenen Löchern angefüllten Wasserbettes erheische eine Abhilfe”, ganz besonders sei die Gefahr eine erhöhte, wenn der Wasserstand zu einer ungewöhnlichen Höhe anschwillt, oder im Winter der Bach zufriert, wo dann kein Fuhrmann im Stande sei, die 60 Ellen bis ans Tor zu fahren. Die Kreishauptmannschaft habe die Kosten des Baues einer hölzernen Brücke veranschlagen lassen, dieselben würden 497 Taler 9 Gr. 4 Pfg. betragen haben. Der Rat ist gern bereit, dieser Aufforderung nachzukommen, doch möchte man lieber eine steinerne Brücke errichten, die nach dem Anschlage des Ratsmaurermeisters Gottlieb Rädel nahezu 1000 Taler kosten würde, allein an die Ausführung ist zunächst nicht zu denken, es fehlt an Geld. „Es ist keinerlei Fonds vorhanden, die Kämmereikasse hat erst in demselben Jahre wegen der höchst notwendigen Anlegung einer Expeditionsstube auf dem Rathause höchsten Ortes um ein Anlehen von 6-800 Taler bitten müssen, übrigens seien vorher schon 3800 Taler an Kapitalien aufgenommen worden, welche verzinst werden müßten, die der Rat leider nicht habe zurückzahlen können.” (Daß die Kämmereikasse von den maßlosen, schweren Anforderungen, welche die Napoleonischen Kriege mit ihren unausgesetzten Truppen-Durchmärschen, Einquartierungen und Kontributionen der Stadt auferlegt hatte, sich noch nicht erholt haben konnte, ist ja nur erklärlich.) Es heißt weiter in den Akten: „Infolge totalen Mißwachses habe der Pächter der städtischen Güter Reyßig und Haselbrunn das Deputatgetreide nicht liefern können, welches die Ratsbedienten und andere auf Naturalbesoldung angewiesene Personen zu erhalten hätten, zu deren Befriedigung der Ratskämmerer bereits für seine Person einen Vorschuß geleistet habe. Der Preis für einen Scheffel Korn war bei der anhaltenden Teuerung auf schließlich 9 Taler 20 Gr. gestiegen. Der erste Erntewagen, der 1817 eingefahren wurde, gab Anlaß zu einem religiösen Volks-Dankfest, welches Superintendent Tischer auf dem Marktplatze zelebrierte. Der Wagen war mit Blumen, Laubgehängen und grünen Bäumen, sowie mit Kränzen und Bändern geschmückt, gezogen von drei Doppelgespannen brauner Pferde, voraus einen Vorreiter, die Führer und Tiere mit Bändern und Tüchern geziert und von militärischer Bedeckung umgeben, feierlich der Stadt zugeführt. Dem Wagen mit der kostbaren Spende ging ein Musikchor voraus, das einen fröhlichen Erntemarsch blies, und ihm nach folgten zunächst vier der ältesten Greise der Stadt, zusammen an 330 Lebensjahre zählend und jeder von zwei weißgekleideten Mädchen mit frischen Eichenzweigen in der Hand geführt, an welche sich dann ein langer Zug ebenso geschmückter Mädchen anschloß. An diesen reihte sich der lange, aus Bürgern aller Stände bestehende Festzug an.

Doch zurück zum Bau der Syrabrücke.
Zur Beschaffung der Baugelder bittet der Rat im Jahre 1817 die Kreishauptmannschaft ihresteils zu befürworten, daß die von den Hufenbesitzern und den mit Pferden gewerbetreibenden hiesigen Einwohnern zu entrichtenden Straßenbau-Surrogat-Gelder der Stadt als Beihilfe zu diesem Bau bis auf weiteres überlassen werden und höchsten Ortes ferner eine Erhöhung des bisherigen Brücken- und Pflasterzolls genehmigt werden möchte.
Der Bau der Brücke selbst war 1816 begonnen worden und im Juli 1817 standen die „Brustmauern” fertig da, nur fehlte es zur Beendigung des Baues abermals an flüssigen Mitteln, 200 Taler hatten aus dem Hospitalkasten, 100 Taler aus dem Kirchkasten und 100 Taler aus dem Privatvermögen des Bürgermeisters Geliert, dem Stadtbauverwalter Huttner darlehnsweise zur Verfügung gestellt werden können, aber nun galt es weitere Einnahmequellen zu eröffnen, um die fehlenden 600 Taler an den Gesamtbaukosten zu beschaffen, zumal die Straßenbau-Surrogat-Gelder im ersten Jahre nur 49 Taler 3 Gr. erbracht hatten, mithin nur die 5prozentige Verzinsung der 1000 Taler betragenden Gesamtsumme deckten. Nach vielfachen, langwierigen, durch die Kreishauptmannschaft vermittelten Verhandlungen mit der Regierung wurde endlich unter dem 9. November 1818 dem Stadtrat nachstehende erhöhte Sätze an Brücken- und Pflasterzoll zu erheben gestattet:

1 Gr. von jedem auswärtigen Pferde, das an Kutschen oder Lastwagen eingespannt ist;
6 Pfg. von jedem Stück auswärtigen Rindvieh, das an Kutschen oder Lastwagen eingespannt ist (NB. Rindvieh vor Kutschwagen war damals keine seltene Erscheinung);
6 Pfg. von jedem Wagen mit Pferden oder Rindvieh bespannt, welcher Getreide, Viktualien, Scheit-, Stockholz oder Büschel zur Konsumtion der Stadt (auf die Wochenmärkte) zufährt;
1 Gr. von jedem Reitpferde, oder jedem andern leergehenden Hand- oder Koppelpferd;
4 Pfg. von jedem uneingespannten Stück Rindvieh, auch demjenigen, welches zu den Jahr- und Viehmärkten zum Verkauf oder sonst zum Handel eingebracht, aber mit Ausschluß dessen, was zur Konsumtion der Stadt von den Stadtfleischern oder andern Bürgern eingeführt wird;
3 Pfg. von 2 Schafen und 2 Pfg. von 1 Schwein, wenn solche auf die Jahr- und Viehmärkte zum Verkauf oder sonst zum Handel eingebracht werden, mit Weglassung aller derer, welche Stadtfleischer oder andere Bürger zur städtischen Konsumtion einführen;
4 Pfg. von jedem beladenen Schubkarren, welcher Gut zum Handel oder andere Effekten fährt;
2 Pfg. von jedem Schubkarren, welcher Getreide, Viktualien und Holz zur Konsumtion der Stadt (auf die Wochenmärkte) zufährt. Befreiungen finden statt:
1. in allen den Fällen, wo eine Befreiung vom Chaussee-Gelde nach den Königlichen Chaussee-Gelder-Rollen eintritt, als:
a) alle Königlichen und Prinzlichen Wagen und Pferde,
b) ordinäre Posten und Estafetten,
c) leergehende Extraposten und Pferde,
d) Regimenter und Kommandos in Kriegs- und Friedenszeiten nebst dem dazu gehörigen Fuhrwerk,
e) Vorspann- und Frohndienstleistende Untertanen, so Königl. Militär-Sachen, Magazin-Getreide, Wildpret, Jagdzeug, Zinsgetreide, Bau-Materialien, Holz etc. an- und abführen, und sich, daß sie wirklich Frohndienst leisten und dazu ausgeschrieben worden, legitimieren,
f) das Zug- und andere Vieh der Besitzer der an der Stadt gelegenen Grundstücke, wenn solches zur Benutzung uud Bestellung derselben gebraucht wird und dabei das Stadtpflaster oder eine Brücke passiert werden muß,
g) alle Feuer- und Löschungsfuhren,
h) diejenigen, so Freizeichen produzieren.
2. bei allen hiesigen Einwohnern in Hinsicht ihres Zug-und Zuchtviehs,
3. bei Deputatfuhren des Pachters der Rats- und Kommun-Güter Reyßig und Haselbrun.

Wie notwendig und erfolgreich an und für sich diese Erhebung des Brücken- und Pflasterzolls gewesen war, geht aus den vorliegenden Rechnungen der Jahre 1815 und 1816 hervor. Während im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts die Einnahme nur 20-30 Taler alljährlich betragen hatte, ist vom 1. April 1815 bis inkl. März 1816 eine solche in Höhe von 62 Taler 18 Gr. 4 Pfg. zu verzeichnen, die Ausgaben aber betrugen 124 Taler 11 Gr. 7 Pfg. so daß der Rechnungsführer 61 Taler 17 Gr. 3 Pfg. Vorschuß behielt, dabei wurde der Sand kostenlos aus der Elster entnommen, ebenso die Pflastersteine selten in Steinbrüchen gebrochen, sondern in dem Flußbett aufgelesen, so werden z. B. für 42 Fuder Pflastersteine zu lesen 4 Taler 15 Gr. berechnet.

Ueber den Verkehr bei den einzelnen Toren finden sich folgende Angaben. Es passierten die Tore:
  Wagen Schubkarren Reit- u. Roßh.-Pf. Rindvieh
1814/15 1863 1017 75 816
1815/16 1723 1091 158 239

Die Wagen aus der Urngegend sind beladen vorzugsweise mit Getreide, Salz, Brettern, Bauholz, Werkstücke aus Trieb und Bergen; aus weiterer Entfernung werden eingeführt, Hopfen aus Oberfranken, Sämereien aus Bamberg, Zinnbeize aus Lößnitz, Töpferwaren aus Rehau, Kurzwaren aus Mannheim etc. Unter den mittelst Kutschwagen eintreffenden Reisenden sind von den entfernteren Städten häufig vertreten: Frankfurt und Magdeburg, das größte Kontingent stellen die vogtländischen Städte und Rittergüter.


Mit Ausnahme des Rittergutsbesitzers von Schäffer auf Kauschwitz, welcher eine Pauschalsumme von 3 Mark alljährlich pränumerando als Brücken- und Pflasterzoll zahlt, sind die übrigen Besitzer der vogtländischen Rittergüter über die ihnen angesonnene Erhöhung des Zolls nicht wenig erbittert, es richten sogar die Stände des vogtländischen Kreises, Alexander August von Beulwitz an der Spitze, eine geharnischte Vorstellung an die Kreishauptmannschaft, in welcher sie sich gegen Abforderung quästionierten Zolls protestando verwahren, da sie sich durch denselben prägraviert erachten, die neue Brücke habe gewiß ihr Gutes aber doch nur für die, welche solche benützen, die Wiederemporbringung des Kämmerei-Vermögens sei Sache der Plauenschen Bürgerschaft, Auswärtige dürften dazu nicht in Mitleidenschaft gezogen werden etc. Wenn sie diesen Zoll entrichten müßten, so würden sie sich veranlaßt sehen
1. entweder ihre Geschirre vor den Toren der Stadt zu lassen oder
2. von den Abkäufern ihrer Produkte Erstattung des Zolls zu fordern oder
3. ihre Produkte in andere Städte zu schicken, wo kein Brücken- und Pflasterzoll gefordert wurde.

Der Rat erwidert darauf, daß nicht zu erwarten sei, daß ein Rittergutsbesitzer, wenn er seine Erzeugnisse zu Markte bringen will, wegen 6 Pfennigen - soviel beträgt der Zoll für einen Wagen - vor dem Tore ausspannen, den Wagen abladen und seine Produkte in die Stadt tragen lassen würde. Erstattung des Zolls von ihren Abkäufern zu fordern, stünde den Herren Rittergutsbesitzern zwar frei, jedoch würde die Verteilung des Zolls von 6 Pfennigen auf den gesamten Inhalt eines Wagens den Bewohnern der Stadt keinen großen Nachteil bringen können. Städte, in welchen kein Brücken- und Pflasterzoll erhoben würde, wären sehr selten und so entlegen, daß es sehr ungewiß sein dürfte, ob dann die Herren ihre Produkte vorteilhafter verkaufen würden.
Auch von andern Seiten wird versucht, um die Bezahlung des Zolls herumzukommen: Johann Paul Reichmann in Haselbrunn glaubt zur Bezahlung dieses Zolls nicht verpflichtet zu sein, er reitet oder fährt zu einem Tore herein zum andern wieder hinaus, bei den Torschreibern hohnlächelnd (wie es in den Akten heißt) vorbei, er unterwirft sich auch nicht der ihm vom Stadtrate gewordenen Strafverfügung, sondern geht beschwerdeführend an die Kreishauptmannschaft. Während die Beschwerde der Rittergutsbesitzer und deren Beantwortung 34 Folioseiten in den Akten füllen, nimmt die Reichmannsche nur 14 Seiten in Anspruch, beide werden höchsten Orts auf den Rechtsweg verwiesen. Befreiung vom Zoll wird auf Ansuchen des Superintendenten Dr. Tischer den in der Plauischen Inspektion einbezirkten Geistlichen gewährt, welche zur Abhaltung von Zirkularpredigten oder anderer unentgeltlicher Amtsgeschäfte zu Pferde oder Wagen in die Stadt kommen. Vom Jahre 1820 ab scheint man von keiner Seite es weiter versucht zu haben, sich der Bezahlung des Zolls zu entziehen.
Die nächsten 90 Seiten des Aktenstückes werden dagegen gefüllt von Aufforderungen der Kreishauptmannschaft an den Rat, die bedungenen alljährlichen Uebersichten über die bis jetzt bei sothaner Zoll-Erhebung gehabte Einnahme und deren Verwendung nunmehr einzureichen und den Antworten des Rates. Im Dezember 1821 kommt der Rat dieser Aufforderung bezüglich der Jahre 1816-1820 nach. Die Rechnungsaufstellung ergibt, daß zur Deckung der Baukosten der Brücke Ende 1820 noch 789 Taler 21 Gr. erforderlich sind. Unter dem 19. April 1822 wird durch die Königliche Kreis-und Amtshauptmannschaft ingleichen Gleits- und Accis-Kommissariat des Vogtländischen Kreises dem Rate Sr. Königl. Majestät Mißfallen zu erkennen gegeben darüber, daß die Restschuld für die erbaute Brücke noch eine so hohe sei, gleichzeitig wird der Rat veranlaßt, einen Anschlag der Ausgaben zur spärlichen Unterhaltung des Stadtpflasters für die nächsten 3 Jahre einzureichen. Der Rat erklärt, dazu außer Stande zu sein, da die Röhrfahrt durch die meisten Straßen ginge und infolge von Reparaturen an den Wasserröhren oft auf weite Strecken gutes Pflaster aufgerissen werden müsse, er überdies nur soviel aufwenden würde, als zur Erhaltung eines guten Stadtpflasters notwendig sei.
Für die Jahre 1821 und 1822 ist der Rat wieder mit der rechtzeitigen Rechnungslegung im Rückstand geblieben, er wird mit Ordnungsstrafen von 10 Talern und da dies erfolglos, einer solchen von 20 Talern belegt, die ihm aber unter dem 27. Juni 1823 beide erlassen werden, nachdem er wenigstens bis Ende 1821 Rechnung gelegt hat, welche mit einem Fehlbetrag von 598 Talern 1 Gr. 3 Pfg. abschließt. In gewissen Zwischenräumen wird der Rat auch ferner an die rückständige Rechnungslegung erinnert. Unter dem 20. Juni 1825 wird er aus gleicher Ursache wieder mit 10 Talern Ordnungsstrafe belegt, er erbittet zwar immer wieder neue Fristen, verwahrt sich aber zugleich gegen gezogene Monita „durch die ihm angesonnenen Rechnungsnachweise fühle er sich sehr beschränkt und an seiner Selbständigkeit gekränkt, da er nicht als ein selbständiges Kollegium, sondern wie ganz niedrige Offizianten behandelt worden sei”.
Auf spätere Erinnerungen hin schützt der Rat die noch immer traurige Verfassung der Kämmerei-Kasse vor, da verschiedene Einnahmequellen gänzlich versiegt wären, so seien von den Bleichgeldern der hiesigen Bleichplätze derselben ehedem nicht unbedeutende Summen zugeflossen, seitdem aber die hiesige Baumwollwaren-Manufaktur durch ungünstige Konjunkturen in einen grenzenlosen Verfall geraten wäre, wären die Einnahmen aus den Bleichzinsgeldern fast gleich Null. 1826 werden die Antworten des Rates immer kürzer.
„Die Rechnungen über die Aufwendungen für das Stadtpflaster bildeten einen integrierenden Teil der Kämmerei-Rechnung und könnten Originalbelege derselben nicht entnommen werden", zum Schlusse erklärt der Rat auf die letzte Aufforderung, die Verwendung des Pflasterzolls auf die rückständigen Jahre nachzuweisen, er könne keinen andern Nachweis geben, als daß derselbe alljährlich zur Kämmerei verrechnet worden wäre.
In demselben Jahre 1826 hatte der schwarze Steg, der zuletzt von dem 1823 nach Pirna versetzten Superintendent Tischer erneuert worden war, durch Eisfahrt und Hochwasser derart gelitten, daß sich eine umfassende und kostspielige Reparatur an demselben notwendig machte, welcher Aufwand - wie es in einem Aufruf im Vogtländischen Anzeiger heißt - unserer ohnehin so erschöpften Kämmerei nicht zugemutet werden kann. Der Magistrat habe sich zwar zur Lieferung des erforderlichen Holzes bereit erklärt, es sei aber nun Pflicht der Einwohnerschaft, durch freiwillige Beiträge die Kosten des Baues aufzubringen. Die Erhöhung des Pflasterzolles war dem Stadtrat nur auf sechs Jahre resp. bis Ende 1824 gestattet gewesen, durch Eingaben und Vorstellungen war es ihm aber gelungen, diese Frist noch um zwei Jahre zu verlängern, weiter ließ sich die Langmut der Regierung nicht ausdehnen. Am 5. Februar 1827 werden die fünf Torschreiber auf das Rathaus beschieden und ihnen eröffnet, daß die erhöhten Sätze von jetzt ab in Wegfall kämen und die vor dem 1. Januar 1819 gültigen wieder in Kraft treten. In dem Vogtländischen Anzeiger vom 10. Februar 1827 erfolgt die amtliche Bekanntmachung für das Publikum. Accis-Tor­schreiber waren damals:

Carl Heinrich Meyer am Brückentor,
Johann Georg Ebert am Neundörfertor,
Wilhelm Ferdinand Prätorius am Straßbergertor,
Johann Christian Hartenstein am Syrauertor,
Gottfried Börner am Hammertor.

Die Bedeutung der Tore für den Verkehr ergeben folgende Ziffern. Die Einnahmen aus dem Brücken- und Pflasterzoll betrugen:

  1819 1820 1821
Brückentor 243 Tl. 15 Gr. 220 Tl. 17 Gr. 190 Tl. 7 Gr.
Hammertor 16 „ 15 „ 15 „ 5 „ 14 „ 3 „
Syrauertor 33 „ 13 „ 33 „ 17 „ 32 „ 16 „
Neundorfertor 26 „ 16 „ 23 „ 13 „ 17 „ 6
Straßbergertor 26 „ 12 „ 21 „ 22 „ 20 „ 7 „

Das Brückentor erbrachte demnach alljährlich über doppelt soviel an Brücken- und Pflasterzoll wie die vier andern Tore zusammengenommen. Die Torschreiber hatten ein wenig e­freuliches Amt, 1806 klagt die Accisinspektion bereits, daß viele hiesige Einwohner mit der Berichtigung der Accise, welche binnen zweimal 24 Stunden bei Vermeidung doppelter Accise erfolgen sollte, monate-, ja jahrelang im Rückstand geblieben seien, die Torschreiber aber nun Anweisung erhalten hätten, die säumigen Restanten zur Beitreibung der gesetzlichen Strafe allwöchentlich zur Anzeige zu bringen; ihrem berechtigten Unmut in anderer Beziehung geben die Torschreiber, die nicht selten nachts umsonst herausgepocht und gefoppt wurden, häufig u. a. in folgendem Inserat im Vogtländischen Anzeiger Ausdruck:



(Torsperre.) Schon zum öftern haben junge ungesittete Menschen, welche des nachts ihres Vergnügens und der Schwärmerei wegen in hiesigen Stadttoren aus- oder eingelassen sein wollten, den Torschreiber, ohne die geringste Veranlassung gehabt zu haben, nicht nur auf das empfindlichste injurieret, sondern auch um die Bezahlung des Torschlusses betrogen, auch ihr immoralisches Betragen, kam es zur gerichtlichen Kognition, noch zu beschönigen gesucht. Um nun diesem Unfug möglichst abzuhelfen, machen Endesgenannte hiermit bekannt, damit es Personen von Distinktion nicht befremden möge, daß niemand in Zukunft bei hiesigen Stadttoren aus- oder eingelassen werden wird, der nicht vor dem Aus- oder Eintritt an der Torpforte die Bezahlung für den Torschluß prästiert hat, denn vermöge der Churf. Sächsischen Accis-Ordnung ist der Torschreiber nicht verbunden, die blos dem Vergnügen nachgehen, auch für Bezahlung das Tor zu öffnen.
Die sämtlichen

Im Jahre 1830 sah sich der Rat gezwungen, um die Stadt aus den dringendsten Kriegsschulden zu bringen, das Rittergut Reißig und das Vorwerk Haselbrunn zu verkaufen, jedoch ohne die dazu gehörigen Waldungen, auch genehmigte Se. Majestät der König behufs Tilgung der Kriegs-Kommunschulden der Stadt Plauen zur Unterstützung des Kämmereiwesens das Fortbestehen der Abgabe von 8 Talern für jedes Viertel Gebräude von dem in Plauen gebrauten Bier auf weitere drei Jahre, aber nicht länger als bis zum 1. September 1833.
Kaum hatte die Stadt angefangen, sich finanziell etwas zu erholen, brach eine neue schwere Heimsuchung über sie herein, es war die große Wasserflut vom 22. Juli 1834, durch welche an der Syra und im Komthurhof 32 Wohnhäuser weggerissen und 44 stark beschädigt wurden, wobei nicht weniger als 26 Menschen ihren Tod fanden.

Ein unter dem Eindrucke des entsetzlichen elementaren Ereignisses geschriebener Bericht aus der Feder des damaligen Prorektors Pfretzschner gibt

„Ein großes Unglück hat die Stadt Plauen getroffen. Das grausenvolle Bild der Zerstörung, das sie jetzt darbietet, kann weder durch Worte noch Zeichnung dargestellt werden. Die Bewohner der benachbarten Städte und Flecken, die jetzt herbeiströmen, um mit eigenen Augen die Verheerung der Ueberschwemmung zu betrachten, gestehen einstimmig, daß dieselben bei weitem größer und schrecklicher sind, als sie nach den mündlichen Berichten und öffentlichen Anzeigen vermutet hätten. Den Bürgern der unglücklichen Stadt selbst, in deren Gemüter allmählich die ruhige Ueberlegung zurückkehrt, bleibt es fast unbegreiflich, wie der sonst so unbedeutende Bach zu einem so furchtbaren Strome anschwellen und Tod und Verderben und Untergang unter seinen Anwohnern verbreiten konnte.
Der für Plauen so verhängnisvolle Tag war der 22. Juli. Schwere Wetterwolken zogen sich nachmittags gegen 3 Uhr über der Stadt zusammen und hüllten sie in nächtliches Dunkel. In Strömen entstürzte der Regen dem Himmel, und Wasserfluten flossen durch die Straßen der obern Stadt und ergossen sich in den Syrabach, der dadurch schon bedeutend anschwoll. Doch dies war nur das Vorspiel zu dem Schauder erregenden Drama, das sich bald darauf vor unsern Augen entwickelte. Ohngefähr eine Stunde von Plauen ging in Nordwest ein Wolkenbruch nieder. Der Syrabach wuchs in einem Nu zu einer ungeheuern Größe und wälzte seine Wellen, wie tobende Meereswogen, durch die Stadt und setzte die anliegenden Häuser gegen 8 Ellen tief unter Wasser. Mit der Schnelligkeit eines wütenden Waldstroms riß er alles mit sich fort. Baumstämme, von der nahen Schneidemühle fortgeschwemmt, die mit Blitzesschnelle daherflogen, erschütterten die Mauern der Gebäude, durchlöcherten sie und stürzten sie zu Boden. Ganze Häuser wurden aus ihren Fundamenten gehoben und mit allem, was darin war, von den Wellen verschlungen. Mit zahllosen Trümmern war der Strom bedeckt, und er trieb auf seiner Oberfläche Ruinen von Wohnungen und Balken und Gerätschaften in grausenvoller Verwirrung. Und mitten unter diesen Trümmern erblickte man schwimmende Tiere, erblickte man selbst Menschen, die mit dem empörten Elemente um ihr Leben kämpften. Es war ein herzzerreißender Anblick. Von beiden Ufern erscholl das Jammergeschrei der Herbeieilenden, und in dem Brausen des Stromes und in dem Krachen der einstürzenden Gebäude erstarb der matte Hilferuf der Unglücklichen aus den schäumenden Wogen, verhallte das Angstgeschrei der Bedrängten aus den Fenstern der obern Stockwerke und von den Dächern. Alle an den beiden Ufern der Syra gelegenen Häuser schienen dem unvermeidlichen Untergange geweiht zu sein, mit solcher Wut arbeitete der Strom an ihrer Zer­störung. Doch in welche Farben müßte man den Pinsel tauchen, um ein vollständiges und treues Bild von diesem Unglücke zu zeichnen? Und wer könnte sich dazu entschließen, diese furchtbare Szene mit allen ihren entsetzlichen Einzelheiten und Schattierungen noch einmal vor dem Blicke seines Geistes vorübergehen zu lassen?"

Der Rat veranlaßte sofort die Bildung eines Hilfskomitees, an dessen Spitze Kreishauptmann von Zezschwitz trat, als Sachverständige wurden Landbaumeister Schlenkert, Floßbau-Kommissär Leutnant Beck und Chaussee-Inspektor von Metzsch zugezogen und bereits unter dem 31. Juli geben dieselben auf Grund einer Lokalbesichtigung folgendes Gutachten ab:
das beschädigte Syrauertor nebst Torschreiberwohnung mit angrenzender Stadtmauer nebst Schwibbogen ist abzutragen
ebenso das Syrauer Kommunbrauhaus im Comthurhof nebst des am Comthurhof noch stehendes Stückes Stadtmauer

Am Schulberg und am Steinweg sind völlig neue Brücken aufzuführen, vorläufig werden Notbrücken errichtet, auch die bei dem Gasthof zum Herz bedarf einer Reparatur, welche einem Neubau gleichzuerachten ist. Chaussee-Inspektor von Metzsch verpflichtete sich, einen allgemeinen Riß des wieder aufzubauenden Stadtteils anzufertigen, welcher den bei der Besichtigung aufgestellten Grundsätzen bezüglich Vorbeugung einer schädlichen Wirkung künftiger Wasserfluten, sowie zweckmäßiger Gestaltung der künftigen Baulinien Rechnung zu tragen hat. Die Aufsicht über die Arbeiter soll Kaufmann Michaelis gegen eine Remuneration von täglich 8 Groschen führen. Mit den 14 Adorfer Hilfsarbeitern, welche eine Woche lang auf Kosten der Adorfer Kommune gearbeitet hatten, wird am 2. August dahin akkordiert, daß bis auf weiteres jeder täglich 5 Gr. 6 Pfg. Tagelohn und überdies 6 Groschen Entschädigung für Hin- und Rückreise erhalten soll. Ueber die von sonstigen auswärtigen Gemeinden zweifellos erfolgten Hilfeleistungen und Unterstützungen ist in den Akten nichts zu finden.
Die damaligen Maurer- und Zimmermeister in der Stadt verpflichteten sich laut Protokoll vom 4. August bei 5 Taler Strafe für jeden Kontraventionsfall, die angegebenen Linien und Entfernungen des aufgestellten Bebauungsplanes streng und genau zu beachten und keinen Neubau zu beginnen, bevor der einzureichende Riß Genehmigung gefunden. Unterschrieben ist das Protokoll von
Maurermeister Christian Friedr. Ebert,
Maurermeister Carl Gottlob Rädel,
Maurermeister Friedr. Aug. Ebert.
Zimmermeister Joh. Gottfr. Ruffer,
Zimmermeister Joh. Wilhelm Starcke,
Zimmermeister Christian Gottlieb Günnel,
Zimmermeister Carl Friedr. Baumgärtel.

Viel Schwierigkeiten machten die Besitzer der beschädigten oder gänzlich zerstörten Häuser, welche nach dem aufgestellten Bebauungsplan mit ihrer Fronte etwas einrücken mußten; durch persönliche Beteiligung des Kreishauptmanns an den Verhandlungen gelang es jedoch, die Entschädigungsansprüche derselben, welche zum Teil als exorbitant bezeichnet werden, entsprechend zu ermäßigen. So verlangte Reinhold im Komthurhof ursprünglich eine Entschädigung von 1000 Talern, ging sodann auf 400 Taler herunter, ermäßigte die Forderung auf 300 Taler und erklärte sich schließlich mit einer Entschädigungssumme von 200 Talern zufrieden. Friedrich Ludwig Gräf als Besitzer des vormals Seeghitzschen Hauses an der Syra war etwas maßvoller in seiner Forderung, er verlangte 500 Taler, die Stadtverordneten hatten am 12. August nur 50 Taler geglaubt aus kommunalen Kassen für diesen Fall bewilligen zu können. Nach langwieriger Verhandlung ist Gräf mit einer Entschädigung in Höhe von 300 Talern einverstanden.
Dem Besitzer der Lohmühle, Rabenstein, soll zu der von ihm über die Syra zu erbauenden Brücke ein Stamm Bauholz gegeben werden, weil die Kommune der Röhrfahrt wegen die Brücke mit benützt.
Es wird untersagt, Gebäude mit Schindeln zu decken.
Die Landesdirektion, Se. Königliche Majestät und des Prinzen Mitregenten Königliche Hoheit haben unter dem 30. Oktober geruht, zu beschließen, daß der Stadt Plauen eine Unterstützung von 1500 Talern gewährt werde - ein Fäßchen mit 750 Talern in Silber und ein Paket mit 750 Talern in Kassenbillets traf kurz darauf ein.
Maurermeister Christ. Friedr. Ebert hatte die von ihm am Schulberg zu erbauende Brücke mit 1279 Taler 14 Groschen veranschlagt, der Sachverständige Chaussee-Inspektor Ulbricht aber nur mit 884 Taler. Ebert übernimmt den Bau für rund 800 Taler, wobei der Rat die Granitsäulen und eisernen Stäbe der Barriere liefert. Die Brücke soll im Juni fertig sein. Die am untern Steinweg zu errichtende Brücke war von Meister Rädel auf 1104 Taler 13 Groschen 8 Pfennig veranschlagt gewesen, der Sachverständige findet den Betrag für angemessen, Rädel erhält den Auftrag und verpflichtet sich, die Brücke binnen fünf Monaten fertig zu stellen und dem Verkehr zu übergeben.
Auf ein Gesuch des Magistrats an das Königliche Finanzministerium um Ueberlassung eines Teils des Dispositionsfonds für Brückenbauten wird der Rat unter Hinweis auf die erhaltene Unterstützung von 1500 Talern abschläglich beschieden.

Die Bezahlung der Brückenbauten war nach dem Vertrag vom 3. Februar 1835 folgendermaßen vereinbart:
1/4 der Bausumme voraus,
1/4 wenn die Brücke zur Hälfte fertig und gewölbt sei,
1/4 bei Vollendung und Uebergabe der Brücke,
1/4 zu Michaelis 1835.

Zur Bezahlung fehlt es in der Stadtkasse an Geld, es müssen Vorschüsse aus der Lazarettkasse und der Leißnerschen Stiftung entnommen werden, die Restzahlungen erfolgen an Rädel erst im April 1837 und Januar 1838, während an Ebert der Rückstand auf das Akkordquantum von 600 Taler zuzüglich Zinsen zu 4 Prozent erst am 31. Juli 1843 zur Auszahlung kommt, nachdem derselbe bis dahin sein Guthaben hatte bis auf Kündigung stehen lassen.
Hatte nun auch die Wasserflut ein Gutes im Gefolge gehabt, die bessere Gestaltung des Stadtteils an der Syra, den beteiligten Grundstücksbesitzern fehlte hierfür oft die nötige Einsicht, wenn sie dabei auf irgend welche Annehmlichkeit oder Bequemlichkeit verzichten mußten, es fehlte daher nicht an Einsprüchen und Widersprüchen verschiedener Bürger an der Syra; am heftigsten ist der Protest des Stadtrats, Advokaten und Notars Dr. Lorenz, der mit grellen Farben malte, wenn er von der Erhöhung der Straße vor seinem Hause sagt, seine freundliche Expedition würde einem Keller gleichgemacht, schließlich müsse er den „Eskimaux” gleich in sein Haus hinabsteigen etc. Er erzielte eine geringe Abänderung des Niveaus, mit welcher auch die übrigen Anwohner an der Syra sich einverstanden erklären.
Waren die Verluste der betroffenen Hausbesitzer auch groß und schwer gewesen, reich war auch die Hilfe, die den Wasserbeschädigten von auswärts zu teil wurde. Außer beträchtlichen Gaben an Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Hausgerät konnte das Hilfskomitee 22 710 Taler zur Verteilung bringen. Um seiner Teilnahme für die schwer geschädigte Stadt Ausdruck zu geben, lieferte z. B. die für die Brücken nötigen Granitsäulen zum Geländer der Steinmetz Schaarschmidt in Bergen das Stück mit 4 Taler, welche 7 Taler hätten kosten sollen.
Mit dem Anschlusse Sachsens an den deutschen Zollverein im Jahre 1834 begann bald ein Aufblühen der Plauischen Industrie in ihren verschiedenen Branchen, besonders durch die Einführung des Jaquardstuhles in der Gardinenweberei und der Schweizer Appretur; der von den Zollschranken befreite Absatz der vervielfältigten und vervollkommneten Fabrikate gewann von Jahr zu Jahr an Umfang und Bedeutung, infolgedessen Plauen der Sitz eines Hauptsteueramtes wurde. Was den Postverkehr in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts anlangt, so geben die Bekanntmachungen des Postmeisters Irmisch einigen Anhalt über die Entwickelung desselben.
1816. Die bisher Dienstags und Sonnabends abends von hier über Hof nach Leipzig abgegangene reitende Post ist vom 1. Juli ab eingegangen, dagegen aber eine neuere über Reichenbach, Zwickau, Altenburg und Borna angelegt worden, welche Mittwochs und Sonntags nachmittags 4 Uhr von hier abgeht und Sonnabends und Dienstags hier ankommt, solches wird dem korrespondierenden Publikum zur Kenntnis gebracht.
1818. Die Dresdner und Leipziger fahrenden Posten gehen Montag und Freitag vom 16. Februar ab um eine Stunde früher ab.
1820. Vom 2. Januar ab ist ein Postbotengang eingerichtet, der wöchentlich Dienstags und Sonnabends von Adorf nach Oelsnitz und Plauen geht, um dem oberen Vogtland eine bessere Verbindung mit den von Plauen abgehenden Brief- oder reitenden Posten zu ermöglichen.
1834. Einführung der zweimal wöchentlich verkehrenden Diligencen auf dem Leipzig-Hofer Postcours vom 1. Juli ab. Das Personengeld für die mit dieser Diligence Reisenden beträgt auf die Meile 7 Gr. bei 30 Pfund Freigepäck.
1833. Zur Erleichterung des Postverkehrs zwischen Plauen und Pausa wird das Porto vom 4. Juli ab dahin dergestalt ermäßigt, daß
der einfache Brief 6 Pfg.
' 100 Taler in Silber 2 Gr.
100 Taler in Gold oder Papier 1 Gr. 6 Pfg.
kosten werden.
Neben der Post hatte Plauen noch eine eigenartige Gelegenheit zur raschen Beförderung wichtiger und eiliger Briefschaften, es war dies der Schnellläufer Joh. Chr. Eduard Krögel, dessen Dienste in den Jahren 1825 - 1835 von Behörden und Privaten vielfach in Anspruch genommen wurden. Krögel lief ebenso schnell wie die Eilpost fuhr oder eine Estafette ritt. Um abends vor Schluß der Expeditionszeit in Dresden zu sein, brach er in Plauen gegen 3 Uhr früh auf, wegekundig, wußte er jede Abkürzung auszunützen und hielt nur einmal (in der Nähe von Freiberg) eine kurze Rast, indem er stehend einen Imbiß nahm und dazu ein Glas Wein trank. Krögel berechnete für die Meile 3 Gr. Botenlohn, da er dabei sich als durchaus pünktlich und zuverlässig erwiesen hatte, genoß er das allseitigste Vertrauen.
Nachdem im Jahre 1836 das Waisenhaus-Lokal im St. Elisabeth-Hospital frei geworden war, wurde darin eine Krankenanstalt eröffnet; der Rat macht bekannt, daß der Schuhmachermeister Zacher sich verpflichtet habe, Kranke darin aufzunehmen, zu warten, pflegen und zu verköstigen, wofür er täglich von dem Kranken oder dessen Angehörigen vier Groschen und eine Vergütung für Holz und Licht im Winter zu erhalten habe. Der Zunftzwang ist in diesem Jahre noch in voller Blüte, ein auswärtiger Sattlermeister Oette aus Treuen hatte sich erfrecht, in Plauen zu arbeiten, worüber die Innung in Harnisch gerät; in der Charwoche dürfen die Fleischer kein Rindfleisch verkaufen, dies Recht steht ausschließlich dem jeweiligen Besitzer der Garküche zu, die Fleischerinnung will sich dieser Gerechtsame nicht mehr fügen, wird aber vom Stadtgericht abgewiesen. Der Bierzwang, der 1834 wegen schlechter Beschaffenheit des Bieres vorübergehend aufgehoben worden war, tritt 1835 wieder in Kraft und ist das Einbringen fremder Biere bei Vermeidung der Konfiskation wieder verboten.
Immerhin geht es im Verkehrsleben und in wirtschaftlicher Beziehung Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre entschieden vorwärts und aufwärts. 1837 wird das Straßberger und Neundorfer Tor und 1842 das letzte der noch stehenden Tore, das Hammertor, abgetragen. Die Accise, resp. Torsperre, ist gefallen, der Brücken- und Pflasterzoll kommt von 1839 ab in Wegfall, das Finanzministerium hat der Stadt dafür eine jährliche Rente von 117 Talern Preuß. Cour. bewilligt. 1838 wird die städtische Sparkasse, 1839 eine Stadtbibliothek begründet. 1840 die Kgl. Baugewerkenschule eröffnet, 1841 das neuerbaute große städtische Schulgebäude an der Syra bezogen, 1842 die Straßenbeleuchtung eingeführt und 1844 am 2. Mai der Grundstein zu dem Kgl. Seminargebäude auf dem Neuenmarkt gelegt.
Noch im Herbst desselben Jahres aber sollte Plauen von einem neuen schweren Unglücksfall heimgesucht werden. In der Nacht vom 9. zum 10. September kam im Endegäßchen Feuer aus, welches infolge eines heftigen Südwestwindes innerhalb vier Stunden 107 Wohnhäuser mit 199 Seiten- und Hintergebäuden in der Endegasse, an der untern Seite des Marktes und der Herrengasse, dem obern und untern Steinweg, dem Klosterplatz, der Schulgasse und dem Lindenplatz in Asche legte. Die Zahl der Abgebrannten belief sich auf 1674 - es war dies der sechste Teil der Einwohnerschaft - die obdachlos dem Winter entgegenging; groß und schwer waren die Verluste der Einzelnen, wie der Stadtgemeinde, aber ebenso wie vor zehn Jahren nach der großen Wasserflut trat sofort ein Hilfskomitee zusammen, das mit überaus günstigem Erfolg tätig war, allein an barem Gelde konnte eine Summe von 42 770 Taler an die Kalamitosen verteilt werden. Aus dem Greuel der Verwüstung stieg eine ganz neue freundliche Stadt empor - besonders durch die verbesserte Anlage ihrer Straßen und freien Plätze.
Eine außerordentliche aus zwei Ratsmitgliedern, zwei Stadtverordneten und drei Vertretern der Bürgerschaft gebildete außerordentliche Baudeputation war sofort an die Ausarbeitung einer Bauordnung und eines Baureglements gegangen. Die Verbreiterung der neuanzulegenden Straßen, zumal der Herrenstraße, stieß auf vielfachen Widerstand. Gegner war in erster Linie der damalige Stadtrichter Haußner, aber Bürgermeister Gottschald ließ sich durch keine Opposition in der Durchführung des vorzüglich bearbeiteten Bebauungsplanes beirren. Ihm verdankt Plauen, daß es dem Phönix gleich aus der Asche wieder erstand. Nächst der Anlage des Klostermarktes, Schaffung der Klosterstraße. Verbreiterung des Steinwegs wie anderer Straßen und Gassen, war als wesentlichste Erweiterung des Straßennetzes eine neue Straße in Aussicht genommen, welche von der Herrengasse aus - (die jetzige Bahnstraße) - durch das Lohmühlengrundstück mittelst einer großen Brücke eine Verbindung mit der Pausaer Chaussee herstellen sollte. Der Bau der Sächs.-Bayrischen Eisenbahn war von Leipzig bis Altenburg bereits vollendet und auch Plauen sollte bald der Segnungen einer Schienenverbindung nach Nord und Süd teilhaftig werden. Es lag also nahe, da der Plauische Bahnhof in die Nähe der Pausaer Chaussee projektiert war, eine Straße in dieser Richtung zu schaffen. Diese Verbindungsstraße war einschließlich der steinernen aus 3 Bogen bestehenden Brücke auf 17072 Taler 21 Ngr. 2 Pfg. veranschlagt, wozu der Staat eine Beihilfe von 8000 Talern gewährte. Der Gesamtbetrag der von dem größeren Bürgerausschusse zur Durchführung des Neubauplanes für den abgebrannten Stadtteil bewilligten Kosten war 50000 Taler.
Der Bau der Brücke, derselben, welche jetzt zum dritten Male verbreitert worden ist, wurde laut Vertrag vom 29. Mai 1845 den Maurermeistern Lippmann und Jahn aus Auerbach für die vereinbarte Summe von 9300 Talern unter der Bedingung übertragen, daß die Brücke bis Ende November fertiggestellt sein müsse. Anfang November waren die Unternehmer ihrer Verpflichtung nachgekommen bis auf die Säulen, die noch zu setzen und das Geländer, welches noch anzubringen war, als ein unerwartetes Hindernis die Vollendung der Brücke um ein volles Jahr hinausschob, sodaß dieselbe erst am 6. November 1846 vollendet übergeben werden konnte. Eine Meinungsverschiedenheit bezüglich des Geländers der Brücke zwischen Rat und Stadtverordneten war der Grund dieser heute kaum glaublichen Verzögerung. Das Geländer sollte nach dem Vertrage mit den beiden Maurermeistern blos aus drei horizontalen eisernen Stäben bestehen. Auf Vorschlag des bauleitenden Chaussee-Inspektors Kunze entschloß sich jedoch im Oktober 1845 die Lokal-Bau-Kommission für ein etwas reicher ausgestattetes gußeisernes Geländer, womit der Rat zunächst auch einverstanden war, unter dem 9. Januar aber spricht er sich in seiner Majorität gegen dasselbe und für Ausführung des ursprünglichen Anschlags aus. Kunze richtet unter dem 7. Februar ein 20 Folioseiten füllendes Expose an den Rat, worin er die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit des gußeisernen Geländers nachweist.
Zur Unterstützung des Exposés des Inspektors Kunze richtet die Amtshauptmannschaft als aufsichtsführende Behörde, daß der Bau, zu dem der Staat 8000 Taler bewilligt hat, auch tüchtig ausgeführt werde, unter dem 17. Februar an den Rat ein Schreiben, welches an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Trotzdem geschieht in der Sache so gut wie nichts, im Juni beantragen die Stadtverordneten, daß die Brücke vorerst mit Notbarrieren zu vollenden sei. Ende Juni kommt Bürgermeister Gottschald endlich vom Landtag wieder und bereits am 10. Juli beschließt der Rat mit 5 gegen 2 Stimmen die Herstellung des gußeisernen Geländers, während die Stadtverordneten auf der ursprünglich geplanten und veranschlagten billigeren Ausführung bestehen. Die Differenz zwischen Rat und Stadtverordneten zu beseitigen, gelingt aber auch Gottschald nicht, die letzteren richten vielmehr unter dem 31. Oktober eine Beschwerde an die Kreisdirektion zu Zwickau, da dem Rate ein Bewilligungsrecht für den Mehrbetrag des Geländers nicht zustände. Die Kreisdirektion entscheidet unter dem 16. März 1847 zugunsten des Stadtrates.
Das vielumstrittene Geländer, dasselbe, welches noch heute die Brücke abschließt, wird vom Hammerwerk des Herrn von Querfurth in Schönhaide mit 4 Taler die laufende Elle an Ort und Stelle geliefert, die Aufsicht über die Aufstellung und Befestigung desselben wird dem Mechanikus Eisenreich übertragen. Als letzte Notiz in dem betreffenden Aktenstück findet sich, daß zum zweimaligen Anstrich des Geländers am 26. Mai 1847 von Offenbach ein Fäßchen Asphalt-Firnis für 33 Gulden süddeutsche Währung bezogen worden ist.
1846 stand der neue Stadtteil in stattlichen Wohnhäusern fertig da, der Eisenbahnbau und der Bau des Bahnhofsgebäudes unweit des „neuen” Chausseehauses an der Pausaer Chaussee war in Angriff genommen, am 12. August der Grundstein zum Gewerbeschulgebäude (jetzt Kgl. Gymnasium) gelegt worden. Vom Herbst 1846 ab (Ratsbeschluß vom 17. Oktober 1846) wurde die allgemeine Straßenbenennung eingeführt, nachdem man sich bis dahin vielfach mit umschreibenden Bezeichnungen nach den Personennamen der betreffenden Besitzer oder Anlieger beholfen hatte. So gab es Stern's Gäßchen (Schloßbergstraße), Stixens Gäßchen (Schießbergweg), Gäßchen bei Grimms Garten (Turngasse), Gäßchen bei Meltzers Haus (Hradschinstraße), Ziegelhüttenweg (Dobenaustraße), Gasse oberhalb der Königsburg (Burgstraße), beim Schlössel (Seestraße), Gasse von der Schwarzfarbe bis zum Hammertor (Gerberstraße), Pätzens Gäßchen (Braugasse), Gäßchen bei der obern Elstermühle (Theatergasse, jetzt Mühlstraße), Neubau = Neuermarkt (Seminarstraße), das Mordgäßchen wird auf dem Stadtplane von 1732 als Mohrgasse aufgeführt.
Den baupolizeilichen Bestimmungen entgegen hatte eine Bürger, Schmidt Popp, am oberen Graben ein Gebäude begonnen aufzuführen, welches wieder abzutragen ihm aufgegeben worden war. Popp weigerte sich dessen und setzte den Polizeiorganen den heftigsten Widerstand entgegen, sodaß die Kommunalgarde alarmiert werden mußte. Als die Bauplanke entfernt werden sollte, nahm die tausendköpfige Menge für den Popp Partei und ging zum gewälttätigen Angriff gegen Polizei und Kommunalgarde durch einen heftigen Steinhagel über, sodaß die Baugewerken flüchten mußten, auch einige Kommunalgardisten wurden verwundet. Popp hatte sich auf das Dach eines Stallgebäudes postiert, von dem er herunterfiel, womit der Tumult ein Ende nahm.
Wie das Jahr 1817 war auch das Jahr 1847 infolge gänzlichen Mißwachses im Vorjahr ein Jahr der härtesten Not und drückendsten Teuerung. Von Woche zu Woche war der Preis des Getreides gestiegen, bis der Scheffel Korn auf 10 Taler, der Scheffel Weizen über 12 Taler kam. Als am 24. Juli 1847 der erste Erntewagen eingefahren werden konnte, fand auf dem Marktplatz ähnlich wie im Jahre 1817 ein vom Stadtrate und dem Superintendenten Beyer veranstaltetes religiöses Volksdankfest statt.
Die politischen Ereignisse des Jahres 1848 machten sich in Plauen um so mehr geltend, als ein Plauischer Mitbürger, der spätere Amtshauptmann Dr. Braun, zum Minister ernannt und von Sr. Majestät mit dem Vorsitz im Gesamtministerium betraut worden war. Am 29. März fand zu Ehren der Anwesenheit Sr. Exzellenz des Herrn Staatsministers Dr. Braun in seiner Vaterstadt eine Feier mit Fackelzug und allgemeiner Illumination statt.
Anfang April macht der Rat bekannt, daß durch die infolge der Zeitereignisse eingetretene Stockung des Verkehrs es sich notwendig mache, Unbeschäftigten Arbeit zu geben, wozu außerordentliche Geldmittel notwendig seien, deren die Stadtkasse aber noch entbehre, alle diejenigen, welche mit Zahlung an die Stadtkasse, Stadtsteuer-Einnahme oder an die städtische Sportelkasse im Rückstand sind, werden aufgefordert, zur Vermeidung von Zwangsmitteln, ihrer Verpflichtung ungesäumt nachzukommen.
Im November 1848 fand die Verkehrs-Eröffnung der Sächsisch-Bayrischen Eisenbahn von Plauen bis Hof statt, gleichzeitig die Errichtung eines Eisenbahnamtes mit Telegraphenbureau. Zunächst gingen nach Hof drei Züge von Plauen ab, um 1/2 7 Uhr früh, 3 Uhr nachmittags und 7 Uhr abends, von Hof zurück 6 Uhr früh, 11 Uhr vormittags und 7 Uhr abends. In der Richtung nach Leipzig von Reichenbach und zurück verkehrten ebenfalls nur drei Züge.
Vom 21. März bis 1. April 1849 Durchzug und Einquartierung des nach Schleswig-Holstein marschierenden bayrischen Armeekorps; die Kommandanten lassen durch Bürgermeister Gottschald der ganzen Einwohnerschaft für den herzlichen Empfang der Truppen, sowie den Quartiergebern für die ausgezeichnete Bewirtung und freundliche Aufnahme den wärmsten, aufrichtigsten Dank abstatten.
Am 1. Mai richten Rat und Stadtverordnete an Se. Majestät den König eine Adresse behufs Anerkennung der deutschen Reichsverfassung nebst Reichswahlgesetz, wie solche von der Nationalversammlung in Frankfurt a. M. festgestellt worden sind.
Zur Unterstützung des am 3. Mai in Dresden ausgebrochenen Aufstandes marschiert am 7. Mai ein 80 Mann starker bewaffneter „Zuzug” nach Dresden, welchem am 9. Mai weitere 25 Mann folgen, beide Zuzüge sind dort nicht mehr in Aktion getreten. Am 22. Mai Einrücken preußischer. am 27. Mai Einrücken sächsischer Truppen, welche bis zum 31. August 1850 einquartiert bleiben. Der vormalige Stadtrichter Haußner wird wegen seiner Teilnahme an den aufrührerischen und hochverräterischen Unternehmungen in den vergangenen Maitagen unter dem 26. Oktober 1849 steckbrieflich verfolgt, er hatte sich aber lange vorher nach der Schweiz in Sicherheit gebracht.
Nach Vollendung der Göltzsch- und Elstertalbrücke kommt die Sächs.-Bayrische Eisenbahn am 16. Juli 1851 in vollständigen Betrieb, nachdem tags zuvor unter Anteilnahme Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Albert, Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten von Greiz und sonstiger hoher Ehrengäste die feierliche Betriebseröffnung der Strecke Reichenbach-Plauen stattgefunden hatte und damit endlich die Plauische Industrie die Vorteile der Bahntarife gegenüber den Sätzen per Achsenfracht voll genoß. Kostete vorher 1 Zentner Stückgut nach Leipzig per Achse 2 Taler, so ermäßigte sich der Satz per Bahn auf 80 Pfg.
Inzwischen war die nach dem großen Brande von 1844 geschaffene neue Straße in der Richtung nach dem Bahnhof mehrfach bebaut worden, unterhalb Deils Hotel hatte Postmeister Irmisch ein großes Gebäude errichtet, in welches am 19. Oktober 1852 das Postamt aus dem Gasthof zur Stadt Dresden in der Neustadt, in dem es nahezu ein halbes Jahrhundert sich befunden hatte, verlegt wurde. Angestellt waren zu dieser Zeit nur zwei Briefträger: Günnel und Heinzmann, den alten Plauischen noch wohlbekannt. Beim Umzug hatte man vergessen, den Briefeinwurf in Stadt Dresden zu entfernen; nach Verlauf von 14 Tagen fanden sich in demselben nicht weniger als 162 angesammelte Briefe vor. Von Mitte Dezember ab wurden zur Bequemlichkeit des korrespondierenden Publikums zwei Briefkasten, einer am Rathause, einer am ehemaligen Posthause angebracht.
Erfreute sich Plauen anfangs der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in wirtschaftlicher Beziehung unvergleichlich günstigerer Zustände - 1853 wurde die erste größere Stadtanleihe von 80000 Talern beschlossen und genehmigt -, waren die Verkehrsverhältnisse im Innern der Stadt nun in der Tat bessere geworden, blieb doch noch in letzter Beziehung recht viel zu wünschen übrig. So gab es an vielen Stellen in gewissen Straßen der Stadt noch enge winklige Stellen, die den Verkehr für den Fußgänger neben den Geschirren fast lebensgefährlich machten, so eingangs der Neustadt (Christ. Tröger) wie ausgangs nach der Brücke zu (bei Bäcker Treibmann), nicht minder an der Syra oberhalb des ehemaligen Syrauer Tors (zwischen dem Wettsteinschen und Wagnerschen Hause), ebenso an der Dobenaustraße an der Friedhofsmauer. Zahlreiche größere und kleinere Brände, zum Teil von einem Zimmermann namens Bauernfeind angelegt, welche in regelmäßigen Zwischenräumen Sonnabends abends kurz vor 9 Uhr zum Ausbruch kamen, befreiten die Stadt nach und nach von vielen häßlichen Stellen, später wurden auch besonders verkehrsstörende Häuser von der Stadt in einzelnen Fällen angekauft und abgebrochen, auch wurde mit der Trottoirlegung im Innern der Stadt begonnen.
Werfen wir nun zum Schluß noch einen kurzen Blick auf die spätere Entwicklung des Verkehrs unserer Stadt.

1840 hatte die Stadt
672 bewohnte Gebäude mit 10 152 Einwohnern
1871 1254„ „ „ 23 355 „
1881 1928„ „ „ 35 674 „
1891 2608„ 47 100 „
1901 3857 76 493
1902 4031„ „ 83 574 „
1903 4491„ „ „ 95 937 „
1904 ca. 4900 „ „ „ 102 000

Vom Jahre 1840 - 1871 hatte Plauen 30 Jahre gebraucht, um seine Einwohnerzahl zu verdoppeln, von 1871 - 1891 bedurfte es nur 20 Jahre, um die Einwohnerziffer abermals und zwar von 23 355 auf 47100 zu verdoppeln, das Wachstum der Stadt ist von da ab ein immer rapideres geworden.
Die 1845 erbaute Syrabrücke hatte bei einer Breite von 12 1/2 Meter 50 Jahre dem Verkehr genügt, im Jahre 1894 machte sich eine Verbreiterung um 7 1/2 Meter auf 20 Meter notwendig, infolge der gewaltigen Verkehrssteigerung und des Straßenbahnbetriebes genügten nach weiteren 5 Jahren 20 Meter nicht mehr und erfolgte eine abermalige Verbreiterung um 7 Meter. Der 1904 vollendete dritte Anbau hatte an der Lohmühlenseite eine Breite von 6 Meter, die sich bis zum Trömelschen Neubau bis auf 9 1/2 Meter erweitert, so daß die Gesamtbreite der Brücke im Mittel zirka 35 Meter betrug. So ist diese Syrabrücke, im Verein mit der Zahl der jetzt überhaupt vorhandenen Brücken zum Gradmesser der Verkehrssteigerung im letzten Jahrzehnt geworden. Bis zum Jahre 1835 besaß Plauen nur eine steinerne Brücke über die Elster, in diesem Jahre erbaute der Plauische Großindustrielle Kammerrat Gössel, an Stelle des „hohen Stegs” auf seine Kosten eine zweite steinerne Brücke, die er am 4. Juli 1836 der Stadt zum Geschenk machte. Diese Brücke ist infolge der Elsterregulierung zwar verschwunden, aber die neuerbaute größere über die regulierte Elster im Zuge der Böhlerstraße trägt den Namen „Gösselbrücke.” Namenlos ist noch immer die vor zirka 6 Jahren mit einem Kostenaufwand von 77 500 Mark erbaute schöne große Brücke über die Elster im Zuge der Fürstenstraße, ebenso die im vorigen Jahre vollendete im Zuge der Dürerstraße. Ein beträchtliches Bauwerk ist auch die Brücke über den Mühlgraben im Zuge der Trockentalstraße; in kleineren Dimensionen, aber gefällig, zeigt sich die Architektur der Syrabrücke im Zuge der Theaterstraße. Zu diesen „Straßenbrücken” ist in den letzten Wochen noch eine Eisenbahnbrücke über die Elster bei dem neuen Gasanstaltsgrundstück hinzugekommen, welche in einer Länge von 80 Meter das Flußbett schräg übersetzt und mittelst welcher seit einigen Wochen der Gasanstalt ihr bedeutender Bedarf an Kohlen direkt zugeführt wird. Aber alle diese Brückenbauten werden weit überboten durch den Bau der in Bruchstein-Zement-Mörtel-Mauerwerk ausgeführten großen Syratalüberbrückung (König Friedrich-August-Brücke), deren kühner Bogen von 90 Meter Spannweite von keinem ähnlichen Bauwerk erreicht wird und die in hoffentlich nicht zu langer Zeit zwei große Stadtteile in innige Verbindung bringen wird.
Das auf der Baustelle des von der großen Wasserflut im Jahre 1834 zerstörten Gasthofes zum Herz 1838 - 1841 neuerbaute große städtische Schulgebäude hatte bis zum Jahre 1860 Raum für alle Schulkinder gehabt, 1861 wurde das zweite Schulgebäude an der Neundorfer Straße errichtet, 1874 das am Anger, 1876 das vierte an der Straßberger Straße, 1882 das fünfte an der Jößnitzer Straße, 1889 die höhere Bürgerschule, 1892 die mittlere Bürgerschule in der Johannstraße, 1897 das Schulgebäude mit Kochschule in der Reißiger Straße, 1901 das Schulgebäude in der Ostvorstadt und bereits nach 3 Jahren das zur Zeit im innern Ausbau begriffene zehnte Schulgebäude in dem Neundorfer Stadtteil. Die einverleibten Stadtteile Haselbrunn, Chrieschwitz und Reusa besitzen gleichfalls stattliche Schulgebäude. Zu der altehrwürdigen Hauptkirche und der 1722 geweihten Gottesacker- jetzt Lutherkirche ist die im Jahre 1897 vollendete prächtige Pauluskirche als drittes Gotteshaus und gewissermaßen als Wahrzeichen des neuen Plauen hinzugekommen. Projektiert ist zur Zeit ein neues Gebäude für das Realgymnasium, die Errichtung eines großen Volksbades, sowie einer Talsperre im Geigenbachtale zur ausreichenden Versorgung der Stadt mit Wasser und schließlich eines großen Verwaltungsgebäudes, welche Projekte zum Teil schon in Ausführung begriffen sind, resp. in den nächsten Jahren vollendet sein werden.
Ueberblicken wir aber, was in den letzten zehn Jahren in Plauen außer der Durchführung wohldurchdachter Bebauungspläne zur Hebung des Verkehrs alles geschaffen worden ist, so möchte ich nur erinnern an die Elsterregulierung, Errichtung des großen Schlachthofes und des Elektrizitätswerkes, Erweiterung der Gasanstalt, Unterführung der Schillerstraße zur Verbindung von Haselbrunn mit der östlichen Bahnhofsvorstadt, Fortführung der Trockentalstraße unter Wegfall des Weidigtgäßchens und die dadurch geschaffene günstigere Verbindung der Straßberger und Neundorfer Vorstadt mit dem Talbahnhof. Zur Verbreiterung der unteren Endestraße mußte das Pörnersche Haus und die alte Mädchenschule dem architektonisch reich ausgestatteten Pastorat Platz machen. Um eine besonders für den Straßenbahnverkehr gefährliche Stelle an der Neundorferstraße zu beseitigen, sind die Schieck- und Auerbachschen Häuser angekauft und abgebrochen worden, die innere Stadt wird weiter gewinnen durch den Abbruch der für den Bau des Verwaltungsgebäudes angekauften Häuser, besonders die Herrenstraße durch den Durchbruch nach dem unteren Graben und die Marktstraße durch die Verbreiterung nach Beseitigung des den Verkehr beengenden Heynigschen Hauses. Trotz der enormen Summen, die alle diese zahlreichen und großen Bauten beanspruchen, ist es durch vorsichtige Finanzgebahrung gelungen, auch in den letzten zehn Jahren ohne Erhöhung des Zuschlags zur Gemeinde-Einkommensteuer auszukommen.


Als weitere Errungenschaft der letzten Jahre ist hervorzuheben, daß Plauen Garnisonstadt geworden ist, ohne daß der Stadtgemeinde dafür besonders schwere Opfer auferlegt worden sind; ein nicht allzugroßes, aber stattliches Theatergebäude, dessen Inneres in seiner vornehmen Einfachheit einen anheimelnden Eindruck macht, ist in der Hauptsache aus städtischen Mitteln errichtet worden, nachdem der Theaterverein durch freiwillige Beiträge den Grundstock zur Bausumme beschafft hatte.
Post- und Telegraphenverkehr ist derart gewachsen, daß trotz Errichtung von fünf weiteren Postämtern, Hoferstraße, oberer Bahnhof, Karolastraße, Chrieschwitz und Reusa zur Zeit ein bedeutender Anbau an das Hauptpostamt sich notwendig gemacht hat.


Unsere Straßenbahn, deren Betrieb vor zehn Jahren am 17. November 1894 eröffnet wurde, hat vor fünf Jahren Ende 1899 am 21. Oktober die Linie nach dem Grünen Kranz dem Verkehr übergeben, Verlängerungen der bestehenden Linien sind erfolgt oder in Ausführung begriffen, neue Strecken werden im nächsten Jahre hinzukommen.
Große freie Plätze sind in den Bebauungsplänen aller Stadtteile vorgesehen und zum Teil bereits erworben, der Schröder- und noch mehr der Dittrichplatz erfreuen das Auge durch ihre Schmuckbeete und welche Zierde für unsere Stadt sind der Albertplatz und Lutherplatz nach ihrer gärtnerischen Umgestaltung geworden; kurz, wir können Umschau halten nach welcher Richtung wir wollen, so sehen wir allerwärts das erfreuliche Bild einer in raschestem Tempo, aber in gesunder Entwickelung unausgesetzt vorwärts und aufwärts strebenden Stadt, sodaß deren Bürger mit Ullrich von Hutten ausrufen können:

„Es ist eine Lust zu leben in diesem Jahrhundert!”
Möge es allezeit so sein in unserer guten Stadt Plauen.